Die US-Kongressabgeordnete Rashida Tlaib während eines Bürgergesprächs in Michigan | Bildquelle: REUTERS

Trotz Erlaubnis Israels Tlaib sagt Reise ins Westjordanland ab

Stand: 16.08.2019 16:40 Uhr

Israels Regierung hatte der US-Abgeordneten Tlaib die Einreise erlaubt. Doch die Politikerin schlägt das Angebot nun aus. Als Grund führt sie angebliche repressive Bedingungen an, die mit dem Besuch verknüpft seien.

Die US-Demokratin Rashida Tlaib will nun doch nicht für einen Familienbesuch in das besetzte Westjordanland reisen. Zuvor hatte ihr Israel die Einreiseerlaubnis allerdings erteilt. "Ich habe entschieden, dass ein Besuch bei meiner Großmutter unter diesen repressiven Bedingungen allem widerspricht, an was ich glaube - dem Kampf gegen Rassismus, Unterdrückung und Ungerechtigkeit", schrieb Tlaib auf Twitter. Ihre Großmutter wolle nicht, dass sie zum Schweigen gebracht und wie eine Kriminelle behandelt werde.

Boykott-Aufruf gegen Israel

Israels Regierung hatte am Donnerstag zunächst angekündigt, Tlaib und ihre Parteikollegin Ilhan Omar aus dem US-Kongress bei einem geplanten Israel-Besuch nicht ins Land zu lassen. Als Begründung nannte die Regierung, dass sich beide im Kongress für Gesetze zum Boykott Israels einsetzten. Der Schritt sorgte für große Empörung unter US-Politikern. Von einem "Zeichen von Schwäche" sprach etwa Nancy Pelosi, Sprecherin des Repräsentantenhauses. Dies werde den Beziehungen beider Länder schaden, klagte der Fraktionsführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer.

Tlaib stellte daraufhin einen Antrag auf Familienbesuch, um ihre betagte Großmutter sehen zu können, die nach Tlaibs Angaben in Beit Ur al-Fauka lebt, einem Dorf westlich von Ramallah. Dies sei vielleicht die letzte Möglichkeit, ihre Großmutter zu besuchen, schrieb sie an Israels Innenminister Arie Deri. "Ich werde jegliche Beschränkungen respektieren und werde während meines Besuchs nicht für Boykotte Israels werben", erklärte sie. Die israelische Regierung gab dem statt und gewährte ihr einen solchen Besuch - "aus humanitären Gründen" wie das Innenministerium mitteilte.

Tlaib ist parteiintern umstritten

Tlaib wurde als Tochter palästinensischer Einwanderer in Detroit geboren. Seit Jahresbeginn sitzt sie für die Demokraten im US-Repräsentantenhaus - als eine der ersten Musliminnen überhaupt. Sie gehört ebenso wie Omar zum linken Flügel der Demokraten, dessen Politik auch innerhalb der Partei umstritten ist.

Die US-Abgeordneten Ilhan Omar, links im Bild, und Rashida Tlaib, im Washingtoner Capitol. | Bildquelle: AP
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Die US-Abgeordneten Ilhan Omar, links im Bild, und Rashida Tlaib, im Washingtoner Capitol.

US-Abgeordnete Rashida Tlaib will trotz Genehmigung Israels nicht in die Westbank
Martina Buttler, ARD Washington
16.08.2019 16:49 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. August 2019 um 16:00 Uhr.

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