Rettungsaktion in der Tham Luang Höhle, Thailand | Bildquelle: ROYAL THAI NAVY/HANDOUT/EPA-EFE/

Fußballer in Thailand "Wie Schwimmen in kaltem Kaffee"

Stand: 30.06.2018 10:53 Uhr

Von der in Thailand verschütteten Fußballmannschaft gibt es auch nach einer Woche kein Lebenszeichen. Tauchtrupps suchen nach ihnen - doch wegen des trüben Wassers in der Höhle kommen sie kaum voran.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Sturzbäche rauschen durch das Gestein, Marinetaucher stehen im strömenden Regen vor dem Höhleneingang und besprechen, wie es weitergeht. "Das Problem ist, dass wir in den vollgelaufenen und sehr engen Gängen nur extrem langsam vorankommen", erklärt der Einsatzleiter. "Unsere Sauerstofftanks reichen daher nur für 200 Meter. Wir versuchen das durch Rotation bei den Tauchgängen zu schaffen. Wir werden auf keinen Fall aufgeben."

Irgendwo in der weitverzweigten Höhle in Nordthailand mit ihren kilometerlangen Gängen auf vielen Ebenen und Dutzenden Nebenhöhlen sind zwölf Jungen einer Fußballmannschaft zwischen elf und 16 Jahren mit ihrem Trainer eingeschlossen. Seit vergangenem Sonnabend sitzen die jungen Fußballer mit ihrem Coach nun dort fest. Es herrscht Regenzeit, vermutlich hat eine Sturzflut ihnen den Rückweg abgeschnitten.

Rettungsaktion in der Tham Luang Höhle, Thailand | Bildquelle: AFP
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Internationale Tauchtrupps sind rund um die Uhr im Einsatz, doch die Bedingungen sind extrem ungünstig.

Premierminister vor Ort

Angehörige beten gemeinsam mit orangegewandeten buddhistischen Mönchen, ein Meer von bunten Opferblumen erstreckt sich vor der Tham Luang Nang Non-Höhle. Dort ist ein regelrechtes Dorf entstanden: Zelte, Generatoren, Flutlicht, Scharen von Helfern, Armeeuniformen, Fernsehkameras, Mikrofone. Das ganze Land nimmt Anteil an der Suche nach den jungen Männern. In den sozialen Netzwerken spenden Zehntausende den Eltern Mut. Premierminister Prayut Chan Ocha besuchte den Unglücksort: "Wir werden Erfolg haben, weil wir Glauben haben. Wir müssen einen kühlen Kopf bewahren, einander zu beraten, zu unterstützen und zu helfen."

Auch britische und amerikanische Marinetaucher beteiligen sich an der Operation. "Es ist wie Schwimmen in kaltem Kaffee", sagt einer, denn die Sicht im mit Schlamm und Geröll verunreinigten Wasser betrage nur wenige Zentimeter. Die Tauchgänge mussten daher abgebrochen werden. "Die Tunnel sind voller Wasser. Wir sind übereingekommen, dass wir warten müssen, bis der Wasserspiegel sinkt, damit wir durch die Höhle tauchen können.

Helfer an der Tham-Luang-Höhle | Bildquelle: REUTERS
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Helfer suchen verzweifelt nach den jungen Fußballern.

Luft und Trinkwasser sind kein Problem

Die Retter setzen jetzt Tauchroboter ein, gleichzeitig bohren sie einen neuen Zugang. Doch noch gibt es weder einen Anhaltspunkt, wo die 13 jungen Männer eingeschlossen sein könnten, noch ein Lebenszeichen der Gruppe. "Trotzdem glaube ich, dass sie noch leben", sagt ein Vater. "Denn ihr Trainer ist ein starker und gesunder Mann. Er kann die Jungen führen. Ich glaube an seine Stärke."

Die Tham Luang Nang Non-Höhle ist eine Touristenattraktion, aber sie während der Regensaison zu betreten, ist riskant. Bis zu fünf Meter hoch kann der Wasserspiegel dort zwischen Juni und Oktober steigen. Die Retter hoffen, dass die Fußballer und ihr Trainer sich in einen noch trockenen Hohlraum retten konnten - das Gestein ist porös, sie dürften ausreichend Atemluft bekommen, sagt ein Taucher. Trinkwasser sei ebenfalls kein Problem. Die Retter verbreiten Optimismus. Auch wenn ihr Einsatz mehr und mehr ein verzweifelter Wettlauf gegen die Zeit ist.

Wettlauf gegen die Zeit
Holger Senzel, ARD Singapur
30.06.2018 10:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Juni 2018 um 17:00 Uhr.

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