US-Präsident Donald Trump | Bildquelle: MICHAEL REYNOLDS/EPA-EFE/REX/Shu

Spaltung der Republikaner Trump legt sich mit Milliardären an

Stand: 04.08.2018 16:33 Uhr

Einst waren Charles und David Koch einflussreiche Unterstützer der Republikaner. Jetzt wenden sich sogar Großspender von Trump ab - und der US-Präsident pöbelt via Twitter zurück.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Wenn US-Präsident Donald Trump die ganz schweren verbalen Geschütze auffährt, dann geht es zumeist gegen Medien, Einwanderer oder den politischen Gegner. Dass er gegen eigene Parteigänger und noch dazu Großspender für die Republikaner pöbelt, so wie in dieser Woche, dann ist das sogar für den unberechenbaren Trump außergewöhnlich. Woher also der Furor des Präsidenten?

"Der Protektionismus ist auf dem Vormarsch", beklagt in einem Fernsehspot der milliardenschwere Unternehmer Charles Koch. Charles und sein Bruder David Koch herrschen in Kansas über ein Firmenimperium, Koch Industries, das 100 Milliarden Dollar schwer ist und 100.000 Menschen beschäftigt.

Die Koch-Brüder sind Großspender für die Republikaner und weit mehr als nur Zahlmeister, sagt Charles Koch: "Wir haben angefangen, uns in die Tagespolitik einzumischen, weil ich so enttäuscht war von George W. Bush. Der hat die Regierung viel stärker aufgeblasen als Clinton. Und er hat auch nicht dereguliert: Staatliche Gängelei verdoppelte sich im Vergleich zu den Jahren unter Clinton."

Koch finanziert die Partei großzügig mit

Koch steht für Freihandel, Haushaltsdisziplin, wenig Staat und schon gar keinen Sozialstaat. Sieht er diese Prinzipien verletzt, dann nimmt er auch die Partei ins Visier, die er eigentlich großzügig mitfinanziert. An dem US-Präsidenten lässt er kaum ein gutes Haar. Er lehne große Teile seiner Politik ab, sagt er: "Das können Sie ja schon aus meinen Grundsatzüberzeugungen ableiten. Ich lehne Protektionismus ab, ich lehne den Wohlfahrtsstaat ab. Ich befürworte Meinungsfreiheit, aber ich lehne persönliche Angriffe auf Leute mit anderer Meinung ab!"

David Koch | Bildquelle: picture alliance/AP Photo
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David Koch herrscht gemeinsam mit seinem Bruder Charles über ein großes Firmen-Imperium.

Das ist Trump-Schelte, die auch in republikanischen Kreisen Gehör findet. Zumal die Koch-Brüder ein Finanzierungs-Netzwerk ins Leben gerufen haben, das Gelder von über 500 Spendern einsammelt und weiterreicht.

Auch James Davis, der Sprecher des Koch-Netzwerkes, schießt dieser Tage gegen Trump. Rekordausgaben in Höhe von 1,3 Billionen Dollar, Familien, die an der Grenze getrennt werden: Das alles sei Unrecht, das bekämpft werden müsse.

Trump lässt es nicht auf sich sitzen

Trump wäre aber nicht Trump, wenn er das auf sich sitzen lassen würde. Diese Woche feuerte ein wahres Twitter-Gewitter auf die Koch-Brüder ab. Sie seien "ein totaler Witz in echten Republikanerkreisen", er "brauche ihr Geld und miserablen Ideen nicht", er "habe sie reicher gemacht", ihr Netzwerk werde völlig überschätzt.

An Tim Phillips, der im Koch-Netzwerk für politische Lobby-Arbeit zuständig ist, prallt das ab: "Wir konzentrieren uns auf die politische Debatte und lassen uns nicht in die persönlichen Diffamierungen hineinziehen, die andere offenbar für richtig halten."

"Handelskriege führen zu nichts"

Die politische Debatte hat ein zentrales Thema: "Dieser Handelskrieg, dieser Protektionismus - die können den gesamten Wirtschaftsaufschwung abwürgen", klagt Davis. Hörbar gibt es darauf ein Echo aus dem Kongress: "Handelskriege führen zu nichts", sagt der republikanische Fraktionschef im Senat, Mitch McConnell.

"Ganz klar: Zölle sind nicht die richtige Antwort", sagt sein Amtskollege aus dem Repräsentantenhaus, Paul Ryan. Er wolle keine Zölle, Zölle seien Steuern. Der Unmut der Großspender, die ihr Geld bereits aus dem Wahlkampf eines republikanischen Senators in North Dakota abgezogen haben, dürfte Trump auch weiterhin das politische Leben schwer machen.

Trump streitet sich mit republikanischen Großspendern
Sebastian Hesse, ARD Berlin
04.08.2018 15:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 04. August 2018 um 17:19 Uhr.

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