US-Militärfahrzeuge auf einer Straße im Nordosten Syriens nahe der Grenze zur Türkei | Bildquelle: AFP

Nach dem Abzugsbefehl US-Truppen in Nordsyrien gesichtet

Stand: 31.10.2019 17:20 Uhr

Mit weithin sichtbaren Fahnen sind erstmals wieder US-Militärfahrzeuge im Nordosten Syriens gesichtet worden. Sie patrouillierten nahe der Grenze zur Türkei. Angeblich wurden sie von kurdischen Kämpfern begleitet.

Im Nordosten Syriens sind nahe der türkischen Grenze erneut US-Soldaten auf Patrouille gegangen. Östlich der Grenzstadt Kamischli wurden nach übereinstimmenden Berichten fünf gepanzerte Fahrzeuge gesehen, die große US-Flaggen gehisst hatten. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP wurden die Fahrzeuge von kurdischen Kämpfern der Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) begleitet, die eigentlich seit Dienstag das Gebiet verlassen haben sollten. Ein nicht namentlich genannter kurdischer Kämpfer sagte zur Nachrichtenagentur Reuters, dass es sich nicht um ein "einmaliges Ereignis" gehandelt habe.

US-Militärpatrouillen waren in der Region seit dem überraschenden sofortigen Abzugsbefehl von Präsident Donald Trump nicht mehr gesehen worden.

Schutz von Ölförderanlagen

Ein Sprecher des zuständigen US-Kommandos wollte die gemeinsame Patrouille nicht ausdrücklich bestätigen. Es sei in Absprache mit den SDF damit begonnen worden, Einheiten in die Region Deir al Sor zu verlegen, sagte Oberst Myles Caggins. Der Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" gehe weiter.

Vergangene Woche hatten die USA angekündigt, gepanzerte Verbände nach Ostsyrien zu verlegen, um die dortigen Erdölfelder vor dem IS und anderen militärischen Gruppen zu schützen. Die Ölanlagen waren 2014 vom IS erobert worden. Dies soll eine wichtige Einnahmequelle für die Terroristen gewesen sein, bevor die US-geführte Militärallianz die Extremisten 2017 wieder vertreiben konnte.

Einmarsch auf breiter Front

Trump hatte Anfang Oktober den Abzug der US-Truppen aus Nordsyrien angeordnet, die bis dahin die kurdisch dominierten SDF unterstützt hatte. Die türkische Armee startete daraufhin mit verbündeten syrischen Milizen eine groß angelegte Offensive in Nordsyrien, die zur Eroberung eines Grenzstreifens zwischen Tal Abjad und Ras al-Ain führte. Zunächst hieß es, in der Sicherheitszone sollten Syrer angesiedelt werden, die in die Türkei geflohen waren.

Türkisch-russische Patrouillen

Angesichts des türkischen Einmarsches rief die kurdische Selbstverwaltung die syrische Armee zu Hilfe, die daraufhin erstmals seit sieben Jahren wieder Truppen an die Grenze schickte. Nach acht Tagen vereinbarte die Türkei mit den USA eine Waffenruhe.

Zudem verständigte sich die türkische Regierung mit Russland auf gemeinsame Patrouillen, um den Abzug der kurdischen Kräfte aus der Region zu überprüfen. Diese sollen am Freitag beginnen. Am Dienstagabend hatte Russland verkündet, dass sich alle kurdischen Einheiten auf 30 Kilometer von der Grenze zurückgezogen hätten.

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