Eine Behandlungsraum einer bei einem Luftangriff zerstörten Klinik in Ariha nahe der syrischen Stadt Idlib | Bildquelle: AFP

Tote nahe Idlib Luftangriff auf syrisches Krankenhaus

Stand: 30.01.2020 13:06 Uhr

Syrische Regierungstruppen rücken in das letzte große Rebellengebiet rund um Idlib vor. Wer nicht flieht, muss Bomben fürchten: Bei einem Angriff auf ein Krankenhaus wurden offenbar mindestens zehn Menschen getötet.

In der syrischen Provinz Idlib sind bei Luftangriffen mindestens zehn Menschen getötet worden. Das meldet die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Bomben gingen demnach in der nahe Idlib gelegenen Stadt Ariha nieder. Sie hätten unter anderem ein Krankenhaus getroffen, das nun außer Betrieb sei. Die oppositionsnahen Aktivisten machen die russische Luftwaffe für die Angriffe verantwortlich.

Das russische Außenministerium wies die Vorwürfe zurück. Die Luftwaffe habe keine Kampfeinsätze in den Rebellengebieten rund um Idlib geflogen.

Ein Mitarbeiter der Nachrichtenagentur AFP bestätigte, dass in Ariha ein Krankenhaus durch einen Angriff beschädigt worden sei. Zudem seien in der Nähe drei Häuser eingestürzt. Die Rettungsorganisation Weißhelme verbreitete ein Video, das die zerstörte Klinik zeigen soll.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Sie bezeichnet sich als unabhängig. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Blick aus den Trümmern eines bei einem Luftangriff zerstörten Hauses im syrischen Ariha | Bildquelle: AFP
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Ein Mitarbeiter der Weißhelme in den Trümmern eines Wohnhauses nach dem Luftangriff auf Ariha

Vormarsch in das letzte große Rebellengebiet

Laut der Beobachtungsstelle wurden mit dem Angriff binnen 24 Stunden 21 Zivilisten bei russischen Luftangriffen in der Provinz Idlib getötet. Russland ist im syrischen Bürgerkrieg ein wichtiger Verbündeter der Regierung von Machthaber Bashar al-Assad. Die syrische Armee und ihre Unterstützer hatten im vergangenen Jahr eine Offensive auf das Gebiet um die Stadt Idlib im Nordwesten des Landes begonnen. Die Region ist das letzte große Gebiet, das noch von Rebellen gehalten wird.

Das Sagen hat die Miliz Haiat Tahrir al-Scham, die der islamistischen Terrororganisation Al-Kaida nahesteht. Syrien und Russland argumentieren deshalb, ihre Angriffe in der Region richteten sich gegen Terroristen.

Versorgungslage für Flüchtlinge spitzt sich zu

Vor drei Wochen hatte Russland eine neue Waffenruhe für die Region verkündet. Dennoch ging die Gewalt weiter. Zuletzt haben Regierungstruppen die strategisch wichtige Stadt Marat al-Numan und umliegenden Dörfer eingenommen.

Hilfsorganisationen beklagen, dass die Lage für die Bevölkerung in dem umkämpften Gebiet dramatisch sei. Seit Anfang Dezember sind den UN zufolge fast 390.000 Menschen geflohen. Allein in den vergangenen zwei Wochen seien fast 40.000 Menschen vertrieben worden. Die Welthungerhilfe warnte, dass die Lager für die Geflüchteten im Nordwesten Syriens nicht nur überfüllt seien, sondern buchstäblich im Schlamm versinken würden. "Die provisorischen Behausungen bieten wenig Schutz gegen den Frost in der Nacht", sagte Halil Kurt, der Programmkoordinator der Organisation. Viele Geflüchtete könnten sich keinen Brennstoff mehr für ihre Öfen leisten. "Für ein Feuer verbrennen sie mittlerweile alles, was sie auftreiben könnten, auch Plastikmüll."

Wegen wiederholter Angriffe auf Krankenhäuser in dem Rebellengebiet hatten die UN im vergangenen Jahr eine Untersuchung angeordnet.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. Januar 2020 um 19:15 Uhr.

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