Urlauber warten am Flughafen Antalya | Bildquelle: AP

Thomas-Cook-Insolvenz Türkische Reisebranche fürchtet Einbruch

Stand: 23.09.2019 20:58 Uhr

Zehntausende Urlauber sind in der Türkei von der Thomas-Cook-Pleite betroffen. Die türkische Regierung versucht, sie nun nach Hause zu bringen. Die Tourismusbranche rechnet derweil mit gewaltigen Einbußen.

Von Christian Buttkereit, ARD-Studio Istanbul

Viele Koffer und verzweifelte Gesichter - so stellt sich das Bild im Abflugterminal von Antalya dar. Ähnlich sieht es an anderen türkischen Flughäfen aus. Am schwierigsten ist die Lage für die gut 21.000 Urlauber, die ihre Reise direkt beim insolventen Thomas-Cook-Mutterkonzern in Großbritannien gebucht haben.

Thomas-Cook-Insolvenz: Hunderttausende Reisende betroffen
tagesthemen 22:30 Uhr, 23.09.2019, Katharina von Tschurtschenthaler, NDR

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Bleibt es bei Großbritannien?

Viele von ihnen warten derzeit am Flughafen von Antalya darauf, zurückgeholt zu werden. Einen entsprechenden Auftrag erteilte die britische Regierung der Luftfahrtbehörde CAA. Die Aktion ist auf zwei Wochen angelegt. Der türkische Tourismusminister Mehmet Nur Ersoy sorgt sich aber, dass am Ende nicht nur die Briten betroffen sein könnten. Es seien auch viele Urlauber aus Deutschland und Skandinavien mit Thomas Cook in die Türkei gekommen.

"Wir hoffen natürlich, dass es bei Großbritannien bleibt", sagt Ersoy. "Binnen 48 Stunden wird sich entscheiden, was mit Thomas Cook Deutschland passiert. So oder so hat es Priorität, dass unsere ausländischen Urlauber ohne große Unannehmlichkeiten wieder nach Hause kommen."

Claudia Kornmeier, SWR, zur rechtlichen Situation von Thomas Cook-Reisenden
tagesschau24 15:00 Uhr, 23.09.2019

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Regierung will mit Notkrediten helfen

Ein deutscher Urlauber in der Warteschlange am Flughafen berichtet, dass er im Hotel aufgefordert wurde, die Rechnung aus eigener Tasche zu bezahlen. So etwas dürfe nicht vorkommen, meint der Minister und fürchtet um das Ansehen der Türkei als Reiseland. Für solche Fälle seien die Reiseveranstalter versichert.

Reiche das nicht aus, würde der türkische Staat einspringen, versichert Ersoy. "Thomas Cook machte viel Umsatz in der Türkei, und die Hotels und Tourismusunternehmen müssen noch viel Geld bekommen", sagt er. Er habe in der Nacht mit Finanzminister Berat Albayrak telefoniert. "Wir haben uns darauf verständigt, betroffenen Hotels und Unternehmen mit Notkrediten zu helfen."

Der Verband der türkischen Reiseunternehmer befürchtet durch die Pleite von Thomas Cook einen Einbruch im Tourismusgeschäft. Der britische Markt, auf dem der Konzern einen entscheidenden Anteil hatte, macht etwa sechs Prozent des Umsatzes der Tourismusbranche der Türkei aus. Der Präsident des türkischen Hotelverbandes, Osman Ayik, rechnet vor, dass wegen der Thomas-Cook-Pleite jährlich bis zu 700.000 Urlauber weniger in die Türkei kommen könnten.

Auswärtiges Amt sichert gestrandeten Thomas Cook-Urlaubern Unterstützung zu
tagesschau 20:00 Uhr, 23.09.2019, Sandra Scheuring, HR

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50.000 Menschen in Griechenland betroffen

Die Rückreise der Passagiere der deutschen Thomas-Cook-Tochter Condor läuft bisher offenbar nach Flugplan. Am Abend sollen noch fünf Condor-Maschinen abheben, unter anderem nach Hannover, München, Frankfurt und Düsseldorf. 

Noch mehr Urlauber als in der Türkei sind in Griechenland betroffen: Nach Angaben des zuständigen Ministeriums sind es rund 50.000. Ein Krisenstab wurde gebildet. In den kommenden drei Tagen ist die Rückreise von 22.000 Urlaubern geplant. Noch heute sollen 15 Flugzeuge von Kos, Korfu und Zakyntos aus starten.

Auswirkungen der Thomas-Cook-Pleite in der Türkei und Griechenland
Christian Buttkereit, ARD Istanbul
23.09.2019 20:35 Uhr

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