Kroatiens Präsidentschaftskandidaten Zoran Milanovic und Kolinda Grabar-Kitarovic | Bildquelle: AFP

Stichwahl in Kroatien Noch-Präsidentin gegen Ex-Regierungschef

Stand: 05.01.2020 01:07 Uhr

Kroatien wählt in einer Stichwahl das neue Staatsoberhaupt. Jüngsten Umfragen zufolge liegt der Sozialdemokrat Milanovic vor der konservativen Amtsinhaberin Grabar-Kitarovic - aber nur ganz knapp.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Wien

Es dürfte knapp werden - Amtsinhaberin Kolinda Grabar-Kitarovic und ihr Herausforderer Zoran Milanovic liegen einer jüngsten Umfrage des Privatsenders Nova TV vom Freitagabend nahezu Kopf an Kopf: Dem ehemaligen sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Milanovic werden 45 Prozent prognostiziert, der fünf Jahre amtierenden Staatspräsidentin von der nationalkonservativen HDZ 42 Prozent.

Beide Aspiranten für das höchste Staatsamt nutzten seit dem ersten Wahldurchgang am 22. Dezember die vergangenen zwei Wochen, um in mehreren Fernseh-Debatten unentschlossene Wählerinnen und Wähler auf ihre Seite zu ziehen. Milanovic hatte in der ersten Runde knapp 30 Prozent der Stimmen erhalten, Grabar-Kitarovic 26,6 Prozent und der rechtsnationale Volkssänger Miroslav Skoro 24,4 Prozent.

Grabar-Kitarovic mit volkstümlichem Politikstil

Da keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erzielt hat, fällt heute die Entscheidung in der Stichwahl. Grabar-Kitarovic, die einen sehr volkstümlichen Politikstil pflegt, versuchte mit dem Versprechen zu punkten, für Kontinuität zu sorgen:

"Meine Vision von Kroatien in den nächsten fünf Jahren ist ein Kroatien, das wächst, wo man besser lebt, und daran werde ich weiterarbeiten. Ich bin diese Veränderung, die ihr vor fünf Jahren gewünscht habt, und ich will, dass die Kontinuität der Entwicklung und des Wachstums fortgesetzt wird. Ich werde jeden zur Rechenschaft ziehen, wenn das nötig sein wird, und jeden loben, wenn die Ergebnisse gut sind."

Ex-Regierungschef Milanovic sprach sich für eine Gleichbehandlung aller Bürger vor dem Gesetz aus. Es solle keine Privilegien mehr geben, die Korruption müsse bekämpft werden. Deutlich setzte er sich in den TV-Duellen von den mitunter stramm national durchwirkten Parolen seiner Kontrahenten ab:

"Ich werde ein guter Präsident sein. Ich liebe Kroatien, und ich messe bei niemandem den Grad des Patriotismus. Für mich bedeutet Patriotismus das Bewusstsein über Zugehörigkeit, über einen gemeinsamen Weg, über gemeinsame Vergangenheit und gemeinsame Zukunft, aber auch Umsetzung der Gesetze. Die Rechtsstaatlichkeit muss über allem stehen. Es ist keine Zeit für Revolutionen, aber es ist Zeit, dass wir manche Dinge radikal ändern."

Besorgnis vor dem Wahltag

Die regierende nationalkonservative HDZ-Partei blickt besorgt auf den heutigen Wahltag: Eine Niederlage der amtierenden Staatspräsidentin würde auch auf den Parteivorsitzenden, Regierungschef Andrej Plenkovic, abfärben, der sich im Herbst zur Wiederwahl stellen will.

Mit Blick auf die EU-Ratspräsidentschaft, die Kroatien in dieser Jahreshälfte turnusgemäß innehat, versicherten beide Kandidaten für das höchste Staatsamt, die Europäische Union sei Kroatiens bester Verbündeter. 

Um 19 Uhr schließen die Wahllokale. Mit belastbaren Auszählungsergebnissen wird für den späteren Abend gerechnet.

Kroatien wählt in Stichwahl neues Staatsoberhaupt
Clemens Verenkotte, ARD Wien
04.01.2020 22:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Januar 2020 um 01:46 Uhr.

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