Syrische Flüchtlinge auf dem Weg in die Heimat. | Bildquelle: AP

Syrien Rückkehr in ein unsicheres Land

Stand: 29.07.2018 18:30 Uhr

Etwa 1000 Syrer sind aus dem Libanon in ihre Heimat zurückgekehrt, wie die syrische Führung berichtet. Die UN halten die Lage dort allerdings noch nicht für sicher genug.

Von Udo Schmidt, ARD-Studio Kairo

Es ist eine Reise in eine unsichere Zukunft. Nach syrischen Angaben sind am Wochenende knapp 1000 syrische Flüchtlinge über den libanesischen Grenzort Masnaa in ihre Heimat zurückgekehrt, in der der Krieg noch nicht beendet ist.

In syrischen Bussen überqueren die Rückkehrer die Grenze. Einer ist Mohammed Deeb, ein alter, grauhaariger Mann, der endlich nach Hause möchte: "Wir sind wegen des Terrors geflüchtet, aber ich habe ein würdeloses Leben geführt, seit ich Zabadani 2011 verlassen habe. Ich bin sehr froh, dass Syrien jetzt wieder sicher ist."

Eben das beurteilen die Vereinten Nationen anders. Sie sehen die Bedingungen für eine Rückkehr nach Syrien noch nicht erfüllt. Der Libanon und Syrien hatten sich allerdings kürzlich unter russischer Vermittlung auf die Rückkehr der Flüchtlinge aus dem Zedernstaat verständigt. Im Libanon halten sich nach UN-Angaben fast eine Million syrische Flüchtlinge auf.

Syrische Flüchtlinge an der syrisch-libanesischen Grenze | Bildquelle: AFP
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Mehr als eine Million Syrer wurden seit 2011 im Libanon aufgenommen.

In einem der Busse am syrischen Kontrollpunkt sitzt auch Abdullah Hashem: "Ich hoffe, dass die Situation in Syrien stabil bleibt, damit alle zurückkommen können. Es ist furchtbar, mit ansehen zu müssen, dass viele Syrer in anderen Ländern leben müssen." Syrische Flüchtlinge in Jordanien allerdings erklärten kürzlich, nicht in das Syriens Assads zurückkehren zu wollen.

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Kurden bereiten sich auf Kriegsende vor

Am Wochenende gab ein von Kurden angeführter Demokratischer Rat Syriens bekannt, erste Gespräche mit Vertretern von Präsident Baschar al Assad zu führen. Damit bereiten sich die Kurden, die Gebiete im Nordosten Syriens kontrollieren und bisher enge Kontakte zu den USA pflegten, offenbar auf das Ende des Krieges vor.

Der Politologe Rostom Mahmoud aus Erbil sieht die Gespräche skeptisch: "Mit diesen Verhandlungen wollen die syrischen demokratischen Kräfte vor allem ihre Bereitschaft zu Gesprächen demonstrieren. Vom syrischen Regime kommt derzeit nichts. Assad sieht auch die kurdischen Regionen als sein Herrschaftsgebiet. Die Rechte der Kurden spielen für ihn keine Rolle."

Auffallend sei, so Mahmoud, dass die kurdisch-amerikanische Partnerschaft zu Ende gehe und die Kurden sich auf eine veränderte Zukunft einstellten: "Der 'Islamische Staat' ist fast besiegt, die USA halten Syrien strategisch für nicht mehr so bedeutend. Deshalb planen sie, sich zurückzuziehen. Die Kurden verlieren damit ihren wichtigsten Verbündeten."

Ziel der Kurden ist nach eigener Aussage, ein demokratisch organisiertes und dezentralisiertes Syrien zu erreichen. Die syrische Regierung äußerte sich dazu bislang nicht. Ihr Interesse an föderalen Strukturen dürfte gering sein.

Etwa 1000 Syrer kehren in ihre Heimat zurück
Udo Schmidt, ARD Kairo
30.07.2018 10:20 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 29. Juli 2018 um 23:40 Uhr.

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