Emanuel Macron und Donald Trump mit Ehefrauen beim Abendessen im Eiffelturm | Bildquelle: AFP

Trump in Paris Charmeoffensive à la Macron

Stand: 14.07.2017 00:01 Uhr

Nein, dies sollte ausdrücklich kein Arbeitsbesuch sein: Frankreichs Präsident Macron hat seinen US-Kollegen Trump als Ehrengast nach Paris geladen. Entsprechend daher das Programm - etwa ein Abendessen "unter Freunden". Geredet wurde dennoch.

Von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte einen wirklich anstrengenden Tag: Zuerst stand ein Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Programm, dann für beide gemeinsam eine ausführliche Sitzung des deutsch-französischen Ministerrates.

Und im Anschluss ging es mit Blaulicht weiter zum nächsten Empfang. Am Nachmittag wartete kein geringerer als US-Präsident Donald Trump. Am Abend traten sie dann gemeinsam vor die Presse.

Nein, dieser Besuch sollte ganz ausdrücklich kein Arbeitsbesuch sein, das war im Umfeld von Macron immer wieder und nachdrücklich betont worden. Der US-Präsident komme als Ehrengast - schließlich ist es genau 100 Jahre her, dass die USA in den ersten Weltkrieg eingetreten sind und damit das Schicksal nicht nur Frankreichs maßgeblich mit beeinflusst haben.

Deshalb auch das eher atmosphärisch als politisch ausgerichtete Programm: Pompöser Empfang im Invalidendom, schickes Diner auf dem Eiffelturm, zur Stärkung für die Truppenparade am Nationalfeiertag.

Tiefe Gräben ...

Bei der gemeinsamen Pressekonferenz war Trump sichtlich bemüht, sich für die vielen Schmeicheleien erkenntlich zu zeigen: "Sie haben einen großartigen Präsidenten, jemanden, der dieses Land bestens regieren kann - einen großen Anführer und starken Präsidenten."

So viel Lob, da musste sogar der Gastgeber schmunzeln. Dabei dürfte Macron nach dem kurzen Arbeitsgespräch, das es dann doch gegeben hatte, gar nicht so sehr zum Lachen zumute gewesen sein. Schließlich blieben trotz der freundlichen Atmosphäre die Gräben bei wichtigen Themen tief - zum Beispiel in Bezug auf das Pariser Klimaabkommen: "Ich respektiere die Entscheidung von Präsident Trump, die seinen Wahlkampfversprechen Rechnung tragen. Ich dagegen bleibe dem Klimaabkommen tief verbunden und meinem Wunsch, die Inhalte dieses Abkommens umzusetzen."

Ob es denn Chancen gebe, dass man bei diesem wichtigen Punkt vielleicht doch noch zusammenkomme, wollte eine Journalistin vom US-Präsidenten wissen. "Wir reden darüber in der nächsten Zeit. Wenn uns das gelingt, wäre das toll. Wenn es uns nicht gelingt, ist das auch ok." Ein einfaches Nein hätte es folglich auch getan.

Donald Trump, Emmanuel Macron und Ehefrauen im Hôtel des Invalides | Bildquelle: AFP
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Donald Trump, Emmanuel Macron und Ehefrauen im Hôtel des Invalides

... und die Gemeinsamkeiten

Dabei gebe es durchaus Bereiche, in denen beide Länder konstruktiv zusammenarbeiten, wurde Macron nicht müde zu betonen: "Zum Beispiel beim Kampf gegen den Terrorismus. Da sehen wir seit dem ersten Tag, dass wir auf einer Linie sind. Wir wollen mit absoluter Entschiedenheit die Terroristen ausradieren und ihre Propaganda unterbinden."

Auch in Bezug auf die Konflikte in Syrien, im Irak oder der Ukraine ziehe man an einem Strang, versicherte der französische Präsident.

Beschwichtigend reagierte der US-Präsidenten auf eine Reporterfrage: Dass er noch kürzlich öffentlich gesagt habe, ein Bekannter von ihm würde nicht mehr nach Paris reisen, weil Frankreich nicht sicher sei? "Nein, ich habe das Gefühl, dass sie ein sehr friedliches und wunderschönes Paris haben. Und ich komme wieder!"

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 14. Juli 2017 um 05:39 Uhr.

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