Ein Mann geht durch die St-Sebastians-Kirche in Negombo (Sri Lanka) | Bildquelle: AP

Sri Lanka Kein Facebook, mehr Sicherheit?

Stand: 26.04.2019 16:39 Uhr

Nichts geht mehr in den sozialen Netzwerken auf Sri Lanka - die Regierung blockiert sie, um nach den Anschlägen die Verbreitung von Gerüchten zu verhindern. Das trifft nicht nur auf Verständnis.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Südasien

Nicht das Internet ist in Sri Lanka lahmgelegt, aber die Menschen in dem Land können weder Facebook und Instagram aufrufen noch über WhatsApp oder Snapchat kommunizieren.

Eine solche Maßnahme können Regierungen relativ schnell umsetzen. Sie bitten die Internetprovider, die IP-Adressen - in diesem Fall aus Sri Lanka -, die mit diesen Diensten verbunden sind, einfach zu blocken.

Regierungsvertreter hätten sich schon ziemlich schnell nach den Anschlägen dazu entschlossen, aus Angst, dass es zu weiteren Übergriffen vor allem auf Muslime kommen könnte, sagt Paikiasothy Saravanamuttu. Er leitet das Zentrum für politische Alternativen in Sri Lanka und stellt fest: "Wir haben hier so viel extremistische Hetze auf Social-Media-Kanälen gegen bestimmte Communities, die sich gegeneinander aufwiegeln. Da hetzen Buddhisten gegen Christen und Muslime oder umgekehrt."

Hetze mit tödlichen Folgen

Und diese Hetze findet nicht nur online statt. Schon im vergangenen Jahr wurde Facebook in Sri Lanka gesperrt, als es zu Ausschreitungen von Buddhisten gegen Muslime kam, bei denen es auch Tote gab. Angeheizt wurde der buddhistische Mob von Gerüchten, die auf Facebook und WhatsApp verbreitet wurden. 

Ein Beispiel: Muslimische Händler würden Lebensmittel mit Verhütungsmitteln an Buddhisten verkaufen, damit mehr Muslime auf die Welt kämen. Dabei sind 70 Prozent der Menschen in Sri Lanka Bhuddisten, Muslime machen gerade einmal zehn Prozent aus. 

An solche Legenden würden viele Menschen glauben, sagte damals auch der Universitätsprofessor Sisira Wijesinghe in einem Fernsehinterview. "Es geht um den Glauben der Mehrheit, dass nur sie das Land besitzt - und alle Minderheiten nicht dazu gehören."

Polizeibeamte kontrollieren auf einem Bahnhof in Colombo Passagiere und ihre Habseligkeiten | Bildquelle: M A PUSHPA KUMARA/EPA-EFE/REX
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Die Angst vor neuen Anschlägen bleibt groß - deshalb sind die Sicherheitskontrollen in Colombo weiter streng.

Facebooks Bemühungen bleiben erfolglos

Facebook hat daraufhin Muttersprachler engagiert, um Fake News und Hetze in den Griff zu bekommen. Was offensichtlich nicht gelungen sei, sagt Dr. Saravanamuttu. Dabei berge die Sperrung von sozialen Netzwerken gerade in einem Land, in dem die Regierung über Jahre die Medien zensiert oder sie für Propaganda missbraucht habe, eine große Gefahr. Denn Kritik an der Regierung und gesellschaftlichen Prozessen finde in Sri Lanka bislang eher in den neuen Medien statt als in den konventionellen.

"Die sozialen Medien sind wichtig für unsere Demokratie", sagt Saravanamuttu. "Immer mehr Menschen nutzen sie. Und sie schärfen die Debatten und eröffnen auf diesen Plattformen noch alternative Perspektiven, im Vergleich zu den doch noch recht orthodoxen und konventionellen Mainstream-Medien hier."

Die Abschaltung der sozialen Plattformen sei nur vorübergehend, sagt die Regierung von Sri Lanka. Sie werde aber mindestens so lange anhalten, bis die Hintergründe zu den Anschlägen aufgeklärt seien.

Sri Lanka: Shutdown der sozialen Netzwerke
Silke Diettrich, ARD Neu-Delhi
26.04.2019 16:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. April 2019 um 15:36 Uhr.

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