Affäre um Adidas-Schiedsspruch in Frankreich Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Tapie

Stand: 28.06.2013 19:05 Uhr

In der Affäre um eine staatliche Millionenentschädigung ist gegen den französischen Unternehmer Bernard Tapie ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Der Vorwurf lautet auf "bandenmäßig organisierten Betrug", wie sein Anwalt Hervé Temime mitteilte.

Laut der zuständigen Staatsanwaltschaft, konnte der 70-Jährige bei einer viertägigen Vernehmung zu einem umstrittenen Schiedsgerichtsverfahren die Verdachtsmomente gegen ihn nicht ausräumen. Ihm droht nun gemeinsam mit weiteren Beteiligten ein Prozess.

In der Affäre wurden seit Mai bereits drei Ermittlungsverfahren eingeleitet, darunter gegen den heutigen France-Télécom-Chef Stéphane Richard, der einst Bürochef von Lagarde in deren Zeit als französische Finanzministerin war.

Bernard Tapie
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Bernard Tapie wurde vier Tage lang vernommen. Nun droht ihm ein Prozess.

Entschädigung politisch motiviert?

Es geht in dem Fall um eine staatliche Entschädigungszahlung an Tapie in Höhe von insgesamt rund 400 Millionen Euro im Jahr 2008, die er nach einem umstrittenen Schiedsverfahren erhielt. Den Schiedsspruch hatte die damalige Finanzministerin unter Sarkozy und heutige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, zusammen mit ihrem Büroleiter Richard unterstützt.

Dabei ging es um die Beendigung eines jahrelangen Rechtsstreits, nachdem Tapie 1993 die Sportfirma Adidas an eine Investorengruppe um die damals staatliche Bank Crédit Lyonnais verkauft hatte. Tapie, der sich von der Bank übervorteilt fühlte, erhielt durch den Schiedsspruch am Ende den Schadenersatz in Millionenhöhe, gegen den die Regierung keinen Widerspruch einlegte.

Dieses Schiedsverfahren wurde nach Aussagen von Richard auch vom Elysée-Palast unter dem damaligen konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy vorangetrieben. Bei der Justiz besteht der Verdacht, dass Tapie die hohe Summe auch deshalb erhielt, weil er Sarkozys Wahlkampf 2007 unterstützte.

Kein Ermittlungsverfahren gegen Lagarde

Lagarde war in der Affäre einem Ermittlungsverfahren entgangen; ihr wurde von der Justiz Ende Mai ein Zwitterstatus zwischen Zeugin und Beschuldigter zugewiesen. Ihr Ex-Büroleiter Richard hatte Ermittlern zufolge bei seinen Vernehmungen ausgesagt, bei einem entscheidenden Treffen im Elysée-Palast zur Einleitung des Schiedsverfahrens sei im Juli 2007 auch der betroffene Unternehmer Tapie selbst anwesend gewesen.

Tapie war in den 80er Jahren eine der schillerndsten Persönlichkeiten Frankreichs. Anfang der 90er Jahre kaufte er Adidas und brachte es kurzzeitig sogar zum Minister, bevor sein Abstieg begann. 1994 musste er Privatinsolvenz anmelden. Wegen Bestechung, Zeugenbeeinflussung, Finanzschiebereien und Steuerhinterziehung wurde Tapie zu jahrelanger Haft verurteilt und saß einen Teil der Strafen tatsächlich ab. Unter anderem saß er hinter Gittern, weil er als Präsident des Fußballclubs Olympique Marseille den Sieg in einem Erstligaspiel mit Schmiergeldern erkauft hatte.

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