Auf einer Anzeigetafel in einem Flughafen steht das Wort "Mallorca". | Bildquelle: dpa

Gestiegene Corona-Fallzahlen Bundesregierung warnt vor Spanien-Reisen

Stand: 14.08.2020 20:56 Uhr

Das Auswärtige Amt hat eine offizielle Reisewarnung für Spanien herausgegeben. Betroffen ist das gesamte Land - mit Ausnahme der Kanaren. Der Reisekonzern TUI hat bereits Konsequenzen gezogen.

Nach der Einstufung als Corona-Risikogebiet hat das Auswärtige Amt nun eine offizielle Reisewarnung für das gesamte spanische Festland und die Balearen-Inseln wie Mallorca und Ibiza ausgesprochen. "Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Spanien mit Ausnahme der Kanarischen Inseln wird derzeit aufgrund hoher Infektionszahlen gewarnt", teilte das Ministerium auf seiner Internetseite mit. Auf Mallorca sei insbesondere Palma de Mallorca stark von der Corona-Pandemie betroffen.

Buchungen kostenlos stornierbar

Zunächst hatte das bundeseigene Robert Koch-Institut (RKI) seine Liste der Corona-Risikogebiete entsprechend aktualisiert. Zentrales Kriterium für die Einstufung als Risikogebiet ist, in welchen Staaten oder Regionen es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohnern gegeben hat. Die Liste des RKI umfasst derzeit etwa 130 Staaten von Ägypten über Russland bis zu den USA. In Spanien standen bereits die Regionen Aragón, Navarra, das Baskenland, Katalonien und die Hauptstadt Madrid darauf. Spanien insgesamt liegt derzeit noch knapp unter der Marke von 50 Neuinfektionen, aber Mallorca hat die Schwelle bereits überschritten.

Die Einstufung als Risikogebiet bedeutet, dass für heimkehrende Urlauber eine Testpflicht auf das Coronavirus greift. Der Test kann entweder noch im Urlaubsland höchstens 48 Stunden vor der Abreise auf eigene Kosten erfolgen oder er muss nach der Rückkehr in Deutschland durchgeführt werden - das ist drei Tage lang kostenlos möglich. Bis das Ergebnis vorliegt, müssen sich die Urlauber in häusliche Quarantäne begeben. Die nun von der Bundesregierung erlassene Reisewarnung geht noch weiter: Sie ist zwar kein Reiseverbot, aber eine abschreckende Wirkung ist beabsichtigt. Und sie hat eine positive Seite für Verbraucher: Sie ermöglicht es Reisenden, Buchungen kostenlos zu stornieren.

TUI sagt Pauschalreisen ab Samstag ab

Der Reisekonzern TUI ist deshalb bereits tätig geworden und hat die ab Samstag geplanten Pauschalreisen auf das spanische Festland und die Balearen abgesagt. Das gelte für Reisen, die bis einschließlich dem 24. August als Datum des Reisebeginns gebucht wurden.

Den Kunden würden Umbuchungen zu anderen Reisezielen angeboten, zum Beispiel zu den Kanarischen Inseln, wie ein TUI-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa sagte. Weil man nicht von allen Kunden Kontaktdaten habe, nehme man außerdem Kontakt zu Reisebüros auf. Reisenden, die bereits in den betroffenen Feriengebieten sind, biete TUI an, sie auf Wunsch früher als geplant nach Hause zu fliegen. Neben TUI kündigte auch der Anbieter DER Touristik an, Reisen in die betroffenen Gebiete abzusagen.

Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) bedauerte die von der Bundesregierung ausgesprochene Reisewarnung, betonte aber auch, die Entscheidung sei zu akzeptieren, "da der Gesundheitsschutz die höchste Priorität für die Tourismusbranche hat". BTW-Generalsekretär Michael Rabe appellierte "an die Vernunft von Reisenden wie touristischen Unternehmen, die geltenden allgemeinen Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten". Reisewarnungen müssten vor dem Hintergrund der ohnehin schon stark gebeutelten Tourismusbranche "tagesaktuell überprüft und bald möglichst zurückgenommen werden".

Wieder Einschränkungen in ganz Spanien

Die Infektionszahlen in Spanien sind seit Wochen wieder stark gestiegen. Pro Tag werden in dem Land mit gut 47 Millionen Einwohnern derzeit fast 3000 Neuinfektionen registriert. Das ist so hoch wie zuletzt im April. Zum Vergleich: In Deutschland mit 83 Millionen Einwohnern waren es zuletzt 1449 Neuinfektionen pro Tag.

Der spanische Gesundheitsminister Salvador Illa kündigte aufgrund dieser Entwicklung neue drastische Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus an. Das Nachtleben werde landesweit unterbunden, das Rauchen im öffentlichen Raum verboten, wenn der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden könne, und Alkohol dürfe nicht mehr im Freien getrunken werden, sagte der Minister nach einer Krisensitzung mit den Vertretern der Regionen in Madrid. Letzteres zielt vor allem auf die bei jungen Leuten beliebten Feiern nachts am Strand oder in Parks.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. August 2020 um 20:00 Uhr.

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