Sicherheitskräfte bewachen die Moschee in Negombo. | Bildquelle: REUTERS

Anschläge in Sri Lanka Die Wut auf Muslime wächst

Stand: 25.04.2019 09:04 Uhr

Ein Hassprediger soll der Strippenzieher hinter den Anschlägen auf Sri Lanka sein. Warnungen hatten Behörden ignoriert. Im Land wächst unterdessen die Wut auf Muslime.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu Delhi

In Negombo, nördlich der Hauptstadt von Sri Lanka, versammeln sich die Einwohner jetzt täglich zu Trauerfeiern und Beerdigungen. In der St. Sebastianskirche des kleinen Ortes hatte sich am vergangenen Sonntag einer der Selbstmordattentäter während der Ostermesse in die Luft gesprengt.

Trauerfeier in Sri Lanka | Bildquelle: REUTERS
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Mehr als 350 Menschen waren bei der Anschlagsserie am Ostersonntag in Sri Lanka getötet worden. Hunderte wurden verletzt.

Muslime in Bedrängnis

In die Trauer der Hinterbliebenen mischt sich Wut. Auf die Regierung, die trotz Hinweisen ausländischer Geheimdienste nichts unternommen hat, um die Anschläge auf drei Kirchen und drei Luxushotels zu verhindern. Und auf Muslime.

Am Rande von Negombo leben Flüchtlinge aus Pakistan. Es sind Mitglieder der muslimischen Sekte der Amadiya, die in ihrer Heimat diskriminiert und verfolgt werden und deshalb nach Sri Lanka geflohen sind. Doch nun sind sie auch hier nicht mehr willkommen.

Da sie in den vergangen Tagen mehrmals angegriffen wurden, sind Dutzende Familien aus Negombo geflohen. "Sie haben uns geschlagen. Unser Vermieter sagte, wir sollten sein Haus verlassen und verschwinden", berichtet Farah Jameel, eine junge Frau der Ahmadiya-Gemeinde in Negombo.

Pakistanische Flüchtlinge sitzen in der Moschee in Negombo. | Bildquelle: REUTERS
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Pakistanische Flüchtlinge haben Zuflucht in der Moschee in Negombo gesucht.

"Wir wissen nicht, wohin", sagt Adnan Ali, ein junger Mann, der in einen der bereit gestellten Busse steigt. "Wegen der Bombenanschläge haben die Einwohner des Ortes unsere Häuser angegriffen. Unsere Gemeinde organisiert jetzt einen sicheren Transport für uns. Aber wo sie uns hinbringen, wissen wir auch nicht."

Schon früher hatten es die pakistanischen Flüchtlinge in Sri Lanka nicht leicht. In den vergangenen Jahren waren Mitglieder der Ahmadiya-Sekte abgeschoben worden, ohne dass ihre Asylanträge geprüft wurden und trotz Protesten der Vereinten Nationen. 

Radikaler Geistlicher als Strippenzieher

Während die Spannungen zwischen den Religionsgemeinschaften in Sri Lanka wachsen, haben sich muslimische Organisationen in Sri Lanka von den islamistischen Attentätern distanziert, die für die Anschlagsserie am Ostersonntag verantwortlich waren. In einer gemeinsamen Erklärung bekräftigten sie, dass Extremismus im Namen des Islams in keiner Weise ihre Religion repräsentiere. Die Täter und Unterstützter müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Medienberichten zufolge hatten die Muslime in Sri Lanka die Behörden schon seit Jahren vor einem radikalen Geistlichen in ihrer Mitte gewarnt. Jetzt sieht es so aus, als ob dieser Hassprediger, Zahran Hashim, eine zentrale Rolle bei der Anschlagsserie am Ostersonntag gespielt haben könnte. In dem von der Terrormiliz "Islamischer Staat" veröffentlichten Bekennervideo soll der 40-jährige Geistliche zu sehen sein. Er gilt als Anführer der Gruppe, die vor den Anschlägen weitgehend unbekannt war - auch in Sri Lanka.

Der Vizepräsident des Muslimrats von Sri Lanka, Hilmy Ahamed, sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe die Behörden bereits vor drei Jahren vor Hashim gewarnt. Niemand habe jedoch geglaubt, dass er und seine Anhänger einen Anschlag solchen Ausmaßes ausführen könnten.

Sri Lanka - Spannungen zwischen Religionsgemeinschaften
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
25.04.2019 08:15 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. April 2019 um 06:20 Uhr.

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