US-Präsident Donald Trump. | Bildquelle: dpa

Trump im Wahlkampf Widerstand aus den eigenen Reihen

Stand: 27.08.2019 05:47 Uhr

Dass ein amtierender US-Präsident im Wahlkampf einen Widersacher aus den eigenen Reihen bekommt, ist ungewöhnlich. In Trumps Fall schwingen sich inzwischen gleich mehrere Republikaner auf, um ihn zu stürzen.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Ganz allmählich kommen sie aus der Deckung: Mit dem Radiokommentator und ehemaligen Kongress-Abgeordneten Joe Walsh sind es jetzt immerhin schon zwei Republikaner, die Trump offiziell den Fehdehandschuh hingeworfen haben. Gerade Walsh ist keiner, der ein Blatt vor den Mund nimmt. Was sich jahrelang im Radio beim politischen Gegner entlud, das bekommt jetzt Trump ab:

"Der ist bekloppt, der ist unberechenbar, grausam, inkompetent", wettert der 57-jährige gegen seinen Parteifreund. Walsh hatte ab 2011 zwei Jahre lang Illinois im Repräsentantenhaus vertreten. Und zählt zur rechts-konservativen Tea-Party-Bewegung.

Himmelfahrtskommando gegen den Amtsinhaber

Warum also jetzt das Himmelfahrtskommando gegen einen Amtsinhaber anzutreten, der unter Republikanern eine fast 90-prozentige Zustimmungsrate genießt? Das verdankt Trump einzig dem Umstand, dass es bislang keine Alternative zu ihm gab, glaubt Walsh. Und führt zum Beweis die stramm-konservativen Stammhörer seiner Show an:

"Ich kann ihn nicht ausstehen, aber Joe: Die Demokraten sind halt Sozialisten!", würden die zu ihm sagen.

Der ultrakonservative US-Radiokommentator und ehemalige Kongressabgeordnete, Joe Walsh. | Bildquelle: REUTERS
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Der ultrakonservative US-Radiokommentator und ehemalige Kongressabgeordnete, Joe Walsh, will Trump von rechts angreifen.

Oder: „Ich kann ihn nicht ausstehen, Joe, aber ich genieße die Steuersenkungen!“ Joe Walsh will Trump daher von rechts angreifen: Als zusätzliche Flanke zur Kritik von links, die ja bereits von den Demokraten kommt.

Walsh nicht der einzige republikanische Herausforderer

Weniger strategisch eindeutig ist dagegen die Kampagne von Bill Weld. Weld war der erste Republikaner, der seine innerparteiliche Kandidatur gegen Trump angemeldet hatte. In den neunziger Jahren war Weld Gouverneur von Massachusetts. Die Amerikaner kennen ihn aber auch als Romanautor. Wenn es um den amtierenden Präsidenten geht, dann fallen ebenso wenig schmeichelhafte Worte wie bei Walsh.

Der ehemalige Gouverneur des US-Bundesstaates Massachusetts, Bill Weld. | Bildquelle: REUTERS
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Der ehemalige Gouverneur des US-Bundesstaates Massachusetts, Bill Weld, war der erste Republikaner, der Trump offiziell herausforderte.

“Er scheint vor allem auf seine inneren Dämonen zu hören”, meint Bill Weld, “und die Angst und den Zorn, die er offenbar in seinem eigenen Kopf spürt!“ Auch Welds Kampagne  zielt darauf ab, keinen kompletten politischen Kurswechsel einzufordern, sondern Trumps Charakter ins Visier zu nehmen:

Trump nenne sich selber Messias, der Auserwählte, der König von Israel, meint Weld kopfschüttelnd. "Das ist ein schlüpfriger Pfad, wenn man als Präsident maßlos und narzisstisch ist!"

Kritik von links und von rechts

Weld selber ist sozialpolitisch eher liberal, etwa in der Abtreibungsfrage. Aber finanzpolitisch ist er ein Erzkonservativer: Entsprechend wird er die unter Trump explodierte Staatsverschuldung zum Kernthema seiner Kampagne machen.

Der ehemalige Gouverneur des Bundesstaates Ohio, John Kasich. | Bildquelle: AP
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Auch dem ehemaligen Gouverneur des Bundesstaates Ohio, John Kasich, werden Ambitionen nachgesagt, Trump herauszufordern. Er war bereits 2016 im Vorwahlkampf gegen Trump gescheitert.

Zu Weld und Walsh könnten sich bald noch drei weitere Herausforderer hinzugesellen: Angeblich stehen auch Mark Sanford, früherer Gouverneur von South Carolina, Jeff Flake, ehemaliger Senator aus Arizona, sowie John Kasich, früherer Gouverneur von Ohio, in den Startlöchern.

Angesichts von Trumps Popularität an der Parteibasis und seiner prall gefüllten Kriegskasse haben alle fünf wohl nur geringe Chancen, tatsächlich Präsidentschaftskandidat zu werden. Aber bis zu den Vorwahlen muss Trump jetzt massive Kritik von zwei Seiten abwehren. Unentschlossene Wechselwähler könnte das beeinflussen. Und die braucht Trump, um nächstes Jahr wiedergewählt zu werden.

Widerstand aus den eigenen Reihen: Erste republikanische Trump-Herausforderer
Sebastian Hesse, ARD Washington
27.08.2019 06:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. August 2019 um 05:40 Uhr.

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