Landschaft um die syrische Stadt Manbidsch | Bildquelle: picture alliance / AA

Nordsyrien Assad-Truppen schon in Manbidsch?

Stand: 28.12.2018 18:38 Uhr

Nachdem die Kurdenmiliz YPG abgezogen ist, steht die syrische Armee nach eigenen Angaben in Manbidsch. Aber auch von der Türkei unterstützte Rebellen sollen auf dem Weg dorthin sein.

Von Jürgen Stryjak, ARD-Studio Kairo

Am Vormittag erscheint im Programm des syrischen Staatsfernsehens ein Armeesprecher und verliest eine Erklärung. Gemäß der Verpflichtung der Streitkräfte, die staatliche Souveränität im gesamten Land zu gewährleisten, sowie als Reaktion auf den Ruf der Bevölkerung von Manbidsch gebe die syrische Armee hiermit bekannt, dass sie Einheiten nach Manbidsch verlegt und dort die Flagge Syriens gehisst habe.

Ob das zu jenem Zeitpunkt tatsächlich bereits der Fall war, ist fraglich. Die Kurdenvertreterin Ilham Ahmed erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AP, dass sich die syrischen Armeeeinheiten außerhalb des Ortes befänden. Außerdem seien die Truppen der US-Armee noch gar nicht aus Manbidsch abgezogen worden.

Pro-türkische Kämpfer in der Nähe von Manbidsch. | Bildquelle: AFP
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Pro-türkische Kämpfer verstärkten ihre Präsenz in der Nähe von Manbidsch.

Hilferuf per Twitter

Kurz vor der Erklärung des Armeesprechers im Staatsfernsehen hatten die kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG über Twitter die syrische Regierung darum gebeten, Manbidsch vor türkischen Angriffen zu schützen. Eine von der Türkei unterstützte Miliz hatte am Montag ihre Präsenz in dem Gebiet verstärkt und damit gedroht, die YPG aus Manbidsch zu vertreiben. Der Twitter-Hilferuf an Assad war womöglich eine Reaktion auf diese Drohung.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, Assad-Truppen hätten Stellungen zwischen der Türkei-treuen Miliz und Manbidsch bezogen, aber nicht direkt in der Stadt. Die Miliz erklärte, sie marschiere in Richtung des Ortes und sei zum Kampf bereit.

"Wir sind Syrer"

Im Programm des Fernsehsenders Al-Arabiyya al-Hadath wurde der Sprecher einer Kurdenbewegung gefragt, warum die syrischen Kurden denn ausgerechnet Assad um Hilfe bitten und nicht etwa andere Kurden, zum Beispiel die im Irak.

"Wir sind Syrer", antwortete Dschifan Khaboury. Das Militärbündnis Syrische Demokratische Kräfte werde zwar von der kurdischen YPG dominiert, aber es gehörten ihm auch syrische Araber an. Das Problem der Kurden in Nordsyrien sei ein nationales, das nur in Damaskus gelöst werden könne.

Vermutlich hoffen die syrischen Kurden darauf, dass das Assad-Regime ihrer Region einen Autonomiestatus gewährt. Damaskus hatte dies in der Vergangenheit abgelehnt.

Kurden hoffen auf Assads Beistand gegen die Türkei
tagesthemen 21:45 Uhr, 28.12.2018, Constantin Schreiber, ARD Kairo

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Türkei spricht von "psychologischer Operation"

In Moskau wurde der angebliche Einmarsch der syrischen Armee in Manbidsch begrüßt. Dies sei ein "positiver Schritt", hieß es aus dem Kreml. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach hingegen von einer "psychologischen Operation" der syrischen Regierung. Bislang sei nichts sicher.

Die Türkei betrachtet die YPG als Terrororganisation, die sie bekämpfen will. Vor einer Woche hatten die USA angekündigt, ihre Soldaten aus Syrien abzuziehen. Seitdem fühlen sich die Kurden im Norden des Landes im Stich gelassen und der Türkei ausgeliefert.

Die Annäherung zwischen den nordsyrischen Kurden und dem Assad-Regime ist indes nicht neu. Gespräche zwischen beiden Seiten gibt es schon länger. Und auch jetzt arbeite man, wie die Kurdenvertreterin Ahmed sagt, mit Moskau und Damaskus an einer Vereinbarung für die Zeit nach dem Abzug der US-Soldaten. Dann könnten syrische Regierungstruppen an ihre Stelle treten und die Kontrolle übernehmen.

Assad-Truppen angeblich in Manbidsch - Kurden dementieren
Jürgen Stryjak, ARD Kairo
28.12.2018 18:15 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Dezember 2018 um 18:11 Uhr in der Sendung "Informationen am Abend".

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