Veranstaltung im Rosengarten des Weißen Hauses mit Donald Trump anlässlich der Nominierung Amy Coney Barretts | Bildquelle: dpa

Corona im Trump-Umfeld Ansteckungen im Rosengarten?

Stand: 03.10.2020 18:26 Uhr

Dicht an dicht saßen vergangenen Samstag die Gäste von US-Präsident Trump im Rosengarten des Weißen Hauses - jetzt sind neben dem Gastgeber mehrere von ihnen infiziert. Trumps Ärzte zeigen sich mit seinem Zustand "extrem" zufrieden.

Nach der Coronavirus-Infektion von US-Präsident Donald Trump werden immer mehr Ansteckungen in seinem Umfeld bekannt. Auch sein Wahlkampfchef Bill Stepien wurde positiv auf das Virus getestet.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht eine Veranstaltung mit dem Präsidenten, bei denen viele der nun Infizierten waren: die Vorstellung der konservativen Juristin Amy Coney Barrett als Kandidatin für den freien Posten am Supreme Court am Samstag vor einer Woche im Rosengarten des Weißen Hauses. Dort versammelten sich auf engem Raum mehr als 100 Menschen. Auf Fotos und Videos ist zu sehen, dass wenige Masken trugen oder Abstand hielten. Teilnehmer umarmten sich oder schüttelten sich die Hände.

US-Justizminister Barr und Ex-Präsidentenberaterin Conway | Bildquelle: AP
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Ex-Trump-Beraterin Conway wurde positiv getestet - hier redet sie am vergangenen Samstag im Rosengarten mit US-Justizminister Barr.

Der ehemalige Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, auf der Veranstaltung im Weißen Haus | Bildquelle: AP
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Weitere Szene aus dem Rosengarten: New Jerseys Ex-Gouverneur und Trump Berater Chris Christie (Mitte vorn) im Gespräch mit anderen Gästen - auch er wurde positiv getestet.

Hochrangige Teilnehmer infiziert

Bei mehreren Teilnehmern fielen seitdem Corona-Tests positiv aus: Neben dem Präsidenten und First Lady Melania Trump sind das die frühere Trump-Beraterin Kellyanne Conway, Trump-Berater Chris Christie, die Senatoren Mike Lee und Thom Tillis, der Präsident der katholischen Universität Notre Dame, John Jenkins, und ein Reporter.

Die Nachbesetzung des Richterpostens durch Barrett soll trotzdem planmäßig laufen. Der US-Senat stellte seinen Betrieb allerdings wegen der Infektion der Senatoren bis zum 19. Oktober ein.

Die Vereinigung der Korrespondenten im Weißen Haus teilte mit, neben dem Reporter, der bei der Veranstaltung im Rosengarten war, seien am Freitag zwei weitere Journalisten positiv getestet worden. Einer davon sei am Sonntag vor einer Woche bei einer Trump-Pressekonferenz gewesen, der andere habe zum Tross der mitreisenden Reporter bei einem Wahlkampfauftritt des Präsidenten am Tag zuvor gehört.

Auch die Vorbereitung des TV-Duells im Fokus

Weitere nun Infizierte haben US-Medienberichten zufolge an der Vorbereitung Trumps für die TV-Debatte des Republikaners mit seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden am Dienstag teilgenommen. Beteiligt an der Vorbereitung war neben Conway und Stepien auch die enge Trump-Beraterin Hope Hicks, deren Infektion Trump am Donnerstagabend öffentlich machte, bevor sein eigenes positives Testergebnis bekannt wurde.

Auch der infizierte Trump-Berater Christie nahm an den Vorbereitungen teil. Der ehemalige Gouverneur von New Jersey sagte dem Sender ABC, niemand im Raum habe Masken getragen, fünf oder sechs Menschen seien anwesend gewesen.

Trumps demokratischer Herausforderer Joe Biden wurde nach dem TV-Duell negativ getestet.

Auch die republikanische Parteivorsitzende Ronna McDaniel hat sich mit dem Virus angesteckt. Nach Angaben der Partei erhielt sie bereits am Mittwoch ein positives Testergebnis. Die "New York Times" berichtete, McDaniel sei zuletzt am Freitag vor einer guten Woche mit Trump zusammengetroffen.

