Flüchtlingslager Al-Haul in Syrien | Bildquelle: REUTERS

USA und Türkei "Sicherheitszone" in Syrien rückt näher

Stand: 07.08.2019 19:56 Uhr

Der türkische Präsident Erdogan hatte eine Militäroffensive in Nordsyrien angedroht. Nun haben sich die USA und die Türkei in Verhandlungen auf eine "Sicherheitszone" offenbar angenähert. Doch die Einigung ist vage gehalten.

Die USA und die Türkei haben sich bei Verhandlungen auf eine mögliche "Friedenszone" in Nordsyrien verständigt. Die Verhandlungen zwischen türkischen und US-Militärs dauerten drei Tage lang. Zuvor hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan eine erneute Militäroffensive in der Region angedroht, sollte es keine Fortschritte geben. US-Präsident Donald Trump hatte die Pufferzone vorgeschlagen, um die Türkei von einer erneuten Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG abzuhalten.

Die Einigung ist vage gehalten und wurde in einem Dokument vom Verteidigungsministerium in Ankara und von der US-Botschaft veröffentlicht. Beide Parteien wollen ein "Operationszentrum" für die Einrichtung der sogenannten Friedenszone aufbauen. Syrische Flüchtlinge sollen in diese Pufferzone zurückkehren können.

Details fehlen bisher

"Türkische Sicherheitsbedenken" sollen zudem durch schnelle erste Maßnahmen abgewendet worden sein, hieß es in der Abschlusserklärung. Zu den Maßnahmen wurden keine genaueren Details veröffentlicht.

Nach türkischen Wünschen sollte die Zone bis zu 30 Kilometer tief sein und sich ab dem Euphrat Richtung Osten entlang der gesamten Grenzlinie ziehen. US-Medienberichten zufolge schlugen die USA ein schmaleres Gebiet für die Einrichtung einer Sicherheitszone vor. Details über die Größe der zukünftigen Zone oder ihre Kontrolle gab es zunächst nicht.

Kurdenmiliz kontrolliert Gegend in Nordsyrien

Die Gegend wird bisher von der Kurdenmiliz YPG kontrolliert. Doch die Türkei wünscht sich entlang der türkisch-syrischen Grenze seit Langem ein Gebiet, das ihr alleine untersteht. Aus diesem sollen sich die kurdischen Truppen zurückziehen.

Ankara sieht in der YPG einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit eine Terrororganisation. Für die USA ist die YPG hingegen ein wichtiger Partner im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Die Vereinigten Staaten wollten einen Angriff auf ihre Verbündeten verhindern.

Ob die von der Türkei geforderte Entwaffnung der YPG umgesetzt wird, wurde in der Abschlusserklärung nicht kommuniziert.

Eine Frau im Flüchtlingslager Al-Haul in Syrien | Bildquelle: AFP
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Das Flüchtlingslager Al-Haul im Norden Syriens ist Zufluchtsort für viele vom Krieg Vertriebene.

Türkei rückte bereits zwei Mal auf syrisches Gebiet vor

Die Türkei war bereits zwei Mal auf syrisches Gebiet vorgerückt, beide Male westlich des Euphrat. 2016 hatte sie mit der Offensive "Schutzschild Euphrat" beim syrischen Ort Dscharabulus den IS von der Grenze vertrieben, aber auch die YPG bekämpft.

Anfang 2018 hatten von der türkischen Armee unterstützte Rebellen in einer Offensive gegen die YPG die kurdisch geprägte Grenzregion Afrin eingenommen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. August 2019 um 06:00 Uhr.

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