Zu sehen sind der Königspalast und die Kathedrale La Almudena in Madrid. | Bildquelle: dpa

Zweite Welle in Spanien Auswärtiges Amt warnt vor Madrid-Reisen

Stand: 11.08.2020 22:03 Uhr

Während in Deutschland noch über die zweite Welle diskutiert wird, steckt Spanien mittendrin: Die "segunda ola" stellt alle Lockerungen in Frage. Das Auswärtige Amt warnt jetzt auch vor Reisen nach Madrid.

Von Sebastian Kisters, ARD-Studio Madrid

"La Ola": Damit verbinden die meisten Menschen Spaß - bei Fußballspielen im Stadion, auf Konzerten und natürlich auch am Strand. "La Ola" heißt auf Deutsch "die Welle". Doch in diesem Jahr hat der Begriff seine Leichtigkeit verloren. Spanien leidet gerade unter "la segunda ola", der zweiten Welle. Es geht um Corona.

Die Sieben-Tage-Inzidenz gibt an, wie stark Menschen in einer Region oder einer Stadt vom Virus betroffen sind. Angegeben wird dabei, wie viele von 100.000 Menschen infiziert sind. In Deutschland haben sich die Länder mit dem Bund darauf geeinigt, dass dieser Wert nicht über 50 liegen sollte, sonst werden strikte Maßnahmen ergriffen. Den niedrigsten Wert unter den deutschen Bundesländern hat derzeit Sachsen-Anhalt mit 1,5 Infizierten je 100.000 Einwohnern, den höchsten hat Nordrhein-Westfalen mit 13,1.

Auswärtiges Amt erweitert Reisewarnungen

Ganz anders ist die Situation in Spanien. Moderate Zahlen gibt es noch im Süden: Andalusien mit seiner Costa del Sol kommt auf einen Wert von 20, die Kanarischen Inseln liegen bei 12. Rund um Zaragoza, in der autonomen Gemeinschaft Aragón, liegt der Wert jedoch bei 240, in Katalonien, rund um Barcelona, bei 71 und in Navarra bei 99. Für diese drei Regionen im Nordosten Spaniens gab es bereits Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes. Nun wurden sie erweitert: Gewarnt wird jetzt auch vor Reisen in die Hauptstadt-Region Madrid, dort liegt der kritische Wert mittlerweile bei 80, und vor Reisen ins Baskenland, wo 98 von 100.000 Menschen infiziert sind. Es ist die zweite Welle.

Viele Länder gehen weiter als Deutschland und haben bereits das gesamte spanische Festland zum Risikogebiet erklärt. Österreich vollzog diesen Schritt erst gestern. Denn überall steigen die Zahlen.

Mit den Lockerungen kehrte die Pandemie zurück

Schon im Frühjahr war Spanien stark betroffen, das Gesundheitssystem geriet an sein Limit - und darüber hinaus. Es folgte ein harter Lockdown. Menschen durften ihre Häuser nur noch verlassen, wenn sie zur Arbeit wollten oder einkaufen mussten. Im Juli kehrte das Leben dann langsam zurück - und nun mit Wucht auch die Pandemie. Zunächst gab es heftige lokale Ausbrüche in Gemüseanbaugebieten, wo viele Erntearbeiter in provisorischen Massenunterkünften leben. Jetzt sind auch weitere Landesteile betroffen, darunter die Hauptstadt Madrid.

Der spanische Thinktank Real Instituto Elcano hat die Gründe untersucht, warum Spanien bereits im Frühjahr so viele Infizierte und Tote zu beklagen hatte. Das Ergebnis: Mit Madrid und Barcelona gibt es zwei weltweit stark vernetzte Städte. Dort leben Menschen auf engem Raum zusammen. Außerdem würden die Menschen in Südeuropa eine geringere Distanz zueinander einhalten als etwa in Deutschland - Küsse und Umarmungen gehörten bei Begrüßungen dazu. Viele Menschen lebten zudem mit drei Generationen unter einem Dach.

Wissenschaftler kritisieren Behörden

Die zweite Welle habe nun mit Versagen der Behörden zu tun. "Während des Lockdowns hätte man sich vorbereiten können, wie man künftig Infektionswege besser nachvollziehen kann. Das ist nicht passiert. Es fehlt Personal", sagt der Wissenschaftler Miguel Otero-Iglesias. Außerdem sei der Druck aus dem Tourismus-Bereich groß gewesen, Bars und Kneipen zu öffnen. "Das war möglicherweise zu früh und wird jetzt wieder zurückgenommen."

"Hammer und Tanz" nennt sich ein Konzept der Pandemie-Forschung. Nach drastischen Maßnahmen folgt eine Phase der Lockerung. "Wir müssen noch herausfinden, wie wir mit dem Virus tanzen können", sagt der spanische Experte Miguel Otero-Iglesias.

Das ist vor allem für Millionen Menschen eine Herausforderung, die in Hotels, an Stränden und in Bars arbeiten. An den Stränden Mallorcas und Ibizas, auf den Balearen, liegt die Sieben-Tage-Inzidenz derzeit bei 32.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. August 2020 um 22:00 Uhr.

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