Leerer Badeort am Roten Meer | Bildquelle: Anne Allmeling

Ägypten wirbt um Touristen "Sehr gesundes Wetter"

Stand: 01.07.2020 09:03 Uhr

Geschlossene Hotels, leere Strände, verwaiste Cafés - in den Badeorten am Roten Meer war es drei Monate lang ungewöhnlich still. Heute öffnet Ägypten die Flughäfen wieder. Die Regierung wirbt um Touristen.

Von Anne Allmeling, ARD-Studio Kairo

Die Kinder planschen im Wasser, die Eltern albern am Strand herum: ausgelassene Stimmung im Badeort Hurghada. Iman Samir strahlt vor Glück: endlich Urlaub! "Das Meer ist wunderschön. Wir haben zwar auch in Suez viele Swimming Pools, aber das Meer und die Atmosphäre hier in Hurghada sind einzigartig! Unmöglich, dass wir nach Hurghada kommen und nicht sofort ins Wasser gehen!" Iman ist mit ihrem Mann, ihren Kindern und Freunden aus der ägyptischen Stadt Suez angereist. Den Strand in Hurghada haben sie ganz für sich.

Strenge Regeln in den Hotels

Wegen der Corona-Krise gibt es kaum ausländische Touristen. Und die, die trotzdem kommen, haben jede Menge Platz: "In Hurghada leben nur wenige Menschen, es gibt viel Raum, Social Distancing ist kein Problem, und die Hotels halten sich an die sehr strengen Vorgaben des Tourismus-Ministeriums: Sie dürfen maximal zur Hälfte ausgelastet sein. Jedes Zimmer wird nach dem Check-Out zwei Tage lang gelüftet und desinfiziert - das gibt den Gästen Sicherheit", sagt Ali El Halawani, Geschäftsführer des Hotels Palm Beach. Er hofft, dass die Gäste aus dem Ausland bald ans Rote Meer zurückkehren.

Leerer Badeort am Roten Meer
galerie

Ein leerer Badeort am Roten Meer.

RKI listet Ägypten als Risikogebiet

Drei Monate war der ägyptische Luftraum für Passagierflüge geschlossen; jetzt dürfen die Airlines aus aller Welt wieder landen. Auch die Lufthansa Group nimmt im Juli ihren regulären Flugbetrieb nach Ägypten wieder auf. Doch das Robert Koch-Institut stuft das Land am Nil weiterhin als Risikogebiet ein. Das Auswärtige Amt warnt vor touristischen Reisen dorthin. Die Gesundheitseinrichtungen in Ägypten seien stark belastet, heißt es auf der Website des Ministeriums.

Im Nil-Krankenhaus, einer privaten Klinik in Hurghada, liegt ein alter, gebrechlicher Mann auf einem schmalen Krankenbett. Mehrere Pfleger kümmern sich um den Patienten. Er hat Probleme mit dem Herzen. Darauf ist das Krankenhaus spezialisiert. Corona-Infizierte gebe es hier nicht, sagt Reda Naggar, Arzt und Vorstandsvorsitzender der Klinik. Positiv getestete Patienten würden in ein staatliches Krankenhaus überwiesen und dort behandelt. "Natürlich können unsere Krankenhäuser und ihre Ausstattung nicht mit denen in Europa verglichen werden. Niemand kann das behaupten. Der Staat selbst gibt zu, dass wir ein Problem haben. Aber dieses Problem ist rein finanzieller Natur."

Naggar hofft vor allem, dass künftig alle Ägypter eine Krankenversicherung bekommen und dass Patienten auch außerhalb der Großstädte operiert werden können.

Eingang des Nil Krankenhauses | Bildquelle: Anne Allmeling
galerie

Im Nil-Krankenhaus gibt es derzeit keine Corona-Patienten.

Weniger als 70.000 Infizierte

Mit dem Corona-Virus haben sich offiziellen Angaben zufolge weniger als 70.000 Menschen infiziert; weniger als 3000 Menschen sind daran gestorben - in einem Land mit mehr als 100 Millionen Einwohnern. Doch täglich infizieren sich weitere Menschen. Die ägyptische Regierung hat schon vor Wochen klar gemacht: Wer den offiziellen Zahlen widerspricht, muss mit Geld- und Haftstrafen rechnen.

Dem ARD-Studio Kairo gegenüber verteidigt Tourismusminister El-Enany die Entscheidung, wieder Touristen ins Land zu lassen: "Die Zahlen steigen vor allem im Niltal, in Kairo und in Gizeh. Wir öffnen aber nur die drei touristischen Provinzen Südsinai, Rotes Meer und Matruh. Dort gibt es nur wenige Einwohner und die niedrigsten Infektionszahlen in Ägypten. Das sind alles Resorts mit offenem Gelände, sonnigen Stränden, sehr warm - also sehr gesundes Wetter."

Händler tragen kaum Mundschutz

"Drei Masken für zehn Pfund", ruft einer der Verkäufer auf dem Markt in einem Wohngebiet in Hurghada - aber das ist nur ein Witz. Wie die meisten Händler trägt er keine Maske und verkauft auch keine: "Manche hier haben Angst und manche verlassen sich auf Gott."

Ein Mann verkauft Gemüse auf einem Markt in Ägypten
galerie

Ein Mann verkauft Gemüse auf dem Markt - Mundschutz tragen die meisten nicht.

Der junge Mann bietet Tomaten, Gurken, Auberginen, Zwiebeln und Kartoffeln an. Viele seiner Kunden haben eine Maske über ihr Gesicht gezogen, wie Umm Ashraf: "Ich trage eine Maske wegen Corona. Alle haben Angst davor. Es gibt hier viele Fälle. Ich gehe nur einmal in der Woche raus. Ich kaufe die Dinge, die ich brauche und kehre wieder ins Haus zurück. Jede Woche gehe ich einmal einkaufen, das war’s."

Korallenriffe erholen sich, mehr Delfine

Viele Ägypter versuchen, Menschenmengen zu vermeiden. In Hurghada ist das zurzeit leichter als sonst, denn der Massentourismus macht noch Pause. Für Tauchlehrer Ehab Diftar bedeutet das enorme finanzielle Einbußen - aber er sieht auch eine positive Entwicklung: "Weniger Schifffahrten bedeuten auch weniger Umweltverschmutzung, und das heißt: Die Korallenriffe beginnen, sich zu erholen. Außerdem steigt die Zahl der Delfine. Und seit einigen Tagen sehen wir auch ein paar Wale, die früher nur selten zu sehen waren. Die Ruhe führt dazu, dass sich das Meer und die Lebewesen erholen."

Erholung suchen auch Iman und ihre Freunde aus Suez. Gerade jetzt sei die Zeit perfekt, um nach Hurghada zu reisen: "Offen gestanden gibt es keinen besseren Ort als Hurghada. Es gibt zwar auch andere schöne Plätze auf der Welt, aber Ägypten und Hurghada sind etwas ganz Besonderes. Hier ist es so erholsam - und die Seele findet Frieden."

Ägypten wirbt um Touristen
Anne Allmeling, ARD Kairo
01.07.2020 08:19 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. Juli 2020 um 15:10 Uhr.

Korrespondentin

Darstellung: