Rettungskräfte vor der thailändischen Höhle | Bildquelle: AFP

Höhle in Thailand Die Retter sind ratlos

Stand: 07.07.2018 07:55 Uhr

Dutzende Löcher haben die Helfer gebohrt - aber keines tief genug, um die eingeschlossenen thailändischen Jungen zu erreichen. Auch die Tauchroute ist gefährlich - und Regen könnte die Lage verschlechtern.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Südostasien

Besorgt schauen die Taucher in die dunklen Wolken am Himmel über Nord-Thailand. Neue Regenfälle werden erwartet, was den Rettungseinsatz in die Tham-Luang-Höhle weiter erschweren wird. Schon jetzt schaffen es die Hochleistungspumpen nicht, den Wasserspiegel zu senken. Seit zwei Wochen sitzen die zwölf Jugendfußballer mit ihrem Trainer tief unten in der Höhle, und die Retter haben immer noch keine Idee, wie sie die Eingeschlossenen herausholen können.

Ihren Einsatz als schwierig zu bezeichnen, wäre eine starke Untertreibung, beschreibt der Brite Nick Beats: "Es fühlt sich extrem klaustrophobisch an, dort unten zu tauchen. Das Wasser ist düster und schlammig, die Sicht faktisch bei Null."

Extrem gefährliche Bedingungen

Der Tod eines Tauchers gestern zeigt auch, wie extrem gefährlich die Bedingungen sind. Vor allem aber macht er deutlich, dass es eine Illusion ist, man könne 13 erschöpften jungen Männern - von denen einige nicht mal schwimmen können - mal eben das Tauchen beibringen und sie ins Freie geleiten. In den vollgelaufenen Tunneln gibt es eine starke Strömung. Selbst Profis brauchen fünf Stunden für den Weg, weil sie sich zwischen dem scharfkantigen Gestein nur zentimeterweise fortbewegen können - und sie müssen dabei mehrfach die Pressluftflasche wechseln.

Zugleich ergaben Messungen, dass der Sauerstoffgehalt in der Höhle von 20 auf 15 Prozent gesunken ist, wenn er unter 13 Prozent fällt, wird es kritisch. Die Taucher haben Presslufttanks für die Jungen in die Höhle gebracht, um Zeit zu gewinnen.

Meditierende thailändische Schüler | Bildquelle: RUNGROJ YONGRIT/EPA-EFE/REX/Shut
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Unterstützung für die Eingeschlossenen: In einer nahe gelegenen Schule meditierten Schüler.

Vor der Höhle beten die Angehörigen

Draußen vor der Höhle beten die Angehörigen der jungen Männer gemeinsam mit orange gewandeten Mönchen. Ganze Teppiche bunter Opferblumen bedecken den schlammigen Boden. Die Mütter und Väter stützen einander, singen, lachen sogar - man sieht keine Tränen.

Doch die Eltern müssen durch ein furchtbares Wechselbad der Gefühle gegangen sein, seit ihre Kinder vor 15 Tagen verschwanden: Zehn Tage lang keine Spur von ihnen - dann das Wunder von Thailand, als die 13 lebend gefunden wurden - und nun wieder die bange Ungewissheit, ob und wann sie ihre Söhne wieder in die Arme schließen können. "Uns geht es gut, es ist bloß ein bisschen kühl hier", schrieb einer der Jungen in einem Brief an seine Eltern, den die Taucher herausbrachten: "Und vergesst bitte nicht, meine Geburtstagsparty abzusagen!"

Thailändische Jungs in der Höhle | Bildquelle: dpa
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"Uns geht es gut", schrieb einer der Jungen in einem Brief.

Dutzende Löcher gebohrt - aber keines tief genug

Tag und Nacht sind auf den Hügeln über der Höhle schwere Bohrmaschinen Einsatz, um einen Zugang von oben zu finden. "Allein gestern haben wir mehr als 100 Löcher gebohrt - 18 waren groß genug, um hineinzusteigen", erklärt der Gouverneur der Provinz Chiang Rai, Narongsak Osottanakorn, "aber die tiefste Bohrung ist gerade mal 400 Meter tief. Das reicht nicht, um an die Jungs heranzukommen."

Warten bis zum Ende der Regenzeit - einige Experten halten das für den sichersten Weg. Dann fällt der Wasserspiegel und die jungen Männer können einfach aus der Höhle herausspazieren. Auch wenn man es sich schwer vorstellen mag, was es für die Psyche der Eingeschlossenen bedeutet, bis zu drei Monaten in der kalten, dunklen und feuchten Höhle auszuharren.

Aber wenn der Monsun heftigen Regen und Sturm bringt - dann ist Warten ohnehin keine Option, weil die Wassermassen das brüchige Gestein unterschwemmen. Dann müssen die Jungen womöglich trotz aller Risiken sehr schnell aus ihrem Gefängnis geholt werden. So oder so - es ist ein Wettlauf gegen die Zeit und die Unberechenbarkeit der Natur.

Über dieses Thema berichteten das nachtmagazin am 06. Juli 2018 um 01:00 Uhr.

Korrespondent

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Holger Senzel, NDR

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