Donald Trump | Bildquelle: AP

Kritik an Trump-Rede "Ein Desaster für die Konferenz"

Stand: 21.01.2020 15:54 Uhr

US-Präsident Trump hat in Davos eine Rede voller Eigenlob gehalten. Zum Klimawandel - einem der Hauptthemen der Tagung - hatte er allerdings wenig zu sagen. Und selbst was er sagte, sorgte für Kritik.

Niedrige Arbeitslosenzahlen, wegweisende Handelsabkommen, eine "spektakuläre" Entwicklung der Wirtschaft: Bei seiner Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos hat US-Präsident Donald Trump ausführlich die Errungenschaften der eigenen Regierung gelobt. Sehr viel weniger Aufmerksamkeit widmete er dagegen dem Klimawandel - eines der Hauptthemen der Konferenz, das bei der Rede des US-Präsidenten zur Randnotiz verkam.

Zwar versprach Trump, die USA würden sich an der Initiative des Weltwirtschaftsforums zur Pflanzung von weltweit einer Billion Bäumen beteiligen. Ohne das Wort Klimawandel in den Mund zu nehmen sagte er aber auch: "Wir müssen die ewigen Propheten des Untergangs und ihre Vorhersagen der Apokalypse ablehnen." Die Schwarzseher hätten früher auch eine Katastrophe durch Überbevölkerung vorhergesagt, dann massive Hungerkrisen oder schlicht das Ende der Welt. Doch Innovationen und Fortschritt hätten auch diese Warnungen entkräftet, so Trump. Er vertraue auf die Umwelt.

Weltwirtschaftsforum beginnt mit Aufrufen zu mehr Klimaschutz
tagesschau 20:00 Uhr, 21.01.2020, Wolfgang Wanner, ARD Genf

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"Absolut null über den Klimawandel" gesagt

Der Nobelpreisträger und Wirtschaftswissenschaftler Joseph Stiglitz äußerte sich nach der Rede enttäuscht über Trumps Auftritt: "Er hat es geschafft, absolut null über den Klimawandel zu sagen. Wir werden derweil gegrillt."

Grünen-Chef Robert Habeck kritisierte Trumps Rede als "ein Desaster für die Konferenz". Nach dem Auftritt des US-Präsidenten sei noch klarer zu sehen, dass die Richtung gewechselt werden müsse. "Wir müssen den Kampf mit Donald Trump aufnehmen, er steht auf der anderen Seite", so Habeck. "Manche Politiker bewegen sich noch schneller in die Richtung, die unseren Planeten erst in die schwierige Situation gebracht haben, in der wir sind."

Philipp Hildebrand, Vizepräsident BlackRock, plädiert für eine nachhaltige Wirtschaft
tagesthemen 22:15 Uhr, 21.01.2020

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Thunberg: "Unser Haus brennt noch immer"

Kurz nach Trump sprach in einem anderen Raum die Klimaaktivistin Greta Thunberg. Vor ihrer Rede hatte sie sich den Auftritt des US-Präsidenten im Publikum angesehen. "Unser Haus brennt noch immer. Eure Untätigkeit heizt die Flammen stündlich an", rief sie den Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu. "Wir sagen euch immer noch, dass ihr in Panik geraten und so handeln sollt, als ob ihr eure Kinder über alles liebt."

Die 17-jährige Schwedin kritisierte, "leere Worte und Versprechen" sollten den Eindruck erwecken, dass etwas für das Klima getan werde, sie brächten aber nichts gegen die Klimakrise. Es bringe nichts, auf Technologien zu vertrauen, die heutzutage noch gar nicht existierten.

Bereits zuvor hatte Thunberg Spitzenvertretern aus Politik und Wirtschaft Versagen im Kampf gegen den Klimawandel vorgeworfen: Bislang sei so gut wie nichts getan worden. Der Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid sei noch nicht verringert worden. Es seien "viel mehr" Anstrengungen nötig.

Trump innenpolitisch unter Druck

Trump zählt zu den Hauptrednern der Konferenz. Im Mittelpunkt des viertägigen Treffens in den Schweizer Alpen stehen der Kampf gegen den Klimawandel sowie geopolitische Krisen etwa im Nahen Osten und in Libyen. Trump steht wegen des Amtsenthebungsverfahrens, das in Washington gegen ihn läuft, innenpolitisch unter großem Druck. Das Verfahren findet vor dem Hintergrund des Wahlkampfs für die Präsidentschafts- und Kongresswahl im November statt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Januar 2020 um 12:00 Uhr.

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