US-Präsident Trump posiert vor einer Kirche in Washington.  | Bildquelle: AP

Reaktion der Kirchen auf Trump Per Tränengas zum Foto-Termin

Stand: 03.06.2020 03:45 Uhr

US-Präsident Trump ließ friedliche Demonstranten per Tränengas vertreiben, um vor einer Kirche posieren zu können. Führende Geistliche reagieren entsetzt. Doch gläubige Amerikaner gehören zu Trumps Stamm-Klientel.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Eine Szene, die in die Geschichtsbücher der USA eingehen dürfte. US-Präsident Trump lässt sich den Fußweg zu einer nahe dem Weißen Haus gelegenen Kirche mit Tränengas freischießen. Er lässt friedliche Demonstranten mit brutaler Polizeigewalt aus dem Weg räumen, um sich - und sein Gefolge - symbolträchtig für ein Foto in Szene zu setzen. Mit der Bibel in der erhobenen Hand, jedoch ohne Gebet oder versöhnliche Worte. Diese Geste sorgte landesweit für heftige Kritik - vor allem bei seinem politischen Herausforderer Joe Biden, einem bekennenden Katholiken.

"Alles nur für einen Fototermin, einen Fototermin! Vor einer der wohl ältesten Kirchen in Washington! Der Präsident scheint mehr an der Macht und am Zufriedenstellen seiner Basis als am Wohl der Menschen interessiert zu sein."

Was ganz offensichtlich als Machtdemonstration und als öffentliche Solidaritätsbekundung mit Christen im Land gedacht war, kam bei vielen Kirchenvertretern nicht gut an.

"Missbrauch von heiligen Symbolen"

Bischof Michael Curry, der Vorsitzende der Episkopalkirche in den USA, schrieb auf Twitter, Trump habe eine Kirche und die Heilige Bibel für parteipolitische Zwecke benutzt. Auch Bischöfin Mariann Edgar Budde von der Diözese Washington sagte auf CNN, Trumps Botschaft stehe ganz im Gegensatz zur kirchlichen Lehre.

"Das Benutzen der Bibel und sein Auftritt dort vor der Kirchen war ein Missbrauch von heiligen Symbolen. Trump hat sich Gott und die Kirche für seine Zwecke zu eigen gemacht. Seine Worte und seine Handlungen sind gegensätzlich zu den Lehren Jesu."

Pastorin Gini Gerbasi aus Georgetown war selbst unter den Demonstranten in Washington, die friedlich gegen Rassismus und Polizeigewalt protestiert hatten. Trump habe einen heiligen Ort in ein Schlachtfeld verwandelt, sagte die Geistliche auf CNN.

"Friedliche Menschen so wegzustoßen war widerlich. Und sich dann vor eine Kirche zu stellen und diese für die eigenen Zwecke zu benutzen, war Kirchenschändung."

Trump-Pastor lobt den Präsidenten

Auch der katholische Erzbischof von Washington, Wilton Gregory, kritisierte Trump aufs Schärfste. Am Schrein für Papst Johannes Paul II. sei der Präsident nicht willkommen. Dennoch legten Trump und seine Frau Melania gestern dort einen Kranz nieder. Der evangelikale Pastor Robert Jefress aus Dallas, Texas, hingegen lobte Trumps Fototermin vor der Kirche ausdrücklich. Jefress gilt als Trump-Pastor und hatte am Tag von dessen Amtseinführung den Gottesdienst in der St. Johns-Kirche geleitet.

"Präsident Trumps Verhalten war absolut korrekt. Indem er dort vor der Kirche stand, hat er nicht nur seine Solidarität mit dieser Kirchengemeinde bezeugt, sondern mit allen Gotteshäusern im Land. Und er hat seine Absicht deutlich gemacht, Kirchen beschützen zu wollen, vor denen, die versuchen, diese zu zerstören."

Trumps republikanische Basis - darunter auch seine evangelikalen Anhänger - stehen unverändert geschlossen hinter dem US-Präsidenten. Und daran - so die Einschätzung vieler politischer Beobachter - wird sich auch in absehbarer Zeit nichts ändern.

Per Tränengas zum Fototermin: Wie reagieren Kirchen auf Trumps Kirchen-Auftritt
Claudia Sarre, ARD Washington
03.06.2020 06:49 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. Juni 2020 um 10:08 Uhr.

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Claudia Sarre, NDR

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