Eine Frau stellt Sonnenschirme am leeren Strand von Hua Hin auf, Thailand. | Bildquelle: AFP

Weltspiegel aus Thailand Große Sehnsucht nach den fernen Gästen

Stand: 07.06.2020 04:27 Uhr

Leere Strände, leere Hotels - Thailand hofft auf eine baldige Rückkehr der für die Wirtschaft so wichtigen Touristen. Denn viele bringt der Stillstand durch die Corona-Krise bereits jetzt ans Existenzlimit.

Von Sandra Ratzow, ARD-Studio Singapur

Auf den ersten Blick gleicht Thailand derzeit einem Paradies: Die sonst so scheuen Dugongs - also Gabelschwanzseekühe - plantschen ungestört im Wasser, und die Traumstrände sind so unberührt und sauber wie seit Jahren nicht mehr.

Auch in Ao Nang. Doch genießen können das nur die wenigsten. Im Phunaka Elephant Camp waren im März die letzten Touristen. Dann verhängte die Regierung wegen der Corona-Pandemie einen Einreisestopp für Ausländer. Von einem Tag auf den anderen hat Suchat Misi damit sein Geschäft verloren und muss nun sehen, wie er seine vier Elefanten durchbringt.

Corona-Folgen an den Stränden und in den Slums von Thailand
Weltspiegel, 06.06.2020, Sandra Ratzow, ARD Singapur

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Bis zu 200 Kilogramm frisst so ein Tier am Tag. Vom Staat gab es einen einmaligen Betrag als Nothilfe, zu wenig um Thailands XXL-Nationaltiere durchzufüttern.

"Inzwischen kommen überhaupt keine Touristen mehr. Seit mehr als zwei Monaten verdiene ich kein Geld, um Angestellte zu bezahlen. Ich muss jetzt hier alles aus Rücklagen finanzieren. Es ist schwer, das durchzuhalten", sagt Suchat Misi.

4000 Elefanten leben in Thailand in solchen Camps. Im Dschungel könnten viele von ihnen wohl nicht mehr überleben.

Spenden für die Dickhäuter

Dass Suchats Tiere nicht hungern, haben sie auch Alyssa und Charlotte zu verdanken. Die beiden Engländerinnen haben die Online-Initiative "Ao Nang Elephant Fund" gegründet und versorgen so seit Wochen 27 Elefanten in der Gegend mit Ananasblättern. Doch jetzt kommen sie an ihre Grenzen.

"Am Anfang hatten wir viele Spenden, vor allem von unseren Familien und Freunden, aber langsam wissen wir nicht mehr, wen wir noch fragen können. Die Spenden werden weniger, aber die Elefanten brauchen doch trotzdem weiter Futter", sagt Charlotte.

Allein in Tourismusbranche drohen Millionen Arbeitslose

Mehr als 20 Prozent des thailändischen Bruttoinlandsprodukts hängen am Tourismus. Doch jetzt könnten bis zu sechs Millionen Thailänder in der Tourismusbranche ihre Jobs verlieren, so die Befürchtungen.

Manche Familien haben schon jetzt zu wenig zum Überleben, wie in dem Dorf Baan Thung auf Krabi. Die Anwältin "Gaii" Inthira Koontaweesap kommt vorbei und verteilt Reis, Eier und Fischkonserven. Sie sammelt dafür seit April Spenden. Bis zu 50 Familien versorgt sie hier: Fischer, die nun keine Abnehmer mehr haben, weil Restaurants kein Essen mehr servieren; Hotelangestellte, die keine Kissen mehr aufschütteln; Souvenirverkäufer, deren Läden geschlossen sind.

Der Staat kann nicht allen helfen, sagt die Anwältin: "Ich habe gedacht, ich kann die Leute nicht einfach sich selbst überlassen. Als ich mitbekam, dass sie hungern müssen, habe ich eine Gruppe gegründet und meine Freunde um Unterstützung gebeten."

Wie viele Touristenboote brauchen sie hier wohl künftig noch? Im vergangenen Jahr haben manche noch über zu viele Touristen geklagt. Dieses Jahr sind die Vorhersagen beängstigend: bis zu 70 Prozent weniger Urlauber als im Vorjahr.

Die nahezu leere Khaosan-Road in Bangkok, Thailand. | Bildquelle: REUTERS
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Auch die Straßen in der Metropole Bangkok sind ungewohnt leer.

Hotels bleiben noch bis Juli geschlossen

Die Aussicht ist traumhaft, doch auch das Hotel Avani mit 178 Zimmern musste wie alle Hotels schließen - noch bis mindestens Juli. Das Maßband ist ständiger Begleiter von Manager Farah Jaber. Der Libanese bereitet mit ein paar Mitarbeitern das Hygienekonzept für den Neustart vor. Es gilt, Vertrauen aufzubauen.

"Leute, achtet bitte darauf, die Gäste auf das digitale Menu hinzuweisen", weist Farah sein Team an, "wir wollen doch nicht mehr, dass Karten von Hand zu Hand wandern."

Vorsicht und Schutz sollen Vertrauen schaffen

Noch gilt das Einreiseverbot für Ausländer. Thailands Hotelindustrie setzt deshalb erst einmal auf einheimische Touristen. Aber im Oktober oder November - rechtzeitig zur Schmuddelwetter-Saison in Europa - sollen unbedingt wieder internationale Gäste kommen. Farah ist überzeugt: "Mit all den Maßnahmen, die Hoteliers, Geschäfte und  Regierung umgesetzt haben, können sich Gäste in diesem Land sicher fühlen. Das Land hat die Pandemie besser in den Griff bekommen als viele andere. Es ist sicher."

Und auch der Tourismus-Werbeslogan des Landes soll sich anpassen: "Amazing Thailand" heißt künftig "Amazing Trusted Thailand" - "Wunderbares, vertrauenswürdiges Thailand".

Über dieses Thema berichtete das Erste am 07. Juni 2020 um 19:20 Uhr im "Weltspiegel".

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