Ambulanzen bringen verletzte Kämpfer aus Ras al-Ain | Bildquelle: AFP

Nordsyrien Kurden ziehen sich zurück

Stand: 20.10.2019 19:58 Uhr

Die Waffenruhe zwischen der Türkei und den Kurden in Nordsyrien war zuletzt brüchig. Vor allem in Ras al-Ain kam es immer wieder zu Gefechten. Jetzt haben sich die Kurden aus dem Ort zurückgezogen.

Drei Tage nach der Vereinbarung einer Waffenruhe zwischen der Türkei und den Kurden haben sich die Kämpfer der YPG vereinbarungsgemäß aus der Stadt Ras al-Ain zurückgezogen."Wir haben keine Kämpfer mehr in der Stadt", schrieben die von der Kurdenmiliz YPG angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) auf Twitter. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschrechte sprach von 500 Kämpfern. Zuvor seien Leichen und Verwundete aus dem Ort gebracht worden, um den es in den vergangenen Tagen noch heftige Kämpfe gegeben hatte.

Ein Konvoy aus Ambulanzen bringt Tote und Verwundete aus der Stadt Ras al-Ain | Bildquelle: AFP
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Ein Konvoi aus Ambulanzen bringt Tote und Verwundete aus der Stadt Ras al-Ain.

Das türkische Verteidigungsministerium bestätigte den Abzug. "Es gibt keinerlei Hindernisse", hieß es. Ein Konvoi von 86 Fahrzeugen die Stadt habe verlassen. Die Evakuierungen seien in enger Absprache mit den USA erfolgt.

Neues Leid für Zivilisten

Neben den Kämpfern verlassen allerdings auch zahlreiche Zivilisten die Stadt. Diese fürchten sich vor Vergeltungsangriffen syrischer, von der Türkei unterstützter Einheiten.

Humanitäre Helfer zeichneten weiter ein dramatisches Bild von der Lage der betroffenen Menschen. "Die vergangene Woche war ein totales Chaos für Hunderttausende Syrer", sagte Karl Schembri, Sprecher vom Norwegischen Flüchtlingsrat (NRC), dem TV-Sender CNN. "Sie leben in Angst und Unsicherheit, ohne zu wissen, wo die nächste Bombe explodieren wird", sagte er. In gut einer Woche sind nach jüngsten Angaben des UN-Nothilfebüros Ocha mindestens 165.000 Menschen durch die Kämpfe vertrieben worden, darunter schätzungsweise 70.000 Kinder.

Kurden wollen sich weiter zurückziehen

Nach der Evakuierung von Ras al-Ain wollen die kurdisch-geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) sich aus einer 120 Kilometer breiten und 30 Kilometer tiefen Zone zwischen Ras al-Ain und Akcakale weiter im Westen zurückziehen. Der Rückzug soll am Dienstag abgeschlossen sein, wie in der Feuerpause vereinbart wurde. Sie läuft dann aus.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verlangt jedoch den Abzug der Kurden aus einem mehr als 440 Kilometer langen Grenzstreifen vom Euphrat bis zur irakischen Grenze. Anderenfalls werde die Türkei ihre Offensive nach dem Ende der vereinbarten Kampfpause am Dienstag wieder aufnehmen. Sein Sprecher Kalin bestätigte zwar, dass die Kampfpause für das kleinere Gebiet gelte, die Türkei beanspruche aber das größere.

Erdogans "Sicherheitszone" wird immer wahrscheinlicher

Darüber hinaus fordert Ankara den Rückzug syrischer Soldaten aus der Gegend. Die Türkei wolle dort zwei Millionen Bürgerkriegsflüchtlinge ansiedeln. Doch diese wollten nicht in Gebiete zurückkehren, die von der syrischen Regierung kontrolliert werden, vor der sie einst geflüchtet seien. Kalin sagte der Nachrichtenagentur AP, die Anwesenheit syrischer Truppen sei eine der Fragen, die die Türkei mit Russland besprechen wolle - der Schutzmacht des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. "Wir werden keine Flüchtlinge zwingen, irgendwohin zu gehen, wo sie nicht hinwollen", sagte Kalin. Die Menschen sollten sich sicher fühlen. In die bisher von seinem Land kontrollierten Gebiete in Syrien sind nur sehr wenige der rund 3,6 Millionen Flüchtlinge zurückgekehrt, die vor dem Bürgerkrieg in der Türkei Zuflucht gesucht hatten.

US-Soldaten gehen in den Irak

Die USA wollen 700 ihrer bisher in Nordsyrien stationierten Soldaten in den Westirak verlegen. Das teilte Verteidigungsminister Mark Esper mit. Diesen Plan habe er bereits mit der irakischen Regierung abgestimmt. Zwischen 200 und 300 US-Soldaten sollen demnach im südsyrischen Stützpunkt in Al-Tanf verbleiben.

Zum ersten Mal erläuterte Esper damit die Pläne für die US-Truppen nach dem Rückzugsbefehl aus Nordsyrien. Demnach soll das US-Militär weiter Operationen gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" ausführen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die US-Truppen vom Irak aus zu Anti-Terror-Einsätzen in Syrien aufbrechen. Details dazu würden noch ausgearbeitet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Oktober 2019 um 20:00 Uhr.

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