US-Präsident Trump wegen Corona-Infektion in Krankenhaus gebracht
tagesschau 20:00 Uhr, 03.10.2020, Jan Philipp Burgard, ARD Washington

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Trump weiter im Militärkrankenhaus

Trump wird im Militärkrankenhaus Walter Reed in Bethesda nördlich von Washington behandelt. Er schrieb auf Twitter aus der Klinik: "Es läuft gut, denke ich! Ich danke euch allen. Liebe!!!"

Seine Ärzte zeigten sich am Samstagmittag (Ortszeit) "extrem" zufrieden mit seinem Krankheitsverlauf. Trump sei seit 24 Stunden fieberfrei, habe keine Atemnot und erhalte keinen Sauerstoff, sagten sie in einer von seinem Leibarzt Sean Conley geleiteten Pressekonferenz. Trump habe erklärt, er fühle sich gut genug, um aus dem Krankenhaus herauszuspazieren. Einen Zeitpunkt für eine Entlassung des 74-Jährigen nannten die Ärzte nicht.

Die Nachrichtenagentur AP erfuhr laut eigenen Angaben von einer Quelle, einige Gesundheitswerte des Präsidenten seien gestern "sehr besorgniserregend" gewesen. Seit der Ankunft im Krankenhaus gehe es ihm besser.

Trump war am Freitagabend (Ortszeit) ins Krankenhaus geflogen worden. Das Weiße Haus sprach von einer Vorsichtsmaßnahme auf Empfehlung der Ärzte. Die Infektion zwingt den 74-Jährigen dazu, einen Monat vor der Wahl den Wahlkampf auszusetzen.

Wahlkampfveranstaltungen verschoben

Stepien hatte am Freitag mitgeteilt, alle Veranstaltungen, bei denen der Präsident persönlich auftreten sollte, würden verschoben oder nur online stattfinden. Unklar ist, ob der Republikaner an der nächste TV-Debatte mit seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden teilnehmen kann, die für den 15. Oktober geplant ist. Biden setzt seinen Wahlkampf fort.

Wie lange Trump im Krankenhaus bleiben muss, ist unklar. Das Weiße Haus sprach am Freitag von ein paar Tagen und betonte, Trump werde von Büroräumen des Präsidenten in dem Militärkrankenhaus aus arbeiten.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) wird Remdesivir gemäß Zulassung in der EU über insgesamt fünf bis maximal zehn Tage verabreicht. Eine engmaschige Überwachung sei notwendig. Mediziner sehen Remdesivir, das ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelt wurde, nicht als Allheilmittel bei einer Covid-19-Erkrankung, oft aber als hilfreich. Nach Angaben des Herstellers kann es das Sterberisiko bei einem schweren Verlauf der Corona-Krankheit Covid-19 deutlich vermindern.

Trump auf einer Wahlkampfveranstaltung in Minnesota | Bildquelle: AP
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Trump am vergangenen Mittwoch auf einer Wahlkampfveranstaltung in Minnesota.

Auftritte vor Massenpublikum

Ungeachtet der Coronavirus-Pandemie hatte Trump in den vergangenen Wochen Wahlkampfauftritte teils vor Tausenden Anhängern absolviert, bei denen er stets ohne Maske auftrat. Unklar war am Freitag, wie konsequent nun die Kontaktverfolgung erfolgt.

In US-Medien gab es Kritik. Für Aufsehen sorgte etwa die Entscheidung, am Donnerstagnachmittag noch zu einem Treffen mit Spendern in New Jersey zu reisen, nachdem im Weißen Haus bereits der positive Test von Trumps Beraterin Hicks bekannt war. Auch am Mittwoch hatte sich Trump im Bundesstaat Minnesota mit Spendern getroffen.

Trump kommt ins Krankenhaus, Biden macht weiter Wahlkampf
Nicole Markwald, ARD Los Angeles, zzt. Washington
03.10.2020 10:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Oktober 2020 um 17:35 Uhr.

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