Bundespräsident Steinmeier hält eine Rede zum Gedenken an die Opfer des SS-Massakers in Fivizzano | Bildquelle: dpa

Steinmeier in Fivizzano Gemeinsam gegen den "unbändigen Hass"

Stand: 25.08.2019 16:53 Uhr

Deutsche Soldaten brachten vor 75 Jahren im italienischen Fivizzano Hunderte Zivilisten um. Bundespräsident Steinmeier hat nun am Ort des Massakers der Opfer gedacht. Er bat um Vergebung und zog eine Lehre für die Gegenwart.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat in Italien um Vergebung für von Deutschen begangene Kriegsverbrechen gebeten. Bei seinem Besuch in Fivizzano in der nördlichen Toskana bezeichnete er die dort begangenen Gräueltaten als Mahnung für ein engagiertes Eintreten gegen Nationalismus und Rassismus.

Gedenken an Opfer von SS-Massakern in Fivizzano
tagesschau 17:45 Uhr, 25.08.2019, Ellen Trapp, ARD Rom

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"Unser gemeinsames Europa" gründe "auf einem Versprechen: Nie wieder entfesselter Nationalismus, nie wieder Krieg auf unserem Kontinent, nie wieder Rassismus, Hetze und Gewalt!", sagte Steinmeier bei einer Gedenkfeier für die Opfer von SS-Massakern in der Gemeinde vor 75 Jahren.

Bundespräsident Steinmeier schüttelt die Hände von Besuchern der Gedenkveranstaltung in Fivizzano. | Bildquelle: dpa
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Steinmeier wurde von den Einwohnern der 7500-Seelen-Gemeinde freundlich empfangen.

"Empfinde ausschließlich Scham"

An diese Lehre müssten sich die Menschen heute wieder erinnern, "gerade in Zeiten, in denen das Gift des Nationalismus wieder einsickert in Europa", sagte Steinmeier. Sein Besuch in Fivizzano sei für ihn als Bundespräsident und als Deutscher ein "unendlich schwerer Weg" und er empfinde "ausschließlich Scham" über die deutschen Kriegsverbrechen.

Zugleich sei er "zutiefst dankbar", dass "wir diesen Weg des Erinnerns und Gedenkens um einer besseren Zukunft willen gemeinsam gehen können". Er bat um Vergebung für die deutschen Kriegsverbrechen und versicherte, dass es für Deutschlands Verantwortung "keinen Schlussstrich" gebe.

Steinmeier hielt seine Rede auf Italienisch vor etwa 200 geladenen Gästen sowie zahlreichen Einwohnern der 7500-Seelen-Gemeinde Fivizzano und erntete wiederholt Applaus. Der Bundespräsident hob hervor, er habe bewusst Fivizzano für das Gedenken an die Opfer deutscher Kriegsverbrechen in Italien gewählt, weil von den dort begangenen Massakern hierzulande kaum einer wisse. Die Opfer und ihre Nachfahren hätten aber "ein Recht darauf, dass auch bei uns in Deutschland bekannt wird, was Ihnen angetan wurde".

Kritik an Aufarbeitung nach dem Krieg

Aus Rache für einen Partisanenangriff hatten im August 1944 Soldaten der 16. SS-Panzer-Grenadier-Division "Reichsführer SS" über mehrere Tage hinweg insgesamt mehr als 320 Menschen in mehreren Ortschaften von Fivizzano ermordet. Weitere Massaker begingen die SS-Männer im Mai 1944 in der Ortschaft Mommio und im September 1944 in Tenerano. Insgesamt wurden mehr als 400 Menschen umgebracht. Die zu Fivizzano gehörende Ortschaft Vinca wurde von den SS-Leuten völlig zerstört.

Der Bundespräsident erinnerte an den "unbeschreiblichen, unbändigen Hass" der Nationalsozialisten, der zu Verbrechen wie in Fivizzano geführt habe. "Sogar Schwangere und kleine Kinder wurden bestialisch abgeschlachtet."  Leider seien die meisten Täter nicht zur Rechenschaft gezogen worden. Auch in Deutschland habe es zu lange gedauert, bis der Verbrechen gedacht und sie juristisch aufgearbeitet worden seien. Hier sei Deutschland "seiner Verantwortung damit nicht gerecht geworden".

Gruppe deutscher Soldaten in einer Verteidigungsstellung bei Cassino (1944)
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Gruppe deutscher Soldaten in einer Verteidigungsstellung bei Cassino im Jahr 1944

Mahnende Worte auch von Mattarella

Steinmeier besuchte Fivizzano mit seiner Frau Elke Büdenbender, sie wurden von Italiens Staatschef Sergio Mattarella empfangen. Die beiden Präsidenten legten gemeinsam einen Kranz für die Opfer der Massaker nieder.

Auch Mattarella betonte, die Erinnerung an die Gräueltaten und die Toten müsse wach gehalten werden. "Diese Ereignisse sind keine Vergangenheit, die schmerzhaft ist, aber zu den Akten gelegt werden oder gar vergessen werden kann." Nötig seien Anstrengungen, um den jungen Generationen eine Welt in Frieden zu übergeben, aus der Hass und Abneigung zwischen den Völkern verbannt seien und in der es gegenseitigen Respekt gebe.

Steinmeier und Mattarella in Fivizzano
Birgit Schmeitzner, ARD Berlin, zzt. Fivizzano
26.08.2019 00:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 25. August 2019 um 12:14 Uhr.

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