Die Wahlurnen werden nach der Wahl unter Sicherheitsvorkehrung zur Auszählung gebracht.

Parlamentswahl in Sri Lanka Comeback für den alten Machthaber?

Stand: 17.08.2015 17:43 Uhr

Wer gewinnt die Wahl in Sri Lanka? Der gerade erst gewählte Reformer, Präsident Sirisena - oder Ex-Präsident Rajapaksa, der unbedingt zurück an die Macht will? Sirisena setzt auf Versöhnung mit den Tamilen, Rajapaksa lehnt das rigoros ab.

Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio

Die aufgeregten Krähen schlagen Alarm. Der Wahltag in der Hauptstadt Colombo endet mit einem krachenden Monsungewitter. Jetzt wird gezählt. Doch Damith Vitharanage ist sich sicher, dass er den wichtigsten Teil des Ergebnisses schon kennt. Damith ist ein bekannter Astrologe und berät Politiker. Unter anderem den Präsidenten. In südasiatischen Ländern wie Sri Lanka oder Indien ist es üblich, sich nach den Sternen zu erkundigen, bevor wichtige Entscheidungen fallen.

"Die Sterne sagen, dass Mahinda Rajapaksa nicht Premierminister wird", sagt Damith Vitharanage und erklärt weiter: "Der Planet Raho, der dafür verantwortlich ist, dass Menschen unerreichbare Träume jagen, ist in sein erstes Haus eingefallen. Das bedeutet, dass er sich falsche Hoffnungen macht. Er glaubt an Dinge, die nicht erreichbar sind."

Rajapaksa will unbedingt zurück an die Macht

Unterstützer des ehemaligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa
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Unterstützer des ehemaligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa

Mahinda Rajapaksa ist mit dem festen Vorsatz angetreten, aus dieser Parlamentswahl als Premierminister hervorzugehen - wohlwissend, dass er bei der Präsidentschaftswahl im Januar die schmerzhafteste Niederlage seiner politischen Karriere erlitten hat. Damals unterlag er seinem langjährigen Weggefährten Maithripala Sirisena, der sich von ihm losgesagt hatte, um Rajapaksas zehnjährige Alleinherrschaft zu beenden.

Viele Wähler folgten Sirisena. Damals und auch heute. "Wir wollen ein Sri Lanka, in dem nicht nur die Rajapaksa-Familie regiert. Wir wollen ein Sri Lanka ohne Korruption, Vetternwirtschaft, Unterdrückung, Mord und Blutvergießen. Wir wollen eine harmonische Nation sein", sagt ein Wähler.

Sirisena will Rajapaksa unbedingt verhindern

Maithripala Sirisena und Mahinda Rajapaksa gehören beide der gleichen Partei an. Doch der neue Präsident arbeitet eng mit den politischen Gegnern seiner eigenen Partei zusammen, um eine Rückkehr seines Vorgängers auf jeden Fall zu verhindern. Er hat ihm kurz vor der Wahl sogar einen Brief geschrieben, in dem er ihm mitgeteilt hat, dass er Rajapaksa auf keinen Fall vereidigen werde.

Der amtierende Präsident Maithripala Sirisena
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Der amtierende Präsident Maithripala Sirisena

Sirisenas wichtigster Partner ist der amtierende Premierminister Ranil Wickremesinghe. Er ist seit Januar im Amt - vom Präsidenten ernannt. Und er gibt sich siegessicher, dass er im Amt bleiben kann: "Das hier sind die ersten friedlichen Wahlen in Sri Lanka. Es sind freie und faire Wahlen, die wir durch unsere gemeinsame Revolution im Januar möglich gemacht haben. Lassen Sie uns das Ergebnis respektieren, und lassen Sie uns weiter zusammenarbeiten, damit wir gemeinsam ein neues Sri Lanka aufbauen können."

Rajapaksa als singalesischer Held

Der Inselstaat ist sechs Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs noch immer tief gespalten. Ex-Präsident Rajapaksa hatte einen politischen Versöhnungsprozess und die Aufarbeitung schwerer Kriegsverbrechen verhindert. Er begreift Sri Lanka vor allem als Heimatland der buddhistischen Singalesen, und nicht wenige verehren ihn dafür: "Rajapaksa ist ein Held. Er und unsere Armee haben keine Verbrechen begangen, sondern den tamilischen Terror besiegt. Wir brauchen keine Tribunale", sagen diese jungen Rajapsaka-Wähler. Sie stehen der tamilischen Minderheit weiter misstrauisch gegenüber.

Angst der Tamilen

"Das alte Regime darf nicht zurückkommen", sagt eine tamilische Großmutter nach ihrer Stimmabgabe in Colombo. "Davor haben wir Angst. Aber wenn ich  noch mehr sage …" Sie bricht ab. Mit ihrer linken Hand deutet sie einen Schnitt durch ihre Kehle an. Sri Lanka entwickelt sich wirtschaftlich sehr ungleichmäßig, die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch. Doch die fehlende innere Einheit ist die wohl größte Herausforderung für die neue Regierung.    
 

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