Der US-Gesandte zur EU, Sondland. | Bildquelle: REUTERS

EU-Botschafter Sondland Undiplomat von Trumps Gnaden

Stand: 21.11.2019 09:26 Uhr

Als EU-Botschafter ist Sondland von Trump persönlich eingesetzt worden, auch Lebenslauf und Stil ähneln dem des US-Präsidenten. Doch nach seiner Aussage im US-Kongress ist Sondlands Zukunft ungewiss.

Von Ralph Sina, ARD-Studio Brüssel

EU-Diplomaten in Brüssel rätseln: Wann feuert der US-Präsident seinen Botschafter bei der EU? Kehrt Gordon Sondland nach seinem Auftritt im Repräsentantenhaus zurück? Oder kommt Sondland nur noch in die Europa-Haupstadt, um seine Koffer zu packen und seine Familie abzuholen?

Im Juli 2018 hatte der US-Präsident Sondland als Botschafter bei der EU ernannt, nachdem der Posten in den ersten achtzehn Monaten der Trump-Präsidentschaft unbesetzt geblieben war. Kaum in Brüssel angekommen, stellte sich Donald Trumps Europa-Botschafter mit einem musikunterlegten Homevideo vor: Sehr erfreut sei er, Trumps Wahl für diesen Job zu sein, betonte Sondland.

Trumps Hotelierkollege als Botschafter

Ähnlich wie der US-Präsident hat er sein Geld mit Hotels und Immobiliengeschäften gemacht. Sondland spendierte aus seinem Vermögen eine Million Dollar an das Komitee, das die Feierlichkeiten zu Trumps Amtsantritt organisierte - was offenbar Trumps Motivation beflügelte, seinen Hotelierkollegen mit einem Botschafterjob in Brüssel zu belohnen. Und das, obwohl sich Sondland 2016 kurzzeitig von den fremdenfeindlichen Äußerungen des Wahlkämpfers Trump distanziert hatte.

Die europäische Öffentlichkeit ließ der frisch ernannte Diplomat Sondland in seinem Video wissen, dass er bereits seit seinem fünfzehnten Lebensjahr Hobbypilot ist. Außerdem verfüge er mit seiner Frau über eine wunderbare Kunstsammlung, aus der das Ehepaar Sondland hin und wieder dem Weißen Haus einige Gemälde ausleihe.

Konfrontativer Kurs

Einer der ersten EU-Parlamentarier, in dessen Büro Trumps Botschafter im vergangenen Herbst ohne Vorankündigung hereinspazierte, war Bernd Lange, der Vorsitzende des Handelsausschusses im EU-Parlament. Sondland sei "ein enger Vertrauter von Herrn Trump", so der Eindruck des Sozialdemokraten damals nach dem Gespräch. Ähnlich wie Trump versucht dessen Botschafter bei der EU seine Gesprächspartner einzuschüchtern: "Er hat ziemlich unverhohlen - ohne irgendwelche diplomatischen Klauseln oder Floskeln - gedroht", erinnerte sich Lange kurz nach seiner ersten Begegnung mit Sondland im September 2018 gegenüber dem ARD-Studio Brüssel: "gedroht mit Zöllen, mit Aktionen, wenn wir nicht den Wünschen der Amerikaner entgegenkommen".

Die Forderung von Sondland an die Adresse des Handelsexperten Lange: "zum Beispiel unsere EU- Importe zu reduzieren, damit das US-Handelsbilanzdefizit reduziert wird". Ein Handelsbilanzdefizit, das sich auf rund 151 Milliarden Dollar beläuft.

Sondland weiche nicht vom konfrontativen Kurs der Trump-Administration ab, meldete die Deutsche Botschaft bei der EU nach Berlin. Dieser Eindruck deckt sich mit dem des EU-Parlamentariers Lange nach der ersten Sondland-Begegnung. "Es war schon konfrontativ", so Lange. Er habe ihm auch sehr deutlich gesagt, "dass die Europäische Union ein anderes Kaliber ist als Kanada und Mexiko was die ökonomische Stärke betrifft". Doch über diesen Hinweis über die EU als größten Binnenmarkt der Welt habe Trumps Botschafter nur gelächelt.

Federführung der Ukraine-Diplomatie

Für Sondland war die US-Botschaft bei der EU in Brüssel nach Informationen der "New York Times" ein diskreter Ort, um sich vor vier Monaten mit dem neugewählten Präsidenten der Ukraine zu treffen. Nach einer Party zum amerikanischen Unabhängigkeitstag am vierten Juli habe neben dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj auch Trumps Schwiegersohn und Berater Jared Kushner an einem Dinner teilgenommen, berichtet die "New York Times".

In Brüssel hat Sondland niemals kommuniziert, dass er in diesem Sommer auch die Federführung der Ukraine-Diplomatie übernommen hat. Auch seine Botschaftsmitarbeiter waren laut dem Bericht der "New York Times" angeblich nicht über das Ausmaß von Sondlands Ukraine-Job informiert und wirken daran laut eigener Aussage nicht mit.

Sondland in Brüssel
Ralph Sina, ARD Brüssel
21.11.2019 08:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 21. November 2019 um 11:00 Uhr.

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