US-Präsident Trump und Corona-Chefberater Fauci | Bildquelle: Stefani Reynolds/POOL/EPA-EFE/Sh

Coronakrise in den USA Trump gegen die eigenen Experten

Stand: 14.07.2020 09:24 Uhr

Die Corona-Fallzahlen in den USA steigen unaufhörlich, doch der beharrlich mahnende Virenexperte Fauci findet beim Präsidenten kein Gehör. Stattdessen versucht das Weiße Haus, ihn zu diskreditieren.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

Francis Suarez ist der Bürgermeister von Miami - und genervt. In seiner Stadt steigt die Zahl der Corona-Infizierten explosionsartig an. Mehr als 12.000 neue Fälle waren es am Montag in ganz Florida, mehr als 15.000 am Sonntag. Intensivbetten und Beatmungsgeräte werden knapp.

Statt Unterstützung bekommt der Republikaner von seinem Präsidenten dieser Tage entweder Verharmlosung - getreu dem Motto: "Liegt nur an den vielen Tests" - oder Verschwörungstheorien. Am Sonntag beispielsweise retweetete Donald Trump die Einlassung des konservativen TV-Moderators Chuck Woolery zur Pandemie und zur Rolle der Experten bei Amerikas oberster Seuchenbehörde, der CDC:

"Die schlimmsten Lügen sind die über Covid-19. Alle lügen: die CDC, die Demokraten, unsere Ärzte - nicht alle, aber die meisten, denen wir trauen sollen. In Wirklichkeit geht es um die Wahl und darum, die Wirtschaft am Comeback zu hindern. Ich habe es satt!"

US-Präsident Trump und Corona-Chefberater Fauci (L), Archivbild | Bildquelle: AP
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Trump zeigt für die Aussagen von Fauci in den vergangenen Wochen wenig Interesse.

"Brauchen den Rat der CDC"

Trump hat die CDC auch im Visier, weil die Behörde strenge Richtlinien für die Wiedereröffnung der Schulen entwickelt hat - zu strenge, findet der Präsident.

Bürgermeister Suarez hat für solche Retweets von Trump kein Verständnis. Hilfreich seien sie jedenfalls nicht, sagte er bei CNN. Er verstehe nicht, wie das dem Präsidenten helfen solle, der schließlich die CDC kontrolliere. "Wir brauchen den Rat der CDC, weil wir keine eigene Gesundheitsbehörde haben, keine eigenen Epidemiologen, keine Experten. Wir müssen uns die zusammensuchen, weil wir auf lokaler Ebene Entscheidungen treffen müssen, die besser auf nationaler und auf Ebene der Bundesstaaten aufgehoben wären."

 Trump traut seinen Experten nicht

Dass der US-Präsident seinen eigenen Experten nicht traut, ist nicht neu. An den Treffen der Task Force zur Pandemie-Bekämpfung nimmt er schon lange nicht mehr teil. Von Amerikas Top-Virologen Anthony Fauci hat er sich schon seit Monaten nicht mehr direkt informieren lassen.

Weil der dem Präsidenten widerspricht, wo er kann: Nicht die vielen Tests seien der Grund für die hohen Fallzahlen, sondern die schnelle Wiederöffnung und das unvorsichtige Verhalten vieler Amerikaner - ohne Abstand, ohne Masken. Und da sei auch, anders als von Präsident Trump behauptet, die bislang relativ niedrige Todesrate kein Trost.

Weißes Haus verteilt Liste mit Faucis Fehlern

Das will Trump nicht hören. "Fauci ist ein netter Mann", erklärte der Präsident vor ein paar Tagen bei Fox News. "Aber er hat viele Fehler gemacht." Zum Beleg ließ Trump jetzt von Mitarbeitern des Weißen Hauses eine Liste mit Faucis angeblichen Fehlern und Widersprüchen an ausgewählte Journalisten verteilen.

Fauci habe das Einreiseverbot aus China kritisiert. Obwohl das doch Tausenden Amerikanern das Leben gerettet hätte. Fauci sei erst gegen Masken gewesen, und jetzt dafür. Außerdem habe der 79-Jährige im Februar gesagt, das Infektionsrisiko sei gering und niemand müsse sein Verhalten ändern. Dass Fauci im gleichen Interview auch sagte, dass sich das ganz schnell ändern könne, ließen die anonymen Verfasser der Liste weg.

Es sei gar nicht darum gegangen, Fauci in ein schlechtes Licht zu rücken, erklärte Trumps Sprecherin Kayleigh McEnany gestern. Die Liste sei nur eine direkte Antwort auf eine Anfrage der Washington Post gewesen.

Wie lange ist Fauci noch im Amt?

In US-Medien wird nun wieder spekuliert, ob Trump den Chef des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten bald feuert. Aber Fauci genießt laut Umfragen bei fast 70 Prozent der Amerikanern immer noch großes Vertrauen, genau wie die CDC. Trump selbst erklärte gestern dann, was für ein netter Mann Fauci sei, und was für eine gute Beziehung er zu ihm habe.

Die Zweifel bei seinen Anhängern hat Trump dennoch erfolgreich gesät: "Diese ganze Sache mit Covid ist doch völlig übertrieben", findet Andrea, pensionierte Krankenschwester aus Arkansas - und wiederholt, was auch ihr Präsident immer wieder sagt: "Fake News, eine Erfindung der Demokraten."

"Fehler" und "Lügen": Trump gegen die eigenen Experten
Julia Kastein, ARD Washington
14.07.2020 08:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. Juli 2020 um 15:50 Uhr.

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