Tiefkühlkost wird in einem Laden in den USA angeboten | Bildquelle: dpa

Tiefkühlkost wird 90 Der Siegeszug des knallhart Gefrorenen

Stand: 06.03.2020 09:19 Uhr

Egal ob Fischstäbchen, Pizza oder Spinat: Tiefkühlkost ist für viele aus dem Alltag kaum noch wegzudenken. Die Erfolgsgeschichte begann vor 90 Jahren - in einer Kleinstadt in den USA.

Von Torben Ostermann, ARD-Studio Washington

Eine Fernsehwerbung aus dem Jahr 1955. Zwei gut gekleidete Herren in dunklen Anzügen stehen in einer Küche und werben für Tiefkühlkost:

"Was für ein praktische Erfindung! Der Mann kann nach Hause kommen wann er will, sogar spontan jemanden mitbringen. Und seine Frau gerät nicht in Panik. Sie muss das tiefgefrorene Truthahngericht einfach aus dem Gefrierschrank holen und warm machen, wenn der Mann mal wieder etwas spät dran ist."

Die 1920er-Jahre in Springfield, Massachusetts, an der Ostküste Amerikas: Der Ingenieuer Clarence Birdseye tüftelt bereits einige Jahre an Gefrierschränken. Als junger Wissenschaftler war er im Auftrag von US-Behörden in die kanadische Arktis geschickt worden, um das Leben der Ureinwohner zu studieren. Er sah, dass die Menschen dort Essen durch Kälte haltbar machen - dieser Gedanke ließ ihn fortan nicht wieder los.

Ein Iglo-Lieferwagen (undatierte historische Aufnahme) | Bildquelle: dpa
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Auch in Deutschland war das Angebot anfangs noch eher bescheiden: Es gab Gemüse, Obst, Fleisch und Fisch.

Anfangs war die Skepsis groß

Am 6. März 1930 erblickte seine Erfindung das Licht der Welt. Knallhart gefrorener Spinat und Fisch lagen erstmals in einem Supermarkt aus - sehr zu Verwunderung der einkaufenden Damen. Die anfängliche Skepsis war groß. Sie wich schließlich, als die Alternativen ausgingen. Denn während des Zweiten Weltkrieges wurden amerikanischen Soldaten unter anderem mit Konservendosen versorgt. Als die auf dem heimischen Markt knapp wurden, begann die Erfolgsgeschichte von Birdseyes Erfindung.

Noch heute sind Werbe-Experten beeindruckt von Birdseyes Innovation. Er setzte damals vor allem auf das Argument der Frische. Bis dato konnten nur Menschen gesundes Gemüse essen, die in der Nähe einer Farm wohnten, den anderen blieb nur eingekochtes Gemüse in der Dose übrig, erzählt Al Ramadan, Marketing-Fachmann aus dem Silicon Valley.

"Clarence hat alles auf die Frische ausgerichtet. Er musste dann alle Lkw-Firmen in den USA davon überzeugen, das gefrorene Gemüse von den Farmen in die Supermärkte zu bringen. Und die Supermärkte musste er überzeugen, Gefrierschränke aufzubauen. Heute gehen wir in Supermärkte und was sehen wir: ganze Gänge mit Tiefkühlkost."

Mitarbeiterinnen vom Tiefkühlkosthersteller Frosta stehen am Band und ordnen Fischstäbchen | Bildquelle: dpa
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Inzwischen gehören Tiefkühlprodukte für Viele zum Alltag dazu.

Image mit der Zeit immer schlechter

Schnell kamen immer mehr Tiefkühlprodukte hinzu: Fleisch, Erbsen und sogar Austern. Der Slogan von Birdseye: Andere frieren Essen ein, Birdseye friert Geschmack ein.

Als dann immer mehr Amerikaner einen Fernseher Zuhause hatten, wurde Tiefkühlkost endgültig zum Massenprodukt. Während der Absatz in die Höhe schoss, wurde das Image schlechter. Essen aus der Gefriertruhe galt als ungesund.

Ein Erfolg ist die Erfindung von Clarence Birdseye in jedem Fall. Allein in den USA werden jährlich rund 50 Milliarden Dollar mit der Erfindung des Ingenieurs aus Massachusetts umgesetzt.

Vor 90 Jahren wurde in den USA die erste Tiefkühlkost der Welt verkauft
Torben Ostermann, ARD Washington
06.03.2020 08:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. März 2020 um 08:41 Uhr.

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