Suzi Quatro bei einem Auftritt im Jahr 2019 | Bildquelle: imago images/Horst Rudel

Suzi Quatro wird 70 "Natürlich haben auch Frauen Eier"

Stand: 03.06.2020 09:28 Uhr

Rock-Röhre, Vokuhila-Frisur, Leder-Outfit: Suzi Quatro eroberte in den 1970er-Jahren die Charts. Nun wird sie 70 - von einer, die sich bis heute nicht in Geschlechterrollen pressen lässt und damit vielen als Vorbild dient.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

Das Intro von "Can The Can" kennen in Deutschland wohl alle über 50 - und beamt sie beim Hören direkt zurück in ihr Teenie-Zimmer: Bravo-Starschnitt an der Wand - mit Suzi Quatro drauf. Im Jahr 1973 war sie auf einmal da. Ein kleines, zierliches Mädchen in schwarzem Leder zwischen harten Jungs, mit riesigem Bass und schriller Rock-Röhre. Ein Sex-Symbol, ein Idol.

"Can The Can" wurde zum Nummer-Eins-Hit in Australien, Großbritannien und in Deutschland. Auch die zweite Single aus Quatros erstem Album wurde ein Hit: "48 Crash".

Fehlende Frau in der Hit-Fabrik

In ihrer Heimat - den USA - kam das wilde Mädchen aus einer italienisch-stämmigen Arbeiterfamilie in Detroit nicht so gut an. Auch deshalb zog sie mit Anfang 20 nach London. Dort wurde sie Teil der Hit-Fabrik der einflussreichsten Rock-Pop-Produzenten der 1970er-Jahre: Michael Chapman und Nicky Chinn, die auch Bands wie "Smokie", "Sweet" und "Mud" die Songs auf den Leib schrieben. Eine Frau fehlte ihnen noch im Repertoire.

Quatro erklärte ihren Erfolg in einem Podcast-Interview für die Musiker-Plattform Talkhouse kürzlich folgendermaßen: "Es war nur eine Frage der Zeit. Und der Grund, warum ich die erste ernsthafte Rock-Musikerin wurde, ist, dass ich mich nicht in Geschlechterrollen pressen lasse. Bis heute nicht. Ich bin Musikerin. Punkt."

Suzi Quatro bei einem Auftritt im Jahr 1988
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Vorne kurz, hinten lang:Quatros Haarschnitt war stilprägend für viele Fans - genau wie ihre Musik.

Stilprägend, nicht nur in der Musik

Stilprägend war sie allemal: Ihren legendären Vokuhila-Haarschnitt - vorne kurz, hinten lang - trugen Jungs und Mädchen in ganz Europa. Auch wenn der Friseur in London sich zunächst geweigert hatte, ihr diesen zu schneiden: "Ich ging zu diesem teuren Friseur in der Bond Street und habe ihm erklärt, was ich will. Und er sagte: Das kann ich nicht machen, das ist doch kein Haarschnitt!"

Das Image der toughen Rock-Lady pflegt Quatro bis heute. Einer ihrer Lieblingssätze: "Natürlich haben auch Frauen Eier: Aber wir behalten sie im Kopf - damit keiner hineintreten kann."

Bass-Unterricht auf YouTube 

Aber sie konnte auch anders: in braver rosa Bluse und geschmiegt an Chris Norman sang Quatro über Liebesschmerz - "Stumblin' In" wurde ihr letzter großer Hit in Europa - und der erste Song, der es in den USA immerhin auf Platz vier in den Charts schaffte. Das war 1978.

Auch mit 70 Jahren tourt Quatro immer noch durch die Welt, veröffentlicht Platten, mittlerweile mit eigenem Material. Auch einen YouTube-Kanal hat sie. Auf diesem gibt sie - die Haare inzwischen grau, aber immer noch vorn kurz und hinten lang - Tipps im Bassspielen.

Im Januar bekam Quatro den "Icon-Award" verliehen, als Würdigung für ihre Funktion als Vorbild für viele Frauen in der Rockmusik - von Joan Jett und den "Runaways" bis zur Punkband "L7".  

Bereits mit 35 - erzählte Quatro bei einer Preisverleihung - wurde sie gefragt, wann sie eigentlich aufhören wolle: "Wenn ich mich mit dem Rücken zum Publikum stelle, nochmal mit dem Hintern wackle - und es ganz still wird."

 

"Frauen haben auch Eier": Suzi Quatro wird 70
Julia Kastein, ARD Washington
03.06.2020 08:23 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 03. Juni 2020 um 10:25 Uhr.

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