Menschen demonstrieren in Madrid für mehr Infastruktur in den ländlichen Regionen Spaniens | Bildquelle: AFP

Landflucht in Spanien Großdemo für ländliche Regionen

Stand: 31.03.2019 17:11 Uhr

Zehntausende Menschen haben in Madrid gegen die die dramatisch gestiegene Landflucht in Spanien demonstriert. Sie forderten von der Regierung Unterstützung, um Bewohner ländlicher Gebiete zum Bleiben zu animieren.

Mit einem Protestmarsch in Madrid haben Zehntausende Spanier auf das Problem der massiven Entvölkerung vieler Landesteile aufmerksam gemacht. An der Großkundgebung im Zentrum der Hauptstadt beteiligten sich Dutzende Verbände und Plattformen aus 23 Provinzen.

Die Organisatoren sprachen am Nachmittag von 100.000, die Behörden von 50.000 Demonstranten. Auf Transparenten war zu lesen: "Gleichheit für Dörfer und Städte!" und "Spanien braucht das ländliche Leben".

Weite Landstriche fast entvölkert

In Spanien leben 90 Prozent der Bevölkerung auf 30 Prozent der Landfläche, und zwar in Madrid und an den Küsten. Auf den übrigen 70 Prozent im Landesinneren wohnen damit nur noch zehn Prozent der Spanier.

Menschen demonstrieren in Madrid für mehr Infastruktur in den ländlichen Regionen Spaniens | Bildquelle: AFP
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Die Demonstranten fordern unter anderem eine bessere Infrastruktur.

Regierungsangaben zufolge liegt die Bevölkerungsdichte in rund 48 Prozent aller spanischen Gemeinden bei weniger als 12,5 Einwohnern pro Quadratkilometer. Das wird in der Europäischen Union als geringe Dichte mit Entvölkerungsrisiko eingestuft. Tausende Dörfer sind bereits gänzlich verlassen und stehen zum Teil zum Verkauf.

Zu der Kundgebung hatten die Plattformen "Teruel existe" und "Soria Ya!" aufgerufen, die seit Jahren versuchen, dem Problem entgegenzuwirken. Die Provinzen Teruel in Aragonien und Soria in Kastilien-León leiden besonders stark unter Landflucht. "Soria Ya!" hatte vor der Demo vorgerechnet, dass alle 89.000 Einwohner der Provinz ins Fußballstadion des FC Barcelona passen würden.

Fans im Fußballstadion von Camp Nu in Barcelona | Bildquelle: AFP
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Im Fußballstadion von Barcelona hätten alle Einwohner der fast 7000 Quadratkilometer großen Provinz Soria Platz.

Regierung kündigte bereits Maßnahmen an

Erst am Freitag hatte die sozialistische Regierung von Pedro Sánchez angekündigt, mit einer Notfallstrategie aus 70 verschiedenen Maßnahmen auf die Entvölkerung zu reagieren. Kritiker hatten daraufhin der Regierung vorgeworfen, ihr gehe es vor allem darum, vor der Parlamentswahl am 28. April Stimmen zu gewinnen - denn bei der Abstimmung spielt die Wählerschaft vom Lande eine Schlüsselrolle. Wichtige Punkte des Plans sind unter anderem eine bessere Internetanbindung im ländlichen Raum und die Schaffung neuer Beschäftigungsmöglichkeiten speziell für Jugendliche.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. März 2019 um 17:00 Uhr.

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