Mann mit tunesischer Flagge

Stichwahl in Tunesien entschieden Essebsi ist neuer Präsident

Stand: 22.12.2014 15:54 Uhr

Der langjährige Regierungspolitiker Béji Caïd Essebsi hat die ersten demokratischen Präsidentenwahlen in Tunesien gewonnen. Wie die Wahlkommission Isie in Tunis bekannt gab, kam der 88-Jährige im vorläufigen Ergebnis auf 55,68 Prozent der Stimmen. Sein Gegner Moncef Marzouki, der bisherige Übergangspräsident, erhielt 44,32 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 60 Prozent.

Essebsis Team hatte seinen Kandidaten schon am Vorabend zum Sieger erklärt. Er hatte im November schon in der ersten Runde die meisten Stimmen errungen, musste aber gegen Marzouki in die Stichwahl.

Harter Wahlkampf - niedrige Wahlbeteiligung

Der Wahlkampf war von gegenseitigen Vorwürfen geprägt. Marzouki präsentierte sich als Verteidiger der "Revolution" vom Frühjahr 2011. Zudem kritisierte er das hohe Alter seines Kontrahenten Essebsi, der bereits unter Staatsgründer Habib Bourguiba und dem ehemaligen Machthaber Zine El Abidine Ben Ali diente.

Essebsi wiederum warf Marzouki vor, ein "Extremist" und Vertreter der Islamisten zu sein, die das Land seit 2011 herunter gewirtschaftet hätten. Viele Tunesier äußerten sich kritisch zu den Schmutzkampagnen, hoffen jedoch auf einen Wandel im Land.

Präsident Marzouki (links) und Herausforderer Essebsi
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Präsident Marzouki (links) und Wahlsieger Essebsi

Die Stichwahl war notwendig geworden, weil in der ersten Wahlrunde am 23. November keiner der Kandidaten eine absolute Mehrheit erlangte. Es war die erste freie Wahl eines Staatschefs seit der Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1956. Vor vier Jahren hatten Demonstranten Machthaber Ben Ali aus dem Amt gejagt.

Vorbild in Nordafrika

Tunesien gilt als Musterbeispiel für die Demokratiebewegung in Nordafrika. Inzwischen gibt es eine neue Verfassung, ein neues Parlament wurde gewählt, und die Politik zeichnet sich durch Kompromisse zwischen den gesellschaftlichen Gruppen aus. Dagegen versinken andere Länder der Region wie Libyen nach den Umstürzen der vergangenen Jahre im Chaos.

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