US-amerikanische Truppen in Deir Essor, Syrien | Bildquelle: REUTERS

US-Truppen in Syrien Schwere Vorwürfe aus Moskau

Stand: 26.10.2019 13:52 Uhr

Nach Angaben der USA sollen zusätzliche Truppen die Ölfelder im Osten Syriens schützen. Russland wirft Washington dagegen "staatliches Banditentum" vor: Satellitenfotos würden Ölschmuggel beweisen.

Das russische Verteidigungsministerium hat den US-Truppen laut der Nachrichtenagentur dpa den Diebstahl großer Ölmengen aus Syrien vorgeworfen. Das Öl werde gefördert, abgefüllt und außer Landes gebracht, sagte Generalmajor Igor Konaschenko einer vom Verteidigungsministerium veröffentlichen Mitteilung zufolge. Dazu veröffentlichte die Behörde Satellitenfotos, die den Schmuggel beweisen sollen.

Die Aufnahmen der russischen Weltraumaufklärung würden belegen, wie das Öl unter scharfer Bewachung von US-Soldaten in Tanklastzügen ins Ausland gebracht werde. Im Einsatz seien zudem private Militärfirmen.

"Staatliches Banditentum"

Die USA hatten zuletzt angekündigt, zusätzliche Militärkräfte zu den Ölfeldern in der ostsyrischen Provinz Deir Essor zu entsenden, möglicherweise auch Panzer. Mit den Vorwürfen widersprach das russische Verteidigungsministerium in Moskau nun der Darstellung Washingtons, dass die US-Truppen die Ölquellen vor islamistischen Terroristen oder "anderen destabilisierenden Akteuren" schützen würden. Zu den "destabilisierenden Akteuren" zählt die US-Regierung nach US-Medienberichten auch die syrische Regierung.

Konaschenko warf den USA "staatliches Banditentum" vor. Die Ölquellen würden mit Waffengewalt besetzt. Es sei weder mit US-Recht noch mit internationalen Standards vereinbar, dem syrischen Volk seine Bodenschätze vorzuenthalten. Die Ölförderung erfolge zudem unter Umgehung jener Sanktionen, die die USA selbst gegen Syrien verhängt hätten. Nach Berechnungen des russischen Verteidigungsministeriums machten die US-Strukturen mit dem illegalen Handel jeden Monat einen Gewinn von rund 30 Millionen US-Dollar.

Energie-Versorgungsengpässe bei syrischer Regierung

Die IS-Miliz hatte 2014 wichtige Ölfelder erobert und monatlich Millionen Euro mit dem Verkauf des Öls verdient, bevor die Ölanlagen durch die US-geführte Anti-IS-Koalition zerstört wurden. Im Oktober 2015 wurden viele der Ölfelder von den kurdisch dominierten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) erobert, die sie bis heute mit Unterstützung der US-Truppen kontrollieren.

Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte, keine der Ölquellen gehöre "den Terroristen des Islamischen Staats und noch weniger 'den amerikanischen Verteidigern der Terroristen des Islamischen Staats', sondern ausschließlich der Syrischen Arabischen Republik".

Die Regierung von Syriens Machthaber Baschar al-Assad fordert seit Langem die Rückgabe der Felder. Sie klagt schon seit Jahren über Energie-Versorgungsengpässe. Seit Beginn des Bürgerkriegs unterliegt sie einem internationalen Ölembargo, seit Anfang des Jahres gelangen auch kaum noch iranische Öllieferungen nach Syrien. Assads Regierung hätte also durchaus Interesse, die Ölfelder in Deir Essor zu erobern.

Türkei: Waffenruhe und Kurden-Abzug "nach Plan"

Die USA stehen derzeit in der Kritik, nachdem Präsident Donald Trump vor knapp drei Wochen den Abzug von US-Truppen aus Syrien angekündigt hatte. Damit machte er den Weg frei für eine Offensive der Türkei im Nordosten Syriens, die sich gegen die Kurdenmiliz YPG in der Region richtet. Die YPG zählte lange zu den engsten US-Verbündeten und dominiert die SDF.

Derzeit gilt für die Region eine Feuerpause, während der die Kurdenmilizen abziehen sollen. Es laufe alles "nach Plan", sagte der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge nach Gesprächen mit NATO-Verteidigungsministern in Brüssel.

Die Türkei hatte am Dienstag mit Russland als Schutzmacht der syrischen Regierung eine Einigung zur gemeinsamen Kontrolle von Grenzgebieten in Nordsyrien getroffen. Der Abzug der Kurden sollte nach 150 Stunden oder etwas mehr als sechs Tagen abgeschlossen sein. Akar zufolge wird das mit Russland ausgehandelte Waffenruhe-Abkommen am kommenden Dienstag um 18 Uhr Ortszeit (16 Uhr MEZ) auslaufen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 26. Oktober 2019 um 14:15 Uhr.

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