Die Feuerwehr löscht einen Brand in einem zerstörten Laden in Sri Lanka | Bildquelle: M A PUSHPA KUMARA/EPA-EFE/REX

Sri Lanka Stimmung gegen Muslime heizt sich auf

Stand: 14.05.2019 10:49 Uhr

Nach den Anschlägen im April ist es in Sri Lanka erneut zu antimuslimischen Protesten gekommen. Ein Mann starb. Die Regierung sperrte soziale Netzwerke und verhängte Ausgangssperren.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu Dehli

Ein Dutzend junge Muslime kehren Scherben zusammen. In ihrem Gemeindezentrum sind alle Fensterscheiben herausgebrochen. Tische, Stühle und Drucker liegen kaputt auf dem Boden. Der 20-jährige Mohammed Silmi war auch an dem Abend hier, als Christen auf sie zustürmten. Zunächst seien zehn Leute hereingekommen und hätten alles zerschlagen, sagt er. "Dann kamen immer mehr dazu. Am Ende waren es 200 Muslime und rund 500 Christen."

Ihr kleines Büro, eine Art sozialer Treffpunkt direkt am Strand, liegt in Negombo, rund 40 Kilometer nördlich von der Hauptstadt Colombo. Hier hatte sich am Ostersonntag einer der Attentäter in der St. Sebastian Kirche in die Luft gesprengt und rund 100 Leute mit in den Tod gerissen. Vor den Anschlägen habe es in seiner Stadt nie Probleme zwischen Muslimen und Christen gegeben, erzählt Silmi. Jetzt habe er immer Angst.

Zerstörter muslimischer Laden in Minuwangoda | Bildquelle: AFP
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Zerstörter muslimischer Laden in der Stadt Minuwangoda

Sicherheitskräfte vor den Gotteshäusern

Anthony Joshob fährt mit seinem Fahrrad an dem Gemeindezentrum vorbei und stoppt einige Meter weiter. Auch er war bei den Prügeleien dabei: "Ich habe persönlich nichts gegen Muslime. Aber wir Christen, wir haben Frieden in unseren Kirchen. Die Muslime haben dort Schwerter."

Seit den Anschlägen stehen wie in Negombo auf der gesamten Insel Sicherheitskräfte vor allen Gotteshäusern und Tempeln. Damit sich die Stimmung unter den Menschen nicht weiter aufheizt, gab es erst vereinzelt, und nun wieder im gesamten Land, nächtliche Ausgangssperren.

Soldaten patrouillieren die Straßen der Stadt Hettipola in Sri Lanka | Bildquelle: REUTERS
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Nach den Attacken auf Muslime patrouillieren Soldaten die Straßen der Stadt Hettipola.

Außerdem ist der Zugang zu sozialen Netzwerken seit gestern wieder unterbrochen. Dort würden Hassbotschaften noch mehr Unruhe unter die Leute bringen, begründete die Regierung von Sri Lanka den Schritt. So soll in der Stadt Chilaw, im Westen von Sri Lanka, ein muslimischer Ladenbesitzer gepostet haben: "Hört auf zu lachen, eines Tages werdet ihr weinen." Das sei eine Drohung gewesen, ein nächster Anschlag stehe bevor, dachten die Christen aus dem Ort und haben daraufhin Geschäfte attackiert und in einer Moschee randaliert.

Mobs vor den Häusern von Flüchtlingen

In Negombo sind in den vergangenen Tagen Mobs vor den Häusern von muslimischen Flüchtlingen aufmarschiert. Einige Vermieter setzten die Flüchtlinge nun vor die Tür, sie haben Angst vor weiteren Ausschreitungen, oder vor Razzien durch die Sicherheitskräfte.

Die Gefahr weiterer Anschläge sei aber fast ausgeschlossen, sagte vor einigen Tagen der Armeechef von Sri Lanka: "Wir haben die Situation unter Kontrolle. Die Menschen in Sri Lanka müssen sich keine Sorgen mehr machen. Die meisten Unterstützer hier im Land haben wir bereits verhaftet." Nun würde noch "in weiteren Kreisen" untersucht, wie es zu den Anschlägen hatte kommen können. "Wir kümmern uns", versprach er. Die Menschen in Sri Lanka könnten wieder in ihr normales Leben zurückkehren.

Doch normal fühlt sich das Leben der Menschen in Sir Lanka noch nicht an. Es werde aber von allen Seiten versucht, Ruhe ins Land zu bringen, erzählt auch Mohamed Silmi aus Negombo: "Unser Imam sagt, greift niemanden an, wir sind alle Bewohner von Sri Lanka!"

Heute sollen die katholischen Schulen im Land wieder öffnen. Die rund 10.000 staatlichen Schulen sind bereits seit Montag geöffnet - bisher kommen nur sehr wenige Schüler zum Unterricht.

 

Unruhen in Sri Lanka - Ausganssperren und Soziale Medien aus
Silke Diettrich, ARD Neu-Delhi
14.05.2019 09:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Mai 2019 um 07:38 Uhr und NDR Info um 12:20 Uhr.

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