Trauer in Sri Lanka | Bildquelle: M A PUSHPA KUMARA/EPA-EFE/REX

Anschläge in Sri Lanka Opferzahl deutlich nach unten korrigiert

Stand: 25.04.2019 19:47 Uhr

Nach den Anschlägen auf Sri Lanka haben die Behörden die Zahl der getöteten Menschen um rund 100 nach unten korrigiert. Sie gehen nun von etwa 250 Toten aus. Währenddessen sind Hunderte Muslime auf der Flucht.

Die Behörden auf Sri Lanka haben nach Abschluss der Autopsien die Zahl der getöteten Menschen deutlich korrigiert: Etwa hundert Menschen weniger sollen getötet worden sein. Bisher lag die Annahme bei 359 Toten. "Es könnten 250 oder 260 sein", sagte der Generaldirektor der Gesundheitsdienste.

Zu der falschen Annahme kam es, da nach Angaben des Gesundheitsministeriums nach den Explosionen am Ostersonntag mehrere schwer verstümmelte Leichen doppelt gezählt wurden. Zudem mache es der Zustand der Leichen schwer, eine genaue Zahl zu nennen.

Hunderte Muslime auf der Flucht

Die Anschläge auf Kirchen und Hotels wurden von Selbstmordattentätern verübt. Die Regierung macht Islamisten verantwortlich. Aus Angst vor Racheakten und Einschüchterungen suchten Hunderte Muslime in Moscheen und einer Polizeistation Schutz. In Negombo im Westen des Landes hätten zahlreiche Muslime ihre Unterkünfte räumen müssen, weil die Eigentümer Vergeltungsaktionen auf ihren Grundstücken fürchteten, sagte Ruki Fernando von der Menschenrechtsgruppe Inform.

Soldaten stehen auf Sri Lanka vor einer Kirche Wache. | Bildquelle: REUTERS
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Soldaten stehen auf Sri Lanka vor einer Kirche Wache.

Einige Muslime seien auch aus eigenem Antrieb geflohen, nachdem Unbekannte in der Stadt in ihre Häuser eingedrungen seien und sie geschlagen hätten. In einer Moschee der Stadt suchten demnach vermutlich bis zu 700 Muslime Zuflucht. Rund 120 weitere hätten Schutz in einer Polizeistation gefunden. Mehrere hundert weitere Muslime seien in einer Moschee im rund 25 Kilometer entfernten Pasyala untergekommen.

Angespannte Beziehungen

Bei den vertriebenen Muslimen handelt es sich den Angaben zufolge um Mitglieder der Ahmadi-Minderheit. Sie sind Flüchtlinge aus Pakistan, Afghanistan, aus dem Jemen und dem Iran, wo sie von Hardline-Islamisten wegen ihrer Glaubensrichtung nicht als echte Muslime betrachtet und angefeindet werden. "Heute sind diese Flüchtlinge in Sri Lanka wieder zu Flüchtlingen geworden", sagte Fernando.

Die Beziehungen zwischen den Ahmadis und Einheimischen in Sri Lanka galten bereits seit längerer Zeit als angespannt. In Negombo wurde den Flüchtlingen beispielsweise vorgeworfen, die Mietpreise in die Höhe zu treiben. Menschenrechtsgruppen werfen der Regierung vor, zu wenig zum Schutz der Flüchtlinge zu tun.

Panik nach kontrollierter Sprengung

Die Angst vor neuen Terrorakten ist weiterhin groß, auch weil die Regierung einräumte, dass Verdächtige weiter auf der Flucht sind. Nach einer von Spezialisten kontrolliert ausgeführten Detonation wurde bei Colombo erneut eine Panik ausgelöst. Zu Schaden kam laut Behördenangaben niemand.

Ein Grund für die vorbeugenden Maßnahmen ist, dass noch nicht alle Verdächtigen gefasst wurden. Ministerpräsident Ranil Wickremesinghe warnte, die Flüchtigen könnten Sprengstoff bei sich tragen. Die Polizei bat öffentlich um Informationen über drei Frauen und drei Männer. In welcher Form sie mit den Anschlägen in Verbindung stehen, blieb unklar.

Polizisten durchsuchen Motorradfahrer in Colombo | Bildquelle: AP
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Die Suche nach Verdächtigen läuft weiter - hier kontrollieren Polizisten in Colombo Motorradfahrer.

Die Polizei nahm einen Geschäftsmann in Gewahrsam. Der Mann sei der Vater von zwei Selbstmordattentätern gewesen, hieß es; es bestehe der Verdacht, er habe ihnen geholfen. Insgesamt haben Ermittler mittlerweile 76 Verdächtige inhaftiert.

US-Botschaft warnt vor neuen Anschlägen

Die US-Botschaft in Sri Lanka warnte auf Twitter vor neuen Anschlägen an diesem Wochenende und rief dazu auf, Kirchen und große Menschenmenge zu meiden. Die israelische Regierung rief in einer Reisewarnung alle Bürger auf, Sri Lanka schnellstmöglich zu verlassen und sprach von einer "erhöhten konkreten Gefahr". Aus Sicherheitsgründen sagte die katholische Kirche alle Gottesdienste in Colombo bis 29. April ab.

Auf den Tourismus wirkten sich die Anschläge bereits aus, wenn auch noch nicht deutlich: 2,3 Millionen Reisende kamen nach Angaben der Tourismus-Behörde allein im vergangenen Jahr nach Sri Lanka. 400 Prozent mehr, als noch vor zehn Jahren, unmittelbar nach Ende des Bürgerkrieges. Bereits jetzt, wenige Tage nach den Anschlägen, mache sich eine Umkehrung des Trends bemerkbar, sagte Shiromal Cooray, die Chefin des Jetwing Hotels in Negombo: "Genaue Zahlen kann ich nicht nennen, aber wir verlieren schon einen beachtlichen Teil unseres Geschäfts."

Mit Informationen von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Sri Lanka - weniger Tote und Verletzte als anfangs angenomen
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
26.04.2019 07:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. April 2019 um 20:00 Uhr.

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