Eine Skipiste in den Bergen in Tirol | Bildquelle: Britta Hejnoss

Corona-Risikogebiet Eiszeit in Tirol

Stand: 15.03.2020 16:37 Uhr

Tausende Urlauber drängeln sich in Fiss an den Skiliften und auf den Pisten, in den Bars herrscht Hochbetrieb. Dann die Nachricht: Tirol ist Risikogebiet. Und plötzlich steht das Leben still.

Von Britta Hejnoß, tagesschau.de, zzt. Fiss/Österreich

Es ist die Nachricht am Donnerstagabend, die alles auf einen Schlag verändert - in dem kleinen Skiort Fiss in Österreich. Vertreter des Tourismus und das Land Tirol hätten gemeinsam eine weitreichende Entscheidung getroffen, heißt es. In ganz Tirol müssten Vorsichtsmaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus umgesetzt werden.

Deshalb würden im gesamten Landesgebiet alle Seilbahnen schließen - und zwar schon am Wochenende. Hotels, Appartments, Privatzimmer sollten am Montag geschlossen werden. Später heißt es dann, dass auch Restaurants und Bars ihre Türen schließen müssten.

Ein Dorf in Tirol | Bildquelle: Britta Hejnoss
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Ein Bild aus besseren Tagen. Inzwischen ist Tirol Corona-Risikogebiet.

Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer, überall sind ratlose und auch entsetzte Gesichter zu sehen. Tausende Urlauber sind verwirrt, es gibt doch gar keinen bestätigten Fall eines Corona-Infizierten in dem sehr beliebten Skigebiet Serfaus-Fiss-Ladis. Und nun soll die Skisaison ganz plötzlich beendet sein?

Einen Tag später erklärt das Robert Koch-Institut Tirol zum Risikogebiet.

Erst Feiern, dann Stille

Eben noch pulsierte das Leben im kleinen Ort Fiss, die Pisten waren voll, Skifahrer drängelten sich auf den Pisten und waren bester Stimmung. In den Après-Ski-Bars standen die Menschen dicht gedrängt nebeneinander - viele verschiedene Nationen, Schweizer, Niederländer, Deutsche, feierten gemeinsam und ausgelassen die Skisaison. Und nun herrscht eine seltsame Stille. Erst allmählich scheint man hier zu begreifen, was diese Verordnung für die Gäste, für die Hoteliers und die Restaurantbetreiber bedeuten könnte.

Eine Lounge im Skigebiet Fiss | Bildquelle: Britta Hejnoss
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Die Feierlaune ist vergangen. Plötzlich dreht sich alles um ein Thema: Corona.

Nur noch ein Thema: Corona

In den Liften geht man plötzlich auf Abstand. Viele beäugen sich gegenseitig misstrauisch. Und wurde eben vor allem über das Skifahren gesprochen, gibt es plötzlich nur noch ein Thema: Corona. Überall hört man dieses Wort.

Die Straßen leeren sich, die Skipisten ebenfalls. Die ersten Gäste reisen ab. Ist es Angst oder eine reine Vorsichtsmaßnahme? Zurück bleiben die verwirrten und auch geschockten Hotel-, Gaststätten- und Liftbetreiber.

"Schwierigste Situation in Nachkriegszeit"

Landeshauptmann Günther Platter wendet sich heute an die Tiroler mit den Worten, das Land befände sich zur Zeit in der schwierigsten Situation, die man in der Nachkriegszeit je hatte. Es sei seine Aufgabe, mit aller Kraft und Konsequenz zu verhindern, dass man Verhältnisse wie in Teilen Italiens bekomme.

Die Regierung in Österreich ordnete für das ganze Land "Ausgangsbeschränkungen" an. Deshalb würden auch Verkehrskontrollen im Land durchgeführt, und es dürfe niemand ohne trifftigen Grund seine Wohnung verlassen, sagte Platter. Ausnahmen seien beruflich notwendige Gründe, die medizinische Versorgung, ein Lebensmitteleinkauf oder die Rückkehr zum eigenen Wohnort. Grenzüberschreitender Zug- und Busverkehr von Deutschland nach Tirol sei zunächst nicht mehr möglich.

Hotelschließungen und Entlassungen

Auch Martin Stanits von der Österreichischen Hoteliervereinigung spricht gegenüber tagesschau.de von einer großen Krise: "In Tirol hängt alles am Tourismus." Nicht nur die Hoteliers und Gaststätten, auch die Verkehrsbetriebe, die Landwirtschaft, die Lebensmittelhändler, alle lebten vom Tourismus.

Stanits sagt, man rechne mit einigen Hotelschließungen. Viele Hotels schrieben gerade mal schwarze Zahlen, hätten aber hohe Kredite abgeschlossen und würden sich an der Grenze der Wirtschaftlichkeit befinden. Die Saison sollte noch bis Ende April gehen. Dass es nun mindestens sechs Wochen keine Einnahmen gäbe, treffe viele Betriebe schwer. Diese Durststrecke könnten sie nicht so leicht auffangen, befürchet Stanits. Viele Hoteliers müssten künftig Mitarbeiter entlassen, dies sei auch jetzt schon geschehen.

Das von Bundeskanzler Kurz angekündigte Hilfspaket in Höhe von vier Milliarden Euro für die gesamte Wirtschaft sei viel zu wenig, das könne die Not der Hoteliers nicht auffangen.

In Tirol steht das Leben still. Und keiner weiß, wie lange.

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