US-Soldaten machen sich in Kundus zum Abflug in einem Hubschrauber vom Typ UH-60 Blackhawk bereit. | Bildquelle: dpa

US-Soldaten in Afghanistan Teilabzug - und eine Warnung

Stand: 30.08.2019 09:38 Uhr

Die USA planen eine Verringerung der Zahl ihrer Soldaten in Afghanistan. Das Land käme einer Vereinbarung mit den Taliban näher, sagte Präsident Trump. Dennoch werde man präsent bleiben.

Von Bernd Musch-Borowska , ARD-Studio Neu-Delhi

Während sich die Gespräche zwischen den USA und den Taliban in Doha dem Ende neigen und eine Einigung bevorzustehen scheint, ist ein Teilabzug der US-Truppen aus Afghanistan offenbar beschlossene Sache. 8600 US-Soldaten würden in Afghanistan bleiben, sagte US-Präsident Donald Trump in einem Radiointerview mit Fox-News. Bislang sind noch rund 14.000 Mann der US-Streitkräfte und Spezialeinheiten am Hindukusch stationiert.

"Wir werden dort präsent bleiben, aber wir werden unsere Präsenz deutlich reduzieren", sagte Trump. "Aber wir werden auf jeden Fall unseren Geheimdienst dort lassen. Und wie ich schon früher gesagt habe, wenn die uns nochmal etwas von Afghanistan aus antun, dann kommen wir zurück mit einer nie zuvor dagewesenen Stärke."

Mit Blick auf die Gespräche zwischen den USA und den Taliban in Doha sagte Trump, man komme einem Abschluss näher. Er könne aber nicht sagen, ob es am Ende eine Einigung geben werde.

"Innerafghanischen Dialog in Gang bringen"

Auch der Oberkommandierende der US-Streitkräfte, General Joseph Dunford, sagte, dass die USA weiter ein Auge auf Afghanistan haben würden. Die künftige Präsenz der US-Truppen hänge von der Entwicklung der Sicherheitslage ab.

"Ich glaube, wir brauchen eine Unterbrechung des Status quo", sagte Dunford. "Eine Vereinbarung mit den Taliban könnte einen innerafghanischen Dialog in Gang bringen, der möglicherweise die Gewalt im Land reduziert". Es sei einen Versuch wert. "Nach unserer Einschätzung brauchen die afghanischen Streitkräfte unsere Hilfe, um mit dem derzeitigen Gewaltpotential fertig zu werden." Wenn aber nach einer Vereinbarung mit den Taliban die Gewalt abnehme, könnten die USA auch ihre Position verändern.

Ein Teilabzug der US-Truppen hat möglicherweise Auswirkungen auf die Präsenz der anderen internationalen Streitkräfte in Afghanistan. Die Bundeswehr ist derzeit noch mit bis zu 1300 Soldaten an der Ausbildungs- und Unterstützungsmission "Resolute Support" beteiligt.

Präsidentschaftswahlen stehen infrage

Die Aussicht auf eine baldige Einigung mit den Taliban wirft einen Schatten auf die Zukunft der demokratischen Strukturen in Afghanistan. Insbesondere die für den 28. September geplanten Präsidentschaftswahlen stehen infrage. Der aussichtsreichste Herausforderer von Präsident Ashraf Ghani, Regierungschef Abdullah Abdullah, sagte, er würde seine Kandidatur zurückziehen, wenn es dafür ein Friedensabkommen gebe. Der Frieden habe Vorrang, bekräftige Abdullah, der offiziell den Titel Geschäftsführer der Regierung trägt.

Die Taliban lehnen die geplanten Wahlen ab und drohten mit Anschlägen auf Wahlkampfveranstaltungen und Wahllokale. Afghanische Menschenrechtsaktivisten befürchten, dass bei einer Rückkehr der Taliban an die Macht, die demokratischen Errungenschaften der vergangenen Jahre und die Freiheiten - insbesondere die Freiheit der Frauen - gefährdet sein könnten.

Teilabzug der US-Truppen aus Afghanistan
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
30.08.2019 08:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. August 2019 um 06:09 Uhr.

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