Karte: Afghanistan mit Pul-e Chumri, Kabul und Kundus

Afghanistan Taliban greifen weitere Stadt an

Stand: 01.09.2019 09:20 Uhr

Einen Tag nach dem Überfall auf Kundus haben die Taliban eine weitere Stadt in Afghanistan angegriffen. Die örtliche Provinzrätin warnte vor einer "Katastrophe". Zugleich hieß es aus den USA, ein Friedensabkommen sei nah.

In Afghanistan haben die radikalislamischen Taliban einen Tag nach ihrem Überfall auf Kundus eine weitere Provinzhauptstadt angegriffen. Laut der Provinzrätin Hajatullah Wafa begann der Angriff auf Pul-e Chumri in der Nacht. Die Taliban hätten das Gebiet Band-e Du in der Stadt eingenommen, die Kämpfe dauerten an. Sollte die Regierung in Kabul nicht handeln, erwarte sie eine "Katastrophe". Die Stadt könne bis zum Nachmittag an die Taliban fallen.

Über Opfer ist nichts bekannt. "Die Taliban sind in Wohngebieten und kämpfen mit afghanischen Sicherheitskräften", berichtete Safdar Mohsini, der Chef des Provinzrats. Man brauche so bald wie möglich Verstärkung. "Sonst wird die Lage sich von schlecht zu schlechter entwickeln."

Ein Sprecher des Innenministeriums teilte mit, es handle sich um keine Offensive der Taliban. Es seien lediglich Angreifer in zwei Gebieten der Stadt. Sicherheitskräfte hätten die Kämpfer umzingelt.

Friedensabkommen nahe?

Am Vortag hatten die Taliban Kundus angegriffen, eine der größten Städte Afghanistans. Die Angriffe erfolgten inmitten der laufenden Gespräche zwischen den Taliban und den USA über eine politische Lösung des fast 18 Jahre dauernden Konflikts in dem zerrütteten Land.

Trotz der Unruhen twitterte der US-Sondergesandte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, man stehe an der Schwelle eines Abkommens mit den Taliban. Die Vereinbarung werde die Gewalt reduzieren und die Tür für Verhandlungen eines ehrenwerten und nachhaltigen Friedens öffnen. Er werde noch heute zu Konsultationen nach Kabul reisen.

US-Präsident Donald Trump hatte vor wenigen Tagen einen Teilabzug der US-Truppen aus Afghanistan angekündigt. 8600 Soldaten sollen dort bleiben, sagte er. Derzeit sind noch etwa 14.000 US-Soldaten und Spezialkräfte am Hindukusch im Einsatz.

Versuch, Verhandlungsposition zu stärken

Es wird davon ausgegangen, dass die Taliban versuchen, mit den Angriffen ihre Verhandlungsposition zu stärken. Die afghanische Regierung ist von den Gesprächen in Doha ausgeschlossen, weil sie von den Taliban nicht anerkannt wird. Präsident Ashraf Ghani bezweifelte immer wieder den Friedenswillen der islamistischen Organisation. Sein Sprecher Sediq Seddiqi sagte gestern, die schweren Kämpfe in Kundus zeigten, wie wenig von der angeblicher Friedensbereitschaft der Taliban zu halten sei.

Hunderte Taliban-Kämpfer hatten die strategisch wichtige  Provinzhauptstadt von mehreren Seiten aus angegriffen. Am Abend sprengte sich ein Selbstmordattentäter inmitten von Sicherheitskräften und Journalisten in die Luft. Der afghanische Fernsehsender Tolo News berichtete, dabei seien mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen, darunter auch einige Journalisten.

Mit Informationen von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Afghanistan: Schwere Kämpfe im Norden
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
01.09.2019 12:25 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 31. August 2019 B5 aktuell um 19:03 Uhr, 19:21 Uhr sowie um 23:01 Uhr und die tagesschau um 20 Uhr. Am 01. September 2019 berichtete B5 aktuell zudem um 09:07 Uhr.

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