Donald Trump | Bildquelle: AP

Video-Tweet des Präsidenten Trump schlägt CNN ins Gesicht

Stand: 03.07.2017 06:47 Uhr

Es ist ein neuer Tiefpunkt im Streit des Präsidenten mit US-Medien: Auf Twitter veröffentlichte Trump ein Video, das ihn bei einem Angriff auf einen Mann mit CNN-Logo zeigt. Der Nachrichtensender sprach von "kindischem Benehmen", Trump von "modernem Auftreten".

US-Präsident Trump hat bekanntermaßen ein gespanntes Verhältnis zu einem Teil der US-Medien, denen er vorwirft, ihm feindselig gegenüberzustehen. Seit einiger Zeit eskaliert der Streit. Zu seinen erklärten Hauptfeinden gehört der Nachrichtensender CNN, den der Präsident nur noch FNN - "Fake News Network" - nennt.

Nun twitterte er ein Video, das ihn bei einem Faustkampf gegen einen Mann zeigt, auf dessen Kopf das CNN-Logo prangt. Das Logo scheint auf den Kopf von Vince McMahon montiert worden zu sein, dem Präsidenten des Unternehmens World Wrestling Entertainment (WWE) - der in dem Video von Trump malträtiert wird. Nach Angaben des "Washington Examiner" stammt das Video aus dem Jahr 2007, als sich Trump bei der Wrestling-Veranstaltung unter dem Motto "Battle of the Billionaires" (Schlacht der Milliardäre) zeigte. Dabei sei am Rande des Ringes die Faustattacke auf McMahon inszeniert worden.

Wer das Video produzierte, ist nicht klar. Es wurde über das offizielle Twitter-Konto Trumps verbreitet. Bereits nach zwölf Stunden gab es dafür rund 392.000 "Likes" - das ist selbst für Trump viel.

"Ein trauriger Tag"

CNN reagierte bestürzt auf das Video. "Es ist ein trauriger Tag, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten Gewalt gegen Reporter anregt", sagte ein Sprecher. Offenbar habe die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, vergangene Woche gelogen, als sie gesagt habe, Trump fördere in keiner Weise die Anwendung von Gewalt.

Solch kindisches Benehmen würdige sein Amt herab, sagte der CNN-Sprecher. "Wir werden weiter unseren Job machen. Er sollte damit anfangen, seinen zu machen."

"Niemand wird das als Drohung empfinden"

Trumps Berater für Heimatschutz, Thomas Bossert, verteidigte das Video bei ABC: "Niemand wird das als Drohung empfinden. Ich hoffe es nicht. Aber ich denke, Trump wird so sehr im Kabelfernsehen angegriffen, dass er ein Recht hat, auch darauf zu reagieren."

Doch auch aus den eigenen Reihen erntet der Präsident Kritik. Beispielsweise vom republikanischen Senator Ben Sasse aus Nebraska: "Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen schlechter Berichterstattung und dem Versuch, Misstrauen zu einer Waffe zu machen."

Auch die ehemalige Beraterin des Republikaners Jeb Bush und heutige CNN-Kommentatorin Ana Navarro findet deutliche Worte für Trumps jüngste Twitter-Tirade: "Das geht viel zu weit. Der US-Präsident stachelt zur Gewalt gegen die freie Presse an. In den USA können wir nicht hinter so etwas stehen."

Trump selbst reagierte auf die Kritik, sein Auftreten in den sozialen Medien sei nicht präsidentiell, mit einer einfach Antwort: Das sei das moderne Auftreten eines Präsidenten. Auch sein Berater Bossert unterstrich diese Sichtweise nochmals: "Er ist ein authentischer Präsident, der sich aufrichtig ausdrückt. Er ist unverstellt und die Leute sehen ihn, verstehen ihn und können sich mit ihm identifizieren."

NBC-Moderatoren beleidigt

Trump hatte in den vergangenen Tagen über Twitter mehrfach zwei Moderatoren des Senders NBC, dessen Leitung und auch CNN angegriffen. Vor der Verbreitung des Videos hatte Trump getwittert, er denke daran, den von ihm bisher verwendeten Namen #FakeNewsCNN in #FraudNewsCNN umzuwandeln.

Fraud heißt übersetzt Betrug. Trump bezog sich anscheinend darauf, dass CNN kürzlich einen Bericht zurückgezogen und sich dafür entschuldigt hatte. In dem Text hatte es geheißen, ein Senatsausschuss untersuche Verbindungen zwischen einer russischen Bank und einem engen Trump-Verbündeten.

Mit Informationen von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. Juli 2017 um 19:00 Uhr.

Darstellung: