Demonstranten halten Schilder hoch, auf denen sie den Tod von Anas Hakkani fordern.  | Bildquelle: AP

Afghanistan Gefangenenaustausch mit den Taliban?

Stand: 12.11.2019 12:58 Uhr

In Afghanistan bahnt sich ein Gefangenenaustausch an: Die Regierung will drei hochrangige Taliban-Vertreter freilassen - allerdings nur im Gegenzug für zwei westliche Geiseln. Die Taliban kündigten eine Erklärung an.

Die afghanische Regierung will drei hochrangige Taliban-Gefangene freilassen. Das erklärte der Präsident des Landes, Aschraf Ghani, auf einer Pressekonferenz in Kabul. Unter ihnen sei auch Anas Hakkani, der jüngere Bruder des Anführers des Hakkani-Netzwerkes und Vize-Chefs der Taliban, Siradschuddin Hakkani.

Bedingung für die Freilassung ist dem Vernehmen nach, dass die Taliban ihrerseits zwei von ihnen entführte Professoren freilassen, die an der Amerikanischen Universität (AUAF) in Kabul gelehrt hatten.

Die beiden Männer - der US-Amerikaner Kevin King und sein australischer Kollege Timothy Weeks - waren im August 2016 von den Taliban in Kabul verschleppt worden. Regelmäßig hatte die AUAF ihre Freilassung gefordert. Immer wieder gab es Berichte, King sei gesundheitlich schwer angeschlagen.

Weg frei für neue Gespräche mit den Taliban?

Die AUAF erklärte in einer Mitteilung, die Nachrichten seien "ermutigend". Präsident Ghani sprach von einer "schwierigen, aber wichtigen" Entscheidung. Mit dieser wolle man auch den Weg für persönliche und direkte Gespräche mit den Taliban ebnen, um Frieden und Stabilität zu erreichen.

Ein Sprecher der radikal-islamischen Taliban sagte, man werde demnächst eine eigene Erklärung abgeben. Die Freilassungen könnten Beobachtern zufolge dazu beitragen, die im September abgebrochenen Gespräche über Frieden zwischen den USA und den Taliban wieder zu starten.

Bisher hatten sich die Taliban geweigert, direkte Friedensgespräche mit der afghanischen Regierung aufzunehmen, die sie als "Marionette" des Westens betrachten. Die drei Taliban-Mitglieder seien im Ausland festgenommen worden. Sie hätten seit einiger Zeit unter Beobachtung der afghanischen Regierung gestanden, sagte Ghani weiter.

Hakkani-Netzwerk verübte Anschläge

Das Hakkani-Netzwerk ist verantwortlich für einige der grausamsten Anschläge in Afghanistan. Laut deutschen Sicherheitskreisen stand das Hakkani-Netzwerk auch hinter dem schweren Anschlag vor der deutschen Botschaft in Kabul im Mai 2017. Damals waren mindestens 90 Menschen getötet und mehrere Hundert verletzt worden.

Anas Hakkani wurde offenbar im Oktober 2014 bei einem Einsatz in der östlichen Provinz Chost festgenommen. Davor soll er sich vor allem um die Finanzierung der Aktivitäten des Hakkani-Netzwerks gekümmert und Gelder aus den Golfstaaten besorgt haben. Im Februar hatten die Taliban Anas Hakkani auf die Liste ihrer Verhandlungsdelegation für die Gespräche mit US-Vertretern über Wege zum Frieden gesetzt.

Afghanische Regierung will hochrangige Taliban freilassen
Silke Diettrich, ARD Neu-Delhi
12.11.2019 13:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. November 2019 um 12:00 Uhr.

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