Donald Trump | Bildquelle: LEIGH VOGEL/POOL/EPA-EFE/REX

Handelskrieg mit China Trump kontert mit neuen Zöllen

Stand: 24.08.2019 08:13 Uhr

Die Reaktion von US-Präsident Trump auf Chinas Ankündigung, weitere Zölle auf US-Waren einzuführen, kam prompt: In wütenden Tweets kündigte er an, ebenfalls weiter an der Zollschraube zu drehen.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

Selbst für Dauer-Twitterer Donald Trump war dieser Freitag ein geschäftiger: Nur Minuten nachdem die chinesische Regierung weitere Sonderzölle auf US-Güter im Wert von 75 Milliarden Dollar verkündet hatte, begann die Tirade des Präsidenten: Seit Jahrzehnten beklaue China die USA. Das müsse und werde nun endlich ein Ende haben.

Und der US-Präsident befahl: "Unsere großartigen amerikanischen Firmen sind hiermit angewiesen, sofort nach einer Alternative für China zu suchen. Bringt eure Produktionsstätten nach Hause und macht eure Produkte in den USA."

Die Börse reagierte prompt: Der Dow Jones verlor binnen Minuten über 300 Punkte, bis zum Ende eines turbulenten Tages waren es sogar über 600 Punkte oder 2,3 Prozent.

Kritik aus der Wirtschaft

Und auch die US-Wirtschaft konterte: Der US-Einzelhandelsverband erklärte, Trumps Forderung, sich aus China zurückzuziehen, sei schlicht unrealistisch. Die Handelswege seien so breit gefächert, dass es Jahre dauern und sehr teuer werde, sich komplett aus China zurückzuziehen. Die US-Handelskammer ergänzte, dass man bei aller Frustration über China nicht einen Markt von 1,4 Milliarden Konsumenten ignorieren könne. Das sei schlecht für Märkte, Investoren und Arbeitsplätze.

Zumal der US-Präsident gar nicht die Befugnisse habe, den US-Firmen vorzuschreiben, wo sie produzieren und Handel treiben, so der demokratische US-Kongressabgeordnete Gerry Connolly bei CNN: "Dieser Präsident ist überaus fähig zu großem Selbstbetrug. Aber diese Macht hat er nicht. Allerdings hat er sehr wohl die Macht, die Märkte nervös zu machen. Und das haben wir heute erlebt."

Neue US-Sonderzölle

Mit seiner nächsten Twitter-Tirade wartete Trump bis nach Börsenschluss. Dann verkündete der Präsident, die bereits angekündigten Zölle über chinesische Waren im Wert von insgesamt 550 Milliarden Dollar noch einmal um fünf Prozent zu erhöhen. Dabei hatte die US-Regierung die Zölle auf chinesische Güter erst vergangene Woche abgemildert, um den US-Konsumenten das Weihnachtsfest nicht durch höhere Preise für Smartphones und Laptops zu verderben, wie Trump selbst einräumte.

Die Zölle für solche Waren sollen zwar weiter erst ab 1. Dezember gelten - aber dafür mit 15 statt zehn Prozent deutlich höher ausfallen. Für andere chinesische Produkte beträgt der Zoll-Satz künftig sogar 30 Prozent. Trumps wichtigster Wirtschaftsberater Peter Navarro erklärte den Sinneswandel bei CNN so: "Wenn China so reagiert, dann verstärken sie nur die Entschlossenheit dieses Präsidenten."

Produzenten alarmiert

Demokrat Connolly deutete Trumps Verhalten anders: "Ich glaube, er macht sich Sorgen, dass sein einzige Ass im Ärmel, das Wirtschaftswachstum, doch kein so großes Ass ist. Schließlich sehen wir gerade alle Zeichen für einen Abschwung."

Bei US-Wirtschaftsvertretern wächst die Sorge, ob der Präsident je den versprochenen Deal mit China hinbekommen wird. Die chinesischen Zölle auf US-Waren könnten auch deutsche Autobauer treffen. BMW beispielsweise baut in Louisiana Autos für den chinesischen Markt. Und auch die US-Farmer sind alarmiert. Die angekündigten chinesischen Zölle auf US-Rindfleisch, Soja und Weizen würden ihnen das Leben schwerer machen, erklärte der Landwirtschaftsverband American Farm Bureau. Und jede Form der Vergeltung erst recht.

Trump erhöht Zölle auf chinesische Waren
Julia Kastein, ARD Washington
24.08.2019 07:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 24. August 2019 um 08:00 Uhr.

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