Junge Frauen auf der Straße in Taipeh. Sie tragen Masken, um sich vor dem Coronavirus zu schützen. | Bildquelle: AP

Taiwans Corona-Strategie Wo es Masken von der Krankenkasse gibt

Stand: 31.03.2020 17:37 Uhr

In Taiwan gibt es laut Statistik nur etwa 300 Corona-Infizierte. Und das, obwohl viel getestet wird und Zehntausende im Nachbarland China arbeiten. Wie macht Taiwan das und warum beachtet die WHO dies kaum?

Von Kathrin Erdmann, ARD-Ostasienstudio

Die taiwanische Regierung ist sauer. Obwohl sie zu den Gründungsmitgliedern der Weltgesundheitsorganisation WHO gehört, wird ihr seit Jahren die Mitgliedschaft in der Organisation verwehrt. Das liegt am Druck aus China, das einen vollwertigen Beitritt seit Jahren boykottiert.

Doch damit nicht genug, wie Joanne Ou, Sprecherin des taiwanischen Außenministeriums sagt:

"Die WHO setzt in ihren Epidemie-Berichten Taiwan mit China gleich. Dagegen protestieren wir aufs Schärfste. Denn so lange es nicht möglich ist, Taiwans Informationen unverzüglich zu teilen, können andere Länder die aktuelle Situation der Epidemie in Taiwan nicht verstehen, kennen nicht unsere vorbeugende Politik und unsere Quarantänemaßnahmen an den Grenzen. Wenn also die WHO behauptet, sie lerne von allen Regionen und werde alle Informationen teilen, dann stimmt das nicht, denn unsere zugelieferten Informationen wurden anderen Ländern nicht mitgeteilt."

Die Außenamtssprecherin reagierte damit auf eine Aussage der Weltgesundheitsorganisation vom Wochenende. Darin hatte sie behauptet, man beobachte die Situation in Taiwan sehr genau und stehe im Austausch mit den dortigen Experten.

Zu Experten-Treffen kaum eingeladen

Dass hier die Aussage der WHO und die Realität auseinandergehen, hat aus Sicht von Ou vor allem einen Hintergrund: Es zeige, dass die WHO, selbst wenn es um Expertentreffen gehe, immer noch "auf politische Befindlichkeiten" Rücksicht nehme.

Taiwan sei bisher von 70 Prozent dieser Treffen ausgeschlossen. Dabei werde gegenwärtig viel über Taiwans Umgang mit der Epidemie gesprochen und von vielen Ländern gebe es Lob, so Ou weiter. "Wir sehen, dass unsere Verbündeten und Länder wie die USA und Japan Druck auf die WHO machen, damit Taiwan aufgenommen wird."

Doch bisher hat sich die WHO mit Rücksicht auf China nicht bewegt. Dabei könnten die Informationen aus Taiwan für andere Länder möglicherweise überlebenswichtig und hilfreich sein.

Exportverbot und Eigenproduktion von Schutzmasken

Das Land hat frühzeitig auf das Virus reagiert, sehr schnell den Export von Schutzmasken verboten und seine eigene Produktion hochgefahren. Masken gibt es für alle gegen Vorlage der Krankenkassenkarte - bisher drei pro Woche, ab Anfang April sogar neun für zwei Wochen. Per App kann man sehen, wo es noch Masken gibt. Überall wird ständig Fieber gemessen und einem Desinfektionsmittel hingehalten.

Und die Digitalministerin Audrey Tang hilft praktisch auch noch nach. In einem Video zeigt sie ihren Landsleuten, wie sie ganz einfach im Reiskocher eine Maske wiederverwendbar machen können. Lebensnahe, praktische Politik made in Taiwan.

Taiwan kritisiert WHO: Guter Umgang mit Corona kein Thema
Katrin Erdmann, ARD Tokio
31.03.2020 16:41 Uhr

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