Touristen lassen sich in Lhasa fotografieren | Bildquelle: picture alliance / Photoshot

Jahrestag des Tibetaufstands China sperrt Tibet für Touristen

Stand: 20.02.2019 10:39 Uhr

China hat Reisen ausländischer Touristen ins Autonome Gebiet Tibet bis zum 1. April untersagt. Anlass ist der 60. Jahrestag des Tibetaufstands.

Kurz vor dem 60. Jahrestag der Flucht des Dalai Lama aus Tibet hat China ausländischen Touristen Reisen in die Region untersagt. Laut mehrerer chinesischer Reiseagenturen sollen Ausländer bis zum 1. April nicht mehr einreisen dürfen. Die notwendige Genehmigung werde erst zu diesem Datum wieder erteilt. Wann genau das Reiseverbot in Kraft trat, ist unklar. Einige Beobachtungsstellen melden jedoch, es gelte seit Februar.

Sensibler Jahrestag

Wegen des Jahrestags sind die Behörden dieses Jahr besonders aufmerksam, das Reiseverbot wurde um die gleiche Zeit aber auch in den Vorjahren ausgesprochen. Vor wichtigen politischen Treffen oder Jahrestagen hatte China in der Vergangenheit ausländischen Urlaubern immer wieder den Zugang nach Tibet verwehrt. Einige Reisebüros begründeten die Schließung der Grenzen für Ausländer dementsprechend mit einer "Regierungsanweisung". Andere gaben das tibetische Neujahrsfest als Grund an, das bereits am 5. Februar gefeiert wurde.

Touristen posen für Foto vor dem Potala-Palast in Lhasa, Tibet | Bildquelle: AP
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Touristen posen für ein Foto vor dem Potala-Palast in Lhasa.

Spannungen in Tibet

Tibet liegt auf einem zwischen 3600 und 5200 Meter hohen Plateau und wird deshalb auch "Dach der Welt" genannt. Vom 15. Jahrhundert an entwickelte sich das buddhistische Königreich zu einem Mönchsstaat mit dem Dalai Lama als Oberhaupt und Lhasa als Hauptstadt. 1950 marschierte China mit seiner Volksbefreiungsarmee in Tibet ein und erklärte es 1965 als zur Volksrepublik gehörige Autonome Region Tibet.

Weil die Tibeter die Entführung ihres Anführers befürchteten, kam es am 10. März 1959 zu einem großen Aufstand, in dessen Verlauf der heute 83 Jahre alte Dalai Lama mit seinen Gefolgsleuten ins indische Exil flüchtete. Im März 2008 gab es in Lhasa schwere Ausschreitungen, nachdem Mönche der Flucht gedacht hatten.

Weit über 100 Tibeter haben sich in den vergangenen Jahren selbst angezündet, um gegen die chinesische Politik in den tibetisch bewohnten Gebieten zu protestieren. Informationen über das aktuelle Geschehen im Autonomen Gebiet Tibet sind nur schwer erhältlich. Die von China kontrollierte Region ist für ausländische Journalisten und Diplomaten beinahe unzugänglich.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 20. Februar 2019 um 10:45 Uhr.

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