Anhänger der ultrarechten Partei Vox | Bildquelle: AP

Vor Wahl in Spanien Der Aufstieg der ultrarechten Vox

Stand: 26.04.2019 01:11 Uhr

Am Sonntag wird in Spanien gewählt - und die ultrarechte Partei Vox wird wohl den Sprung ins Parlament schaffen. In Andalusien ist sie regional teils stärkste Kraft. Wie konnte ihr das gelingen?

 Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Aus dem Nichts zur stärksten politischen Kraft. Das hat die ultrarechte Partei Vox in der 80.000-Einwohner-Stadt El Ejido in Andalusien geschafft. Hier holte Vox bei der Regionalwahl im Dezember fast 30 Prozent und überholte damit alle anderen Parteien.

Juan José Bonilla ist stolz darauf, er koordiniert die Arbeit von Vox in der Stadt: "El Ejido war bisher immer ein Ort, in dem sehr viele Menschen die konservative Volkspartei PP gewählt haben. Doch wahrscheinlich hat die Politik der PP die meisten Einwohner hier nicht mehr erreicht, sie wollten etwas Neues: Eine Partei, mit der sie sich stärker identifizieren können als mit der PP."

Die politische Landschaft in Spanien vor der Wahl
tagesthemen 22:15 Uhr, 25.04.2019, Natalia Bachmayer, ARD Madrid

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Viel Landwirtschaft, viele Ausländer

El Ejido ist keine südspanische Stadt wie jede andere. Wer über die Hauptstraße geht, sieht überdurchschnittlich viele Dunkelhäutige und Frauen mit Kopftuch. Die Ausländerquote liegt bei 62 Prozent. Und das hängt mit dem wichtigsten Wirtschaftszweig der Gegend zusammen: der industriellen Landwirtschaft.

Rund um El Ejido stehen Gewächshäuser - Hunderte, Tausende; kaum ein Fleck ist nicht mit ihnen bebaut. Hier arbeiten fast ausschließlich Afrikaner.

Haupteinkaufsstraße von El Ejido
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Die Arbeitslosenquote in El Ejido ist eher gering, die Ausländerquote hoch. Auf der Haupteinkaufsstraße sind viele Frauen mit Kopftuch zu sehen.

"Spanien kann nicht so viele Menschen aufnehmen"

Die Immigration spiele eine große Rolle für die Bewohner der Stadt, sagt Vox-Mann Bonilla. Er spricht von einer Unsicherheit im Ort und davon, dass die Menschen genug hätten von illegalen Einwanderern.

Tatsächlich geht fast jeder in El Ejido auf das Thema ein, wenn man ihn auf die politische Lage anspricht. Zum Beispiel Pepe. Er wünscht sich, dass die Amtszeit von Ministerpräsident Pedro Sánchez endet: "Sánchez hat dasselbe getan wie sein Vorgänger Zapatero: Jedem Papiere gegeben, der welche wollte. Das geht nicht. Spanien kann nicht so viele Menschen aufnehmen", sagt er. "Die Spanier haben zu wenig Jobs, wo soll Arbeit für die ganzen Leute her? Wir sind keine Rassisten. Aber es gibt hier einfach zu viele Menschen."

Gewächshäuser in El Ejido
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Die Region lebt vor allem von der industriellen Landwirtschaft. Die Arbeitsbedingungen in den Gewächshäusern sind hart.

"Wir nehmen ihnen keine Jobs weg"

Dabei ist El Ejido die Gemeinde Andalusiens mit der geringsten Arbeitslosigkeit, sie liegt bei zwölf Prozent. In vielen anderen Teilen der Region sind mehr als 30 Prozent der Bevölkerung arbeitslos gemeldet.

Spitou kann die Skepsis Ausländern gegenüber daher nicht verstehen. Er kommt aus dem Senegal und arbeitet in der Landwirtschaft - in einem der Tausenden Gewächshäuser unter Plastikplanen. Dort herrscht im Schatten eine Temperatur von 50 Grad. Keine Spanier ginge dort hinein, sagt er. "Es stimmt einfach nicht, dass wir ihnen die Jobs wegnehmen. In dem Betrieb, in dem ich arbeite, sind mit mir 30 Afrikaner beschäftigt. Kein einziger Spanier. Wenn ein Spanier reinkommt, dann ist es unser Chef." 

Der Rassismus habe gerade an der andalusischen Küste die Vox groß gemacht, sagt der Politologe Ángel Cazorla von der Universität Granada.

Katalonien-Konflikt löst nationalistische Gefühle aus

Doch beim Blick auf ganz Spanien spielt nach seinen Worten die Katalonien-Krise eine wichtigere Rolle. Ein Hauptproblem, das Vox aufgezeigt habe, sei die Unfähigkeit der klassischen Parteien, mit dem Katalonien-Konflikt vernünftig umzugehen, so Cazorla. "Das hat bei vielen Menschen nationalistische Gefühle ausgelöst und ihren Stolz, ein Spanier zu sein, größer gemacht."

Für den Politikwissenschaftler ist Vox eine Partei, die es schafft, Problemen in Spanien einen Namen zu geben. Eine typische rechtspopulistische Partei, die mit Gefühlen spiele und oft komplexe Themen für die Menschen scheinbar einfach zu lösen darstelle. "Hier kommen viele Faktoren zusammen - und alle finden sich in Vox wieder."

Die Partei sei eine Marke, die es erlaube, sich auszudrücken. Vox sei nicht neu. Vor ihr sei die konservative Volkspartei eine Art Sammelbecken für Rechtsaußen-Politiker gewesen. Doch Vox habe einen Kurs salonfähig gemacht, den es zuvor nur im Verborgenen gegeben habe.

Spanien-Wahl: Die rechtsextreme Partei Vox und ihr Aufstieg
Oliver Neuroth, ARD Madrid
25.04.2019 23:49 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 25. April 2019 um 22:15 Uhr.

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