Mann mit Mundschutz vor Bank in Barcelona | Bildquelle: REUTERS

Corona-Krise in Spanien "Alle Pläne über den Haufen geworfen"

Stand: 01.05.2020 13:39 Uhr

Nach der Virus-Krise steuert Spanien auf eine schwere Rezession zu: Ein Minus von 9,2 Prozent erwartet die Regierung in diesem Jahr. Mut machen dagegen die Entwicklung der Corona-Zahlen und neue Freiheiten.

Spanien ist neben den USA und Italien das am stärksten von der Epidemie betroffene Land. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionsfälle liegt bei etwa 213.000, fast 25.000 Menschen starben infolge der Viruserkrankung. Langsam bessert sich die Lage im Land, die Zahl der Neuerkrankungen steigt nicht mehr so schnell.

Doch der Blick auf die Wirtschaft sorgt für neue Sorgen: Im laufenden Jahr erwartet die Regierung ein Minus von etwa 9,2 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Arbeitslosigkeit werde auf einen Anteil von 19 Prozent steigen, prognostizierte die stellvertretende Ministerpräsidentin Nadia Calviño. Das Haushaltsdefizit dürfte mit 10,34 Prozent auf das höchste Niveau seit dem Höhepunkt der Euro-Krise in die Höhe schießen.

Wegen der massiven wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise hatten die EU-Staaten bereits Ende März beschlossen, erstmals die europäischen Regeln für Schulden- und Haushaltsdefizite auszusetzen. 

Frau mit Kind in Barcelona | Bildquelle: AP
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Langsam werden die Ausgangsbeschränkungen für die Spanier wieder gelockert.

"Alle Pläne über den Haufen geworfen"

In dem nun vorgestellten Plan für wirtschaftliche Stabilität für die EU formuliert die spanische Regierung für 2021 eine optimistischere Prognose. Im kommenden Jahr erwarte man eine Erholung und hofft auf ein Wirtschaftswachstum von 6,8 Prozent.

Das Coronavirus habe alle Pläne für 2020 "total über den Haufen geworfen", sagte Finanzministerin María Jesús Montero. Man habe das Gesundheitssystem stärken, die Familien schützen und die Unternehmen und Selbstständigen mit Liquidität versorgen müssen.

Gelockerte Ausgangsbeschränkungen

Wegen der Pandemie waren am 14. März strikte Ausgangsbeschränkungen in Kraft getreten, die vorerst bis zum 9. Mai gelten. Nach ersten Lockerungen für Kinder dürfen ab diesem Wochenende alle Bürger erstmals nach sieben Wochen wieder im Freien spazieren gehen oder Sport treiben.

Zur Ausübung dieser Aktivitäten werde es Zeitfenster und örtliche Beschränkungen geben, erklärte Gesundheitsminister Salvador Illa. Es ist erlaubt, dafür zwischen 6.00 und 10.00 sowie zwischen 20.00 und 23.00 Uhr aus dem Haus zu gehen und sich bei Spaziergängen bis zu einem Kilometer vom Wohnsitz zu entfernen. Beim Sport darf man die Wohngemeinde nicht verlassen.

In vier Phasen zur "neuen Normalität"

Die Lockerungsmaßnahme ist Teil des Vier-Phasen-Plans der Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez, mit dem man bis Ende Juni eine "neue Normalität" erreichen möchte. Jede der vier Phasen des Exit-Plans soll zwei Wochen dauern. Nach und nach sollen immer mehr Geschäfte, Lokale und Kirchen sowie später Fitnessstudios, Kinos, Theater und Hotels geöffnet werden. Die Belegung darf aber zunächst nur bei maximal 30 Prozent, später bei 50 Prozent der Kapazität liegen. Reisen zwischen den verschiedenen Regionen Spaniens werden laut Sánchez frühestens Ende Juni wieder erlaubt sein.

Im Sommer sollen auch Hotels wieder geöffnet sein - wenn auch mit Einschränkungen. Ob auch deutsche Touristen im Sommer wieder nach Spanien kommen können, ist allerdings weiterhin offen. Das wird auch von den Reisebeschränkungen der deutschen Behörden abhängen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. April 2020 um 23:00 Uhr.

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