US-Präsident Trump  | Bildquelle: Andrew Harrer/POOL/EPA-EFE/REX

Trump zum Handelsstreit US-Firmen sollen China verlassen

Stand: 23.08.2019 20:59 Uhr

In einer Serie verärgerter Tweets hat US-Präsident Trump China angegriffen. Er wies US-Unternehmen an, sich nach alternativen Standorten umzusehen. Seiner Meinung nach gibt es aber auch Feinde im eigenen Land.

Kurz nach der Ankündigung neuer chinesischer Strafzölle setzt Präsident Donald Trump US-Unternehmen unter Druck. "Wir brauchen China nicht und offen gesagt würde es uns ohne sie sehr viel besser gehen", twitterte er. Er ordne an, dass amerikanische Firmen sich um Alternativen zu China bemühten. Eine Möglichkeit sei, Produktion zurück in die Vereinigten Staaten zu verlegen. China "bestehle" die USA seit Jahrzehnten. Dies müsse und dies werde aufhören.

Der US-Präsident kann Unternehmen nicht dazu zwingen, China zu verlassen. Er könnte allerdings Unternehmen fördern, die Standorte und Arbeitsplätze zurück in die USA verlegen.

Der Wirtschaftsverband National Retail Federation der Einzelhändler reagierte ablehnend auf den Vorstoß. Der Aufruf sei "unrealistisch". Ein Sprecher verwies darauf, dass 95 Prozent der Verbraucher auf der Welt außerhalb der USA leben. Die Präsenz der US-Unternehmen in China erlaube es nicht nur, dort Kunden zu bedienen, sondern auch in anderen Märkten in Übersee.

Welche US-Strafmaßnahmen folgen?

Im Handelskonflikt der beiden Länder ist eine weitere Eskalation damit wahrscheinlich. Trump kündigte für den Nachmittag (Ortszeit, abends MESZ) eine Reaktion an - vermutlich neue Strafzölle oder das Ende für derzeit geltende Ausnahmen auf zahlreiche Konsumgüter aus China.

Das chinesische Handelsministerium hatte kurz zuvor Zölle in Höhe von fünf bis zehn Prozent auf US-Waren mit einem Volumen von 75 Milliarden US-Dollar angekündigt. Die Abgaben sollen rund 5000 Produkte betreffen und in zwei Schritten - am 1. September und 15. Dezember - in Kraft treten. Peking hatte bereits Mitte August Gegenmaßnahmen angekündigt, jedoch keine Einzelheiten genannt.

Der Feind in der Notenbank

Trump verschärfte nach einer mit Spannung erwarteten Rede von US-Notenbank-Chef Jerome Powell seine Kritik am obersten Währungshüter der USA. "Meine einzige Frage lautet, wer ist unser größerer Feind, Jay Powell oder der Vorsitzende Xi?" Die Notenbank habe wie üblich "NICHTS" getan, schrieb der US-Präsident bei Twitter.

Es ist nicht die erste Attacke auf die Notenbank Fed oder Powell. Ende November 2018 bezeichnete Trump die Bank in einem Interview mit der "Washington Post" bereits als "größeres Problem als China". Bisher mache ihm die Berufung Powells - den er 2017 selbst vorgeschlagen hatte - nicht "einmal ein kleines bisschen glücklich".

Powell sieht viele Risiken

US-Notenbankchef Jerome Powell | Bildquelle: AP
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Muss viel Druck aus dem Weißen Haus ertragen: Fed-Chef Powell

Bei einer Notenbank-Konferenz hatte Powell zwar von einer allgemein weiterhin guten Entwicklung der US-Wirtschaft gesprochen, allerdings auch mehrere Risiken aufgezählt. Viele dieser Risiken hingen mit den Handelskonflikten mit China und anderen Ländern zusammen.

Der Fed-Chef stellte in Aussicht, dass die Notenbank angemessen handeln werde, um den Konjunkturaufschwung zu stützen. Dies ging Trump offenbar nicht weit genug.

Druck auf die Fed

Die Notenbank befindet sich in einer schwierigen Lage. Trump setzt das politisch unabhängige Institut schon seit langem unter Druck. Er fordert eine lockere Geldpolitik mit Zinssenkungen.

Die Notenbank hatte Ende Juli erstmals seit der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren ihren Leitzins um einen Viertelpunkt auf 2,00 bis 2,25 Prozent gesenkt.

Fed-Chef Powell kritisiert Handleskonflikte - Trump verärgert
Martin Ganslmeier, ARD Washington
23.08.2019 19:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 23. August 2019 um 18:15 Uhr.

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