Demonstranten in Khartum errichten Barrikaden aus brennenden Reifen und Pflastersteinen. | Bildquelle: AFP

Machtkampf im Sudan Militär geht gegen Sitzblockade vor

Stand: 03.06.2019 12:02 Uhr

Das sudanesische Militär ist gegen eine Sitzblockade von Demonstranten in Khartum vorgegangen. In der Hauptstadt waren Explosionen und Schüsse zu hören. Mehrere Menschen sollen dabei getötet worden sein.

Im Sudan ist das Militär mit Gewalt gegen Demonstranten vorgegangen, die seit Wochen mit einer Sitzblockade einen Übergang zu einer Zivilregierung fordern. Der an der Spitze der Proteste stehende Berufsverband SPA erklärte, der Militärrat habe einen Versuch gestartet, den Platz vor dem Armeehauptquartier in der Hauptstadt Khartum gewaltsam zu räumen. Die Armee bestätigte das Einschreiten - ohne dabei genaue Gründe zu nennen.

Die Sicherheitskräfte hätten um 5 Uhr morgens den Platz gestürmt und die Demonstranten mit scharfer Munition, Wasserwerfern und Tränengas vertrieben, berichtete die Zeitung "Sudan Tribune". Mindestens neun Menschen sollen nach Angaben des SPA ums Leben gekommen sein. Das Zentralkomitee der sudanesischen Ärzte, das der Protestbewegung nahe steht, spricht von 13 Toten.

Militärregierung im Sudan geht massiv gegen Oppositionelle vor
ARD-Mittagsmagazin, 03.06.2019, Daniel Hechler, ARD Kairo

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Aufruf zu zivilem Ungehorsam

Augenzeugen berichteten, sie hätten Schüsse gehört und Rauch gesehen. Einsatzkräfte in Polizeiuniformen hätten versucht, eine Straße nahe der Proteste zu räumen und Zivilisten festgenommen. Busse und Soldaten hätten Zugangsstraßen zu dem Camp der Protestierenden blockiert, berichtete ein Journalist der Nachrichtenagentur AP. Der britische Botschafter im Sudan, Irfan Siddiq, twitterte, er sei "extrem besorgt" über die Schüsse, die zu hören seien.

Der SPA teilte mit, die Demonstranten hätten die Soldaten nicht provoziert. Er warnte vor einem "blutigen Massaker" und forderte die Sudanesen zu "totalem zivilen Ungehorsam" und neuen Protesten auf, um den Militärrat zu stürzen.

Die Botschaft der USA im Sudan kritisierte die Gewalt gegen Demonstranten scharf. "Angriffe sudanesischer Sicherheitskräfte auf Demonstranten und andere Zivilisten sind falsch und müssen aufhören", twitterte die Botschaft. Die Verantwortung dafür trage der militärische Übergangsrat. Der Rat könne die Menschen Sudans nicht verantwortungsvoll führen, hieß es.

Streit um Übergangsregierung

Im April war Sudans Präsident Omar al-Baschir nach drei Jahrzehnten an der Macht von den Streitkräften gestürzt worden. Dem Putsch waren monatelange Massenproteste vorausgegangen. Seitdem ringen das Militär und die Opposition um die Bildung einer Übergangsregierung.

Aktivisten fordern, dass es erst in drei Jahren Wahlen geben sollte, damit zivile Politiker alle sozialen und politischen Netzwerke von Al-Baschirs Partei auflösen könnten. Sie wollen nur eine "begrenzte militärische Repräsentation" in einem Übergangsrat, der das Land bis zur Zivilregierung regieren würde. Die regierenden Generäle wollen die Macht aber nicht abgeben.

Omar Al-Baschir | Bildquelle: dpa
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Sudans Langzeitpräsident Al-Baschir war im April gestürzt worden.

Tote nach Eskalation im Sudan: Militär löst Protestkundgebungen gewaltsam auf
Tilo Frank, ARD Kairo
03.06.2019 10:04 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. Juni 2019 um 11:00 Uhr.

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