Zwei Einsatzkräfte der Carabinieri rekonstruieren den Unfallhergang.  | Bildquelle: dpa

Sechs Tote in Südtirol Ermittler rekonstruieren den Unfall

Stand: 06.01.2020 08:52 Uhr

Polizei und Staatsanwaltschaft in Südtirol ermitteln weiter zu den genauen Umständen der tödlichen Alkoholfahrt im Wintersportort Luttach. Derweil sind die Angehörigen auf dem Weg nach Bruneck - zur Identifizierung der Toten.

Wie schnell fuhr der betrunkene Fahrer? Wie konnte es zu diesem tödlichen Unglück kommen? Besonders diese Fragen beschäftigen aktuell die ermittelnden Behörden nach dem Tod von sechs jungen deutschen Ski-Urlaubern in Südtirol. Der Wagen des 27-Jährigen war in der Nacht zum Sonntag in Luttach in die Touristengruppe gerast.

Da der Dreikönigstag in Italien ein Feiertag ist, dürfte es zu den Untersuchungen zum Hergang vermutlich erst am Dienstag mehr Neuigkeiten geben, sagte ein Sprecher. Was die Polizei aber schon weiß: Der Fahrer des PS-starken Sportwagens war zum Zeitpunkt des Zusammenstoßes stark betrunken. Ein Test habe mehr als 1,9 Promille ergeben, sagte ein Polizeisprecher in Bozen.

Der Beschuldigte habe unter Schock gestanden und sei festgenommen worden. Weitere Angaben zum Fahrer, der in ein Krankenhaus kam, machte die Polizei in Bozen nicht.

Zeuge berichtet von viel zu hoher Geschwindigkeit

Dem Fahrer wird unter anderem mehrfache Tötung im Straßenverkehr vorgeworfen. Italienische Medien berichteten, der Mann aus der Region habe gesagt, sich umbringen zu wollen, als er von der hohen Zahl der Toten erfahren habe.

Die Getöteten und Verletzten - junge Urlauber - hatten sich in dem Wintersportort Luttach auf dem Heimweg von ihrem Discobesuch befunden. Gegen 1.15 Uhr nachts stiegen sie aus einem Shuttlebus und überquerten auf dem Weg zur Unterkunft die Hauptstraße. Dort kam es zu dem Unglück, das Auto des Betrunkenen raste in die Reisegruppe. Ein Augenzeuge sagte, der Wagen des Unfallverursachers sei viel zu schnell gewesen. An der Unfallstelle sind höchstens 50 Kilometer pro Stunde erlaubt.

Trauer und Ermittlungen nach schwerem Verkehrsunfall
Morgenmagazin, 06.01.2020, Andrea Moos, Rafael Torres, WDR

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Angehörige reisen zur Identifizierung an

Unter den Toten sind drei Männer und drei Frauen - alle im Alter um die 20 Jahre. Sie alle starben nach Polizeiangaben noch am Unfallort. Vier von ihnen stammen aus Nordrhein-Westfalen, einer wohnte in Hamburg und der sechste in Niedersachsen. Genauere Informationen zur Identität der Toten wurden noch nicht offiziell bekanntgegeben.

Die Leichen sind nach italienischen Behördenangaben ins Krankenhaus nach Bruneck gebracht worden. Für die Identifizierung sei auch die Mithilfe von Angehörigen nötig, die um Anreise gebeten wurden.

Bei dem Unfall wurden nicht nur sechs Menschen getötet, sondern auch elf weitere verletzt - vier davon schwer, einer sogar lebensbedrohlich. Unter den Verletzten sind zwei Südtiroler, die übrigen stammen aus Deutschland.

Merkel erschüttert über Unglück

Nach der Alkoholfahrt des Südtirolers gab es viele Trauerbekundungen in Deutschland und Italien. Das Lokal in Steinhaus, wo die Reisegruppe zuletzt gefeiert hatte, blieb auf eigenen Wunsch der Betreiber für einen Abend geschlossen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich erschüttert über das Unglück. Sie trauere mit allen, "die dort heute Nacht Kinder, Geschwister, Freunde verloren haben". Sie sprach von einem "fröhlichen Abend, der in der Katastrophe" endete. Auch der italienische Regierungschef Giuseppe Conte übermittelte den Angehörigen in einer Erklärung sein Beileid.

Am Unglücksort in Luttach in Südtirol stehen ganz viele Blumen, Kerzen und Gedenkschmuck. | Bildquelle: dpa
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Am Unglücksort in Luttach in Südtirol stehen ganz viele Blumen, Kerzen und Gedenkschmuck.

Reiseveranstalter aus Aachen bestürzt

Der Reiseveranstalter Semesterende Skireisen als Teil der Outdoor Travelers GmbH aus Aachen äußerte sich im Internet bestürzt, dass sich der schreckliche Unfall bei einer seiner Touren ereignet hatte.

In Luttach kamen bis spät Menschen an den Unglücksort und stellten Grablichter auf. Luttach ist ein Dorf der Gemeinde Ahrntal, das etwa 1100 Einwohner hat. Der Ort ist bekannt bei deutschen Jugendgruppen, die zum Skifahren kommen. In Südtirol waren erst vor einer Woche drei Deutsche bei einem Lawinenunglück im Schnalstal ums Leben gekommen.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 06. Januar 2020 um 06:12 Uhr.

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