Tory-Debatte ohne Johnson | Bildquelle: TIM ANDERSON/HANDOUT/EPA-EFE/REX

TV-Debatte um May-Nachfolge Johnsons Politik des leeren Podiums

Stand: 17.06.2019 04:00 Uhr

Bei einer Fernsehdebatte mehrerer Kandidaten für den Vorsitz der Konservativen Partei im Vereinigten Königreich überstrahlt der Brexit alles. Ausgerechnet Favorit Boris Johnson schwänzt den Termin.

Von Sven Weingärtner, ARD-Studio London

Wer wird Großbritanniens nächster Premierminister? Diese Frage beschäftigt das Land, seitdem Theresa May Ende Mai ihren Rücktritt bekannt gegeben hat. Sechs Kandidaten aus der konservativen Partei sind noch im Rennen um ihre Nachfolge, fünf waren der Einladung zur TV-Debatte gefolgt.

Ausgerechnet der Platz des derzeitigen Favoriten blieb leer. Der frühere Bürgermeister Londons und Ex-Außenminister Boris Johnson war der Meinung, dass die Öffentlichkeit zuletzt schon genug innerparteiliche Auseinandersetzungen gesehen habe. 

Viel mehr solcher Auseinandersetzungen müsse es nicht geben, erklärte Boris Johnson im Vorfeld. Das sahen seine Mitbewerber anders - und natürlich war Johnsons Nichterscheinen eine Steilvorlage für Angriffe auf ihn.

Rory Stewart auf dem Weg zur TV-Debatte | Bildquelle: dpa
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Rory Stewart auf dem Weg zur TV-Debatte

Der Brexit überstrahlt alles

Außenminister Jeremy Hunt stellte die Frage in den Raum, wie sein Amtsvorgänger mit den Vertretern von 27-EU-Ländern verhandeln wolle, wenn er nicht mal mit fünf Leuten der eigenen Partei rede. 

Das beherrschende Thema der Sendung war - auch ohne Boris Johnson - der Brexit. Alle Kandidaten wollen ihn - nur über das Wie gab es unterschiedliche Ansichten.

Der Kurzzeit-Brexit-Minister Dominic Raab gab sich als Hardliner. Er werde den Brexit zum 31. Oktober dieses Jahres vollziehen - egal, ob mit oder ohne Deal. Dass es für das Szenario no deal keinen Plan gab und gibt, sei ein großer Fehler, findet Innenminister Sajid Javid.

Umweltminister Michael Gove hofft auf weitere Zugeständnisse der EU, würde sich im Zweifel aber für den Brexit entscheiden. Und auch Außenminister Hunt glaubt, er könne das 550-seitige Dokument über den Ausstieg Großbritanniens aus der EU noch mal neu verhandeln.

Außenseiter Stewart bekommt Zuspruch

Entwicklungshilfeminister Rory Stewart ist da anderer Ansicht. Er sagt, es werde keinen neuen Deal mit der EU geben. Das sei die Wahrheit, wie er sie sehe - und niemand dürfe Versprechen machen, die nicht gehalten werden könnten. Er wolle Großbritannien wieder zu einem Land machen, das auf Ehrlichkeit und Vertrauen basiert.

Stewart war vor der TV-Debatte derjenige, der von den verbliebenen Kandidaten bisher die wenigsten Unterstützer in seiner eigenen Partei hatte. Vom Fernsehpublikum, aber auch in sozialen Netzwerken bekam er den meisten Zuspruch.  

Wie sehr ihm und den anderen Bewerbern die Sendung im Rennen um den Parteivorsitz der Konservativen und damit auch den Job des britischen Premierministers geholfen hat, zeigt sich schon am morgigen Dienstag. Dann geben - wieder in geheimer Wahl - die Abgeordneten der Konservativen zum zweiten Mal ihre Stimme für ihren Favoriten ab.

Und morgen Abend gibt es dann eine weitere Fernsehdebatte. Und diesmal will auch Boris Johnson dabei sein. 

May-Nachfolge-Kandidaten im Fernsehen
Sven Weingärtner, ARD London
17.06.2019 08:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in den Nachrichten am 17. Juni 2019 um 06:00 Uhr.

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