Über 400 Millionen Chinesen nutzen die App täglich. | Bildquelle: AFP

TikTok-Pendant in China "Für Rentner wie mich super"

Stand: 21.01.2020 10:33 Uhr

Hip, aber nicht nur jung: In China nutzen über 400 Millionen Menschen das TikTok-Pendant Douyin täglich. Dabei sind die meisten Nutzer 50 Jahre und älter.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Die Nachricht kam Anfang Januar: Douyin - so heißt die Video-Plattform TikTok in China - hat die Schwelle von 400 Millionen aktiven Nutzern pro Tag geknackt. Vor einem Jahr waren es noch 250 Millionen aktive Nutzer täglich.

Damit ist der Stellenwert der App nochmal deutlich gestiegen. Das Besondere in China: Hier sind es nicht vor allem junge Leute, die die Video-App nutzen, die meisten Videos werden von Nutzern erstellt, die in den 60er Jahren geboren wurden. So wie Jing Xiaofeng. Sie ist 58 Jahre alt, Rentnerin und nutzt die chinesische Version von TikTok täglich.

"Das macht mir großen Spaß und hilft mir, wenn ich mich langweile oder viel Freizeit habe", sagt sie. Douyin mache ihr Leben interessanter. Es fordere sie geistig, damit bleibe sie fit. "Für Rentner wie mich ist das super. Es ist gut, sich im Ruhestand mit so etwas beschäftigen zu können", erklärt sie weiter.

TikTok erst spät in China angekommen

Jing Xiaofeng gehört zu den Rentnern in Peking, die sich jeden Tag in öffentlichen Parks zum Tanzen und Singen treffen. Die chinesische TikTok-Version passt da wunderbar ins Konzept.

Aber obwohl Design, Entwicklung und Programmierung der App chinesisch sind, kam das Produkt erst verhältnismäßig spät nach China. Da gab es TikTok-Vorgänger Musical.ly bereits in Europa, USA und in anderen asiatischen Ländern. China sei ein ganz anderer Markt, erklärt Musical.ly-Gründer und TikTok-Chef Alex Zhu. Der Wettbewerb sei anders, viel intensiver.

"Alle Unternehmen verbrennen Geld, um Influencer und Traffic zu kaufen. Es ist schlicht teuer, in China auf dem Markt zu sein. Man braucht ein großes Team und ein riesiges Budget. Darum haben wir am Anfang unter uns gesagt: Lass uns zuerst auf Länder außerhalb Chinas fokussieren", legt Zhu dar.

"Nah am Leben und Alltag"

Seit 2017 aber läuft das Geschäft auch in China. In dem Jahr kaufte das chinesische Unternehmen ByteDance TikTok, damals noch Musical.ly.

Gao Yan und Ma Zhu aus Peking sind beide um die 50 Jahre alt und Douyin-Nutzer der ersten Stunde. Gao Yan erzählt, dass ihre Mutter gestorben ist und ihr Vater lebt allein. "Ich begleite ihn ganz häufig. Ich mache oft kurze Videos von ihm, und lade die in meinem Profil hoch. Ich kann das als Andenken behalten."

Für Ma Zhu ist das chineische TikTok sehr nah am Leben und am Alltag der einfachen Leute. "Ganz normale Leute laden ihre Videos über ihr ganz normales Leben hoch", sagt er. "Meine Freunde, meine Kollegen, meine Familie - wir nutzen es alle sehr häufig."

Vorwürfe wegen Spionageverdacht

Aber: Besonders aus dem Ausland kommt Kritik. TikTok steht unter anderem wegen angeblicher Spionage und dem Verbergen bzw. der Zensur chinakritischer Inhalte in der Kritik.

Auch andere Apps sammeln Nutzerdaten und geben sie weiter. Aber bei TikTok ist unklar, welchen Zugriff die chinesischen Behörden haben. Die US-Regierung prüft derzeit, wie stark der Einfluss Chinas auf die Nutzerdaten ist.

Das chinesische Unternehmen und TikTok-Besitzer ByteDance versicherten, dass es nicht beeinflusst wird, weder durch ausländische noch die chinesische Regierung.

Man habe bislang keine einzige Löschanfrage von Chinas Behörden bekommen, sagte TikTok-Chef Alex Zhu kürzlich dem Magazin "Der Spiegel". Gleichzeitig gab er zu: Eine wirklich gute Antwort zum Umgang mit politischen Inhalten habe sein Unternehmen nicht.

Zwischen Tanz und Spionage-Vorwurf: Die chinesische Video-App TikTok
Axel Dorloff, ARD Peking
21.01.2020 08:54 Uhr

